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Die Rendite von Grohe liegt hinter der des Konkurrenten Geberit zurück.
Die Rendite von Grohe liegt hinter der des Konkurrenten Geberit zurück.(Foto: picture alliance / dpa)

Deutsches Traditionsunternehmen vor Verkauf: Japaner greifen nach Grohe

Das Unternehmen Friedrich Grohe besteht seit 1936 und beschäftigt rund 9000 Mitarbeiter. Der Badarmaturenhersteller gehört allerdings seit fast zehn Jahren Finanzinvestoren und die wollen nun aussteigen. Ein Börsengang ist ebenso möglich wie ein Verkauf. Ernsthafte Interessenten gibt es.

Der deutsche Traditionskonzern Grohe wird möglicherweise nach Japan verkauft. Nachdem vor zehn Tagen drei Unternehmen verbindliche Gebote für den Armaturenhersteller vorgelegt haben, werden nun weit fortgeschrittene Gespräche mit dem japanischen Baustoffeproduzenten und Gebäudetechnikhersteller Lixil geführt, wie mehrere Informanten berichten. Die Transaktion würde den Armaturenhersteller mit etwas mehr als 3 Milliarden Euro bewerten. Es wäre damit der bislang größte Zukauf eines japanischen Unternehmens in Deutschland.

Grohe gehört der Beteiligungsgesellschaft TPG und der Private-Equity-Sparte der Credit Suisse. Die Eigner hatten im Sommer den Verkaufsprozess eingeleitet, der entweder über den Verkauf an interessierte Dritte oder über einen Börsengang erfolgen soll. Dieses so genannte Dual-Track-Verfahren erlaubt es den Eigentümern, auch dann auszusteigen, wenn der Verkauf an ein anderes Unternehmen scheitern sollte. TPG und Credit Suisse hatten vor fast zehn Jahren das deutsche Unternehmen gekauft.

Expansion auf japanisch

Lixil befindet sich derzeit auf Expansionskurs. Erst kürzlich hatten die Japaner für 342 Millionen US-Dollar den amerikanischen Bad- und Küchenausstatter ASD Americas Holding plus Schulden erworben. Die Gespräche von Lixil mit den Grohe-Eigentümern könnten nun im Verlauf dieser Woche abgeschlossen werden, berichten zwei der Informanten. Das japanische Unternehmen war für eine Stellungnahme dazu nicht zu erreichen.

Der alternativ geplante Börsengang sei aber noch nicht vom Tisch, sagen die Informanten weiter. Ein IPO im Herbst bleibe möglich. Auch die anderen Interessenten könnten nochmal eine Rolle spielen. Sollten die Gespräche mit den Japanern scheitern, könnte beispielsweise der schweizerische Sanitärhersteller Geberit zurück an den Verhandlungstisch kommen, sagte eine Person. Geberit war das zweite Unternehmen, das Mitte des Monats ein Gebot abgegeben hatte.

Rendite als Knackpunkt?

Das Unternehmen Friedrich Grohe besteht seit 1936 und beschäftigt heute rund 9000 Mitarbeiter. Vergangenes Jahr erzielte Grohe ein bereinigtes operatives Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) von 273 Millionen Euro, der Umsatz lag bei 1,4 Milliarden Euro. Grohe erreichte damit nur eine EBITDA-Marge von rund 19 Prozent. Das liegt ein gutes Stück unter den 25 Prozent, die Geberit schafft. Wohl aus diesem Grund können die Grohe-Eigentümer beim Verkauf nicht den zunächst angestrebten Preis von 4 Milliarden Euro erzielen.

TPG und Credit Suisse hatten Grohe im Jahr 2004 für 1,5 Milliarden Euro erworben. Die Transaktion gewann damals eine große Aufmerksamkeit in der Politik, da sie die Debatte über die als "Heuschrecken" beschimpften Finanzinvestoren anfachte. Beteiligungsgesellschaften wurden dafür kritisiert, dass sie Unternehmen erwerben, aussaugen und dann weiterziehen. Inzwischen gilt die gesamte Grohe-Transaktion aber als Erfolg.

Der im Jahr 2004 angetretene Grohe-Chef David Haines steigerte den Gewinn des Armaturenhersteller und führte das Unternehmen in Wachstumsmärkte. Grohe kaufte sich beispielsweise mit 72 Prozent beim chinesischen Armaturen-Marktführer Joyou ein.

Quelle: n-tv.de

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