Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Probleme wie beim Ölpreis: Kommt der Bitcoin nochmal hoch?

Von Samira Lazarovic

Der Bitcoin ist seit Jahresanfang um gut 40 Prozent eingebrochen. Das könnte das ganze System der Digitalwährung durcheinander bringen. Denn die "Miner" hören auf zu schürfen - es ist einfach zu teuer.

Chart

Der Bitcoin macht erneut mit starken Kursschwankungen von sich reden. Innerhalb weniger Tage gab der Handelskurs in US-Dollar von etwa 260 auf teilweise 170 Dollar pro Bitcoin nach. Damit war die Digitalwährung weit entfernt vom Allzeithoch bei fast 1200 Dollar, der Ende November 2013 erreicht worden war. Auch wenn sich der Kurs bei Werten über 200 Dollar wieder etwas stabilisiert hat, wird der Preis in der nächsten Zeit nach Ansicht von Analysten weiter schwanken.

Solche Schwankungen sind nichts Neues in der Bitcoin-Welt: Von Anfang an galt die Währung als stark durch Spekulanten angetrieben. Besonders, weil der Bitcoin keinen fundamentalen Wert besitzt. Das ist zwar bei anderen Papierwährungen, die nicht an ein Edelmetall gebunden sind, nicht anders. Hier kann man sich jedoch sicher sein, dass ein Staat oder eine Zentralbank für die Wertbeständigkeit einstehen.

Hält das System?

Der Bitcoin

- Die Menge an Bitcoin ist gedeckelt. Maximal 21 Mio. werden einmal im Umlauf sein. Bislang sind es etwa 15 Mio. Bitcoins. Da die Produktion immer aufwendiger und teurer wird, wird es schätzungsweise bis 2040 dauern, bis der letzte produziert ist.

- Das Cybergeld gilt als fälschungssicher. Neue Bitcoins werden nicht von eine zentralen Institution ausgegeben, sondern dezentral generiert.

- Nutzer können über Online-Börsen reales Geld in Bitcoins umtauschen.

- Zahlungen mit Bitcoins können nicht rückgängig gemacht werden. Die Transaktionen erfolgen innerhalb kürzester Zeit.

- Vor allem im Netz findet man Anbieter, bei denen man gegen Bitcoins Waren erwerben kann. Unter anderem gehören bitcoin.de oder Btcworld24.com dazu. Spenden von Bitcoins werden von zahlreichen NGOs akzeptiert, wie etwa vom BUND Berlin.

Bislang taten die Schwankungen der Beliebtheit der Währung keinen großen Abbruch. Das könnte sich jedoch diesmal ändern und der Werteverfall den Bitcoin aus ganz praktischen Gründen ins Wanken bringen. Der niedrige Preis ist Problem für die "Miner", die mit leistungsstarken Computern neue Bitcoin-Münzen errechnen. "Während der Wert neuer Münzen gesunken ist, sind die Kosten für Computer und Strom stabil geblieben. Das ähnelt den Problemen von Ölfirmen durch den gesunkenen Ölpreis", schreibt "Technology Review". Laut dem Magazin haben mehrere Bitcoin-Unternehmen und kleine Schürfer in der vergangenen Woche den Betrieb eingestellt, weil eine profitable Tätigkeit nicht mehr möglich gewesen sei.

Theoretisch soll die Selbstregulierung des Bitcoin-Systems dafür sorgen, dass Preisschwankungen dem System nicht schaden. So wird etwa der Schwierigkeitsgrad für die Schürf-Software gesenkt, die Rechner müssen weniger leisten. Der Schwierigkeitsgrad wird jedoch nur alle zwei Wochen angepasst - das könnte bei einem solchen Preisknick zu langsam sein für kleine Schürfer.

Er glaube, dass sich Miner zurückziehen und vorhandene Bitcoins auf den Markt werfen werden, um den verlorenen Umsatz auszugleichen, zitiert "Technology Review" Benjamin Edelman, Associate Professor an der Harvard Business School, der die Ökonomie von Bitcoins untersucht. Das würde aber zusätzlich auf den Preis drücken. Auch die aktiven Schürfer würden zu dem Problem beitragen, weil sie die neu errechneten Bitcoins sofort wieder verkaufen müssten, so Edelman.

Skandale wenig hilfreich

Die jüngsten Kursschwankungen werden zudem nicht dazu beitragen, dass die digitale Währung in der Breite an Vertrauen gewinnt. Ebensowenig, wie die zahlreichen Skandale, die im Zusammenhang mit dem Bitcoin die Runde machen. So muss sich derzeit in New York der mutmaßliche Betreiber des riesigen digitalen Schwarzmarktes "Silk Road" vor Gericht verantworten. Auf Silk Road gab es Drogen, Waffen, Hackersoftware und allerlei anderes Illegales zu erwerben. Von 2011 bis Oktober 2013 sollen rund 200 Millionen Dollar durch diese dunklen Kanäle geflossen zu sein. Die Transaktionen wurden anonym über Bitcoins abgewickelt. Zwei "Silk Road"-Händler wurden nun zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Potenzielle Bitcoin-Sparer dürfte jedoch besonders die Pleite eines der wichtigsten Bitcoin-Handelsplätze im vergangenen Jahr abgeschreckt haben: Mt Gox. Eigenen Angaben zufolge kamen dem Unternehmen bei einem Hackerangriff Bitcoins im Gesamtwert von mehreren Hundert Millionen Euro abhanden. Mittlerweile deuten polizeiliche Untersuchungen darauf hin, dass der Dieb aus internen Kreisen kam.

Konzerne setzen auf Bitcoins

Gleichzeitig findet das Digitalgeld immer mehr Anerkennung in der Geschäftswelt. Nach Microsoft, Expedia oder Dell akzeptiert nun auch der "Time"-Verlag Bitcoins als Zahlungsmittel. Damit das nicht nur ein Werbegag bleibt, muss die Währung jedoch noch deutlich an Stabilität gewinnen. Kein Unternehmen erzielt gerne täglich einen anderen Preis für sein Produkt.

Vielleicht sorgt der Preissturz dafür, dass der Bitcoin für Spekulanten uninteressanter wird. Dann hätte die Digitalwährung die Chance, ihr Potenzial als Zahlungsmittel auszuschöpfen. Wenn die Minen nicht zu schnell erschöpft sind.

Quelle: n-tv.de

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