Wirtschaft
So sieht ein Solarmodul von Bosch Solar aus.
So sieht ein Solarmodul von Bosch Solar aus.(Foto: picture alliance / dpa)

Solarworld vor Bosch-Solar-Deal: "Kein zweiter Fall BenQ"

Als BenQ die Handysparte von Siemens kauft, hoffen die Mitarbeiter auf eine Zukunft. Daraus wird nichts. BenQ macht die Sparte 2006 dicht. Dieses Szenario will Bosch um jeden Preis verhindern. Deshalb gibt es deutliche Zugeständnisse an Solarworld.

Frank Asbeck steht vor seinem nächsten Coup: Der Solarworld-Chef wird voraussichtlich schon in der nächsten Woche die Übernahme eines Großteils der Bosch-Solarsparte verkünden. Wie zwei mit den Plänen vertraute Insider dem "Wall Street Journal Deutschland" sagten, sind sich die Vertreter von Bosch und Solarworld über das Geschäft in den wesentlichen Punkten einig. Nur Details seien noch zu klären.

Vorgesehen ist den Angaben zufolge, dass Solarworld die meisten der rund 1600 Mitarbeiter am Bosch-Standort im thüringischen Arnstadt weiterbeschäftigt. Der Bonner Solar-Pionier dürfte mit der Übernahme zu den weltgrößten Photovoltaik-Herstellern aufschließen.

Microsol bleibt außen vor

Video

Investieren muss Solarworld dazu offenbar kaum: Nach den Angaben der Insider wird das Unternehmen keinen wesentlichen Kaufpreis für die Arnstädter Anlagen zahlen. Bosch habe in den Verhandlungen vor allem darauf Wert gelegt, dass der Käufer dem Standort eine realistische Perspektive bieten kann, sagte einer der Informanten. In dem Unternehmen gelte das Ziel, unbedingt "einen zweiten Fall BenQ" zu vermeiden. BenQ hatte im Jahr 2006 die zuvor von Siemens übernommene deutsche Handy-Produktion stillgelegt.

Auch vor diesem Hintergrund habe das Kaufangebot von Solarworld überzeugt, berichteten die Informanten. Einziger verbliebener Konkurrent der Bonner war demnach zuletzt der Wettbewerber Microsol. Der indisch-arabische Konzern hatte mit Solon schon im vergangenen Jahr einen deutschen Solarmodul-Hersteller übernommen.

Solon allerdings machte jüngst Schlagzeilen, weil das Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern in Deutschland zeitweise die Produktion einschränkte. "Interne Gründe" hätten dazu geführt, sagte eine Sprecherin dem "Wall Street Journal Deutschland" Ende Oktober.

Verantwortliche von Microsol waren zunächst nicht zu erreichen. Sprecher von Bosch und Solarworld lehnten es ab, die aktuellen Informationen zu kommentieren.

Bosch verbrennt Milliarden

Video

Den Photovoltaik-Herstellern machen vor allem die Konkurrenz aus China und Absatzschwierigkeiten wegen der schrumpfenden staatlichen Solarförderung zu schaffen. Angesichts der Probleme hatte Bosch die eigene Photovoltaik-Sparte im Frühjahr dieses Jahres zum Verkauf gestellt. Jährlich bis zu 40 Prozent Preisverfall im Solargeschäft ließen sich nicht kompensieren, sagte damals Bosch-Chef Volkmar Denner. Nach seinen Worten hatte der Konzern zuvor insgesamt rund 2,4 Milliarden Euro in den Aufbau der Photovoltaik-Sparte investiert.

Während auch andere deutsche Solarhersteller einknickten, gab sich Solarworld-Chef Asbeck stets optimistisch. Gleichwohl haben die Branchenschwierigkeiten auch sein Unternehmen hart getroffen: Solarworld hat erst im August seinen Gläubigern und Aktionären die Zustimmung zu einem Schuldenschnitt abgerungen. Den Schritt, ohne den die Insolvenz droht, will das Unternehmen bis Februar umsetzen.

Was wird aus den Wafern?

Offenkundig sieht Asbeck sein Unternehmen dennoch in der Lage, einen Großteil des Bosch-Solargeschäfts in den eigenen Konzern zu integrieren. Das Interesse des Solarpioniers gelte allerdings nicht allen Teilen des Bosch-Standorts Arnstadt gleichermaßen, sagten die Insider: Asbeck interessiere sich vor allem für die Produktion von Zellen und Modulen. Unklar ist demnach etwa, ob Boschs Wafer-Fertigung bei Solarworld eine Zukunft hat. Bosch suche für einen Teil seiner Arnstädter Mitarbeiter deshalb andere Lösungen, sagten die Informanten.

Ohnehin ausgeklammert von dem Geschäft zwischen Bosch und den Bonnern bleiben den Informationen zufolge die ausländischen Produktionsstandorte der Bosch-Solarsparte. Auch an Aleo Solar, einer Tochter des Stuttgarter Technikkonzerns, habe Solarworld kein Interesse, hieß es.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen