Wirtschaft
Im Laufe des Handelstages stieg der Nikkei bis auf 20.953 Punkte - der höchste Stand seit Dezember 1996.
Im Laufe des Handelstages stieg der Nikkei bis auf 20.953 Punkte - der höchste Stand seit Dezember 1996.(Foto: REUTERS)

Sturm auf Blue-Chip-Aktien hält an: Japans Börse kehrt zu alter Stärke zurück

Der wichtigste japanische Aktienindex kommt immer mehr in Fahrt und markiert neue Höchststände: Mit fast 21.000 Punkten steigt der Nikkei so hoch wie zuletzt 1996. Kurzfristig beflügeln gute Nachrichten aus Griechenland. Aber es steckt noch viel mehr dahinter.

Seit Monaten zeigt sich der Nikkei-Index der 225 führenden Werte an der Tokioter Börse in absoluter Top-Form. Japans Leitindex sorgte heute mit einem weiteren Höchststand für Furore: Im Laufe des Handelstages stieg er bis auf 20.953 Punkte. Das war der höchste Stand seit Dezember 1996.  Eine Blasenbildung konnten Händler dennoch nicht erkennen. "Der Stand spiegelt heute stärker als zu Zeiten der Blase zu Beginn der 2000er Jahre die reale Wirtschaft wider", sagte Analyst Soichiro Monji von Daiwa Investments.

Für die Bestmarke reichte ein Anstieg von gerade mal 0,7 Prozent. Am Ende schloss der Index mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 20.868 Punkten. Im April war der Nikkei-Index erstmals seit 15 Jahren wieder über die Marke von 20.000 Punkten geklettert. Manche Analysten sehen ihn zum Jahresende schon bei 22.000 Punkten.

Hoffnung auf Ende des Griechenland-Dramas treibt an

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Den entscheidenden Schub zum neuen Höchststand gab dem wichtigsten asiatischen Aktienindex zuletzt die Aussicht auf eine Beilegung des griechischen Schuldenstreits. Zwischen Griechenland und seinen Gläubigern bestehen zwar weiterhin Differenzen, doch gab es Fortschritte in den Verhandlungen, die in letzter Minute womöglich einen Zahlungsausfall des Landes doch noch verhindern könnten. Auch an der Börse in Tokio nahm man dies positiv auf. Etwas Rückenwind kam auch vom veröffentlichten Protokoll der vorletzten Sitzung der japanischen Notenbank. Daraus geht hervor, dass die Zentralbanker optimistisch sind, was die Inflationsaussichten angeht.

Die börsennotierten Unternehmen der drittgrößten Volkswirtschaft dürften insgesamt ihre Ertragserwartungen im laufenden Geschäftsjahr nach oben korrigieren, sagte Hiroaki Hiwada von Toyo Securities der Agentur Kyodo. Hintergrund für die wachsende Nachfrage nach japanischen Blue Chips ist, dass sich die Unternehmen in den vergangenen Jahren stark umstrukturiert haben.

War es traditionell zum Beispiel bislang so, dass Unternehmen auf gewaltigen Geld-Beständen saßen, legen inzwischen immer mehr von ihnen Wert auf höhere Renditen und Ausschüttungen. So kauften japanische Unternehmen im Geschäftsjahr 2014/2015, das am 31. März ablief, so viele Aktien zurück wie seit sechs Jahren nicht. Dadurch steigt in der Regel der Wert der Papiere. Auch Dividendenausschüttungen haben in Japan deutlich zugenommen.

Rekordhoch von 1989 liegt noch in weiter Ferne

Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe will die Entwicklung untermauern. Nicht nur durch die gewaltige Geldschwemme der Notenbank, sondern auch mit Reformen. So wurden erstmals Richtlinien zur Unternehmensführung erlassen. Sie sollen für eine größere Transparenz und eine Öffnung der verkrusteten Unternehmenskultur sorgen. So sind die Unternehmen fortan angehalten, mindestens einen unabhängigen Direktor in den Aufsichtsrat zu holen. Zudem hält die Regierung die Konzerne an, ihre Überkreuzbeteiligungen abzubauen. Außerdem hat der staatliche Pensionsfonds GIPF, die größte Pensionskasse der Welt, entschieden, von Staatsanleihen stärker in Aktien umzuschichten.

All dies steckt hinter den jüngsten Kurszuwächsen. Doch auch wenn der Nikkei wieder da ist, wo er vor mehr als 18 Jahren stand - von seinem Allzeithoch ist er noch weit entfernt. Im Dezember 1989 war das Rekordhoch von 38.957 Punkten erreicht worden.

Quelle: n-tv.de

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