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Italien ist für China durchaus interessant - aber offenbar nicht in Anleihen.
Italien ist für China durchaus interessant - aber offenbar nicht in Anleihen.(Foto: picture alliance / dpa)

Aber nicht über Staatsanleihen: Italien spricht mit China

Die Euphorie war groß: Gerüchte, dass China im großen Stil italienische Staatsanleihen aufkaufen und damit die Haushaltskasse Italiens aufbessern könnte, ließ die Märkte nach oben schnellen. Nun streitet ein italienischer Staatssekretär die Bitte um Krisenhilfe ab. Italien verhandele lediglich über Industriebeteiligungen.

Das hochverschuldete Italien sucht Hilfe in China. Bei Gesprächen mit chinesischen Investoren in der vergangenen Woche sei es aber lediglich um industrielle Beteiligungen gegangen, nicht etwa um den Kauf von Staatsanleihen, sagte Staatssekretär Antonio Gentile. Um seine Anleihen zu verkaufen, muss Italien mittlerweile Rekordzinsen zahlen.

"Wir haben keine spezielle Hilfe von China verlangt", versicherte Gentile italienischen Medienberichten zufolge. "Die Nachfrage nach Staatsanleihen läuft gut." Gentile ist Staatssekretär im  Wirtschaftsministerium.

Juwelen, kein Papier

Ein Sprecher von Finanzminister Giulio Tremonti hatte zuvor bestätigt, dass dieser in der vergangenen Woche in Rom mit einer chinesischen Delegation zusammengetroffen war, zu der auch der Chef des unabhängigen Investmentfonds CIC, Lou Jiwei, gehörte. Laut der "Financial Times" ging es nicht nur um eine Beteiligung Chinas an strategisch wichtigen italienischen Unternehmen, sondern auch um den Kauf von Staatsanleihen. Marktgerüchten zufolge war China aber an Staatspapieren nicht interessiert.

"China interessiert sich für die Familienjuwelen: Es will in den Umweltsektor investieren, in neue Technologien und vor allem in Mode und Haushalts-Design", sagte der Mailänder Wirtschaftsprofessor Giuliano Noci der Nachrichtenagentur AFP. Peking habe einen Großteil seiner Währungsreserven in Dollar angelegt und suche nun nach weiteren Anlagemöglichkeiten auch in Italien.

Gibt es dennoch Hilfe?

Doch noch geben die Märkte nicht auf. Hilfe für die Schuldenländer Europas könnte von der Gruppe der Schwellenländer kommen, zu der neben China auch Indien, Brasilien, Russland und Südafrika gehören. Die Gruppe werde sich in der kommenden Woche in Washington treffen und dort beraten, wie sie der EU bei der Bewältigung der Schuldenkrise helfen könne, sagte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega in Brasilia.

Italien wurde seine am Dienstag angebotenen Staatsanleihen alle los - die Zinsen, die die Investoren dafür verlangten, stiegen aber auf Rekordhöhe. Der Zinssatz für Papiere mit einer Laufzeit von fünf Jahren sprang von 4,93 auf 5,60 Prozent und damit so hoch wie noch nie seit Bestehen der Eurozone. Insgesamt verkaufte die Regierung neue Anleihen für fast 6,5 Mrd. Euro.

Blut- und Tränenplan auf dem Tisch

Italien steht unter starkem Druck der Märkte und hat daher Sparmaßnahmen beschlossen. Der zweite Sparplan der italienischen Regierung in diesem Jahr sieht bis zum Jahr 2013 Einsparungen im Haushalt in Höhe von 54,2 Mrd. Euro vor. Der Parlamentsbeschluss steht noch aus, die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi will ihr Milliarden-Sparpaket am Mittwoch im Eiltempo verabschieden. Wie die Regierung mitteilte, soll das Dekret mit dem Abgeordnetenhaus auch die zweite und letzte Kammer per Vertrauensabstimmung passieren. Vor einer Woche hatte die Regierung die Maßnahmen auf dieselbe Weise bereits durch den Senat gebracht.

"Morgen wird das Parlament die endgültige Zustimmung geben", sagte Berlusconi in Brüssel nach einem Gespräch mit dem EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy. Zusammen mit dem ersten Sparpaket vom Juli über 48 Milliarden Euro plant Rom, damit mehr als 100 Mrd. Euro einzusparen. Mit dem "Blut- und Tränenplan" will Rom schon 2013 einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen.

Das mehrfach abgeänderte Sparpaket sieht unter anderem eine Steigerung der Mehrwertsteuer um einen Prozentpunkt auf 21 Prozent vor sowie eine Reichensteuer. Die Gewerkschaften halten Berlusconi jedoch vor, die ärmeren Italiener zu stark zu belasten.

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Quelle: n-tv.de

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