Wirtschaft
Die Militärintervention auf der Krim schadet der russischen Wirtschaft empfindlich.
Die Militärintervention auf der Krim schadet der russischen Wirtschaft empfindlich.(Foto: picture alliance / dpa)

Börsencrash und Währungssturz: Krim-Krise kostet Russland Milliarden

Von Hannes Vogel

Die russischen Staatsmedien bejubeln den Einmarsch auf der Krim. Doch Putins Machtdemonstration ist teuer erkauft: Die Börsen stürzen ab, der Rubel taumelt. Den Russen drohen Preisschock - und Sanktionen.

Die russische Militärintervention auf der Krim ist heftig umstritten: Während der Westen den Einmarsch tausender Soldaten ohne Abzeichen als völkerrechtswidrig brandmarkt, bejubeln staatsnahe russische Medien den Einsatz. Für sie ist die Aktion ein legitimer Akt der Selbstverteidigung. USA und EU erinnert der "Akt der Aggression" an die dunkelsten Stunden der Weltgeschichte.

Keinen Zweifel gibt es allerdings daran, was die Märkte von Putins Machtspielen halten. Und dass das rücksichtslose Vorgehen des Kreml in der Ukraine nicht umsonst ist, sondern für Russland enorme Kosten birgt. Besonders für die russische Wirtschaft. Denn nicht nur auf dem diplomatischen, sondern vor allem auf dem Börsenparkett zeigen sich die Auswirkungen der Brachialpolitik.

"Das ist ein Ausverkauf"

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Die russischen Börsen reagierten mit Panik auf den Einmarsch des russischen Militärs auf der Krim. Aus Sorge vor einem Krieg flüchteten Investoren massiv aus russischen Aktien. "Es gibt derzeit einen Ausverkauf auf alles", sagte ein Händler. Der Moskauer Index Micex fiel um über 8,5 Prozent auf ein Acht-Monats-Tief. Der RTS, in dem in Dollar notierte Aktienwerte zusammengefasst sind, brach ebenfalls um bis zu zehn Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers in der Finanzkrise im Herbst 2008. Der RTS liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit über viereinhalb Jahren.

Die wichtigsten russischen Aktien notieren mit einem deutlichen Kriegsabschlag. Die Papiere des Gasförderers Gazprom brachen um bis zu zwölf Prozent auf ein Siebeneinhalb-Monats-Tief ein. Die Aktien der Sberbank, Russlands größtem Geldinstitut, fielen ebenfalls um rund zwölf Prozent und waren mit 80 Rubel so billig wie zuletzt im Juni 2012. Die Anteilsscheine des Konkurrenten VTB büßten sogar 13 Prozent ein.

Ansturm auf die Wechselstuben

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Nicht nur die Investoren am Aktienmarkt, auch die breite Bevölkerung trifft Putins Interventionspolitik hart. Die russische Zentralbank griff am Morgen ein und erhöhte überraschend den Leitzins, um den Rubel zu stützen. Zusätzlich sollen die Notenbanker allein am Morgen zehn Milliarden Dollar ausgegeben haben, um die russische Währung zu verteidigen. Die ist wegen der Krise in der Ukraine bereits auf ein Rekordtief gefallen. In der Spitze legten Dollar und Euro um jeweils mehr als drei Prozent zu und waren mit 37 und 51,20 Rubel so teuer wie noch nie. Trotz der Notmaßnahme tendierte der Rubel-Kurs zum Dollar um zwei Prozent sowie zum Euro um ein Prozent niedriger.

Wechselstuben berichteten von einem Ansturm. "Wir waren darauf nicht vorbereitet", sagte der Besitzer einer kleinen Wechselstube in Moskau, die 24 Stunden am Tag geöffnet ist und seit Sonntagmorgen keine Dollar mehr vorrätig hat. Denn am Samstagnachmittag hatte das russische Parlament Wladimir Putin freie Hand für einen Militäreinsatz auf der Krim gegeben.

Preisschock für die Russen

Der Währungssturz ist spürbar und trifft die meisten Russen hart. Der Rubel war schon Mitte 2013 unter Druck geraten, als die US-Notenbank das baldige Ende ihrer Politik des billigen Geldes angekündigt hatte. Seit Juli hat die russische Währung gegenüber dem Dollar rund sieben Prozent an Wert verloren, gegenüber dem Euro sogar um fast 13 Prozent.

Der Währungssturz kratzt empfindlich an Putins Macht. Denn nichts fürchten die Russen seit der Rubel-Krise in den 90er Jahren unter Jelzin mehr als Hyperinflation und Wirtschaftschaos. Seit 1999 regiert Putin in wechselnden Rollen als Ministerpräsident und Staatschef. Er ist angetreten, Russland wirtschaftlich zu stabilisieren. Seine Wohlstandsversprechen entpuppen sich aber mehr und mehr als heiße Luft: Die Inflation zwischen Moskau und Wladiwostok hat 2013 mit fast sieben Prozent wieder spürbar zugelegt. Geht der Absturz des Rubels weiter, droht Russland ein Preisschock.

Krieg mit der Wirtschaft

Die Wirtschaftskrise verschärft sich damit: Die Investitionen gingen 2013 merklich zurück, das Wachstum brach auf gerade noch 1,3 Prozent ein, das tiefste Niveau seit der Finanzkrise. Für das laufende Jahr hat Putin das ehrgeizige Ziel von fünf Prozent ausgegeben. Andere Rezepte gegen die Malaise hat der Kreml bisher nicht entwickelt.

Die Kapitalflucht, die Putins Kriegsmanöver auf der Krim ausgelöst hat, verschärft die Wirtschaftsprobleme. Sollten Wirtschaftssanktionen hinzukommen, die US-Außenminister John Kerry bereits angekündigt hat, steigen die Kosten weiter. "Dem Land droht durch die Eskalation des Konflikts auf der Krim und in der Ukraine eine weitere Bremsung seiner Wirtschaft", schreibt die russische Zeitung "Wedomosti". Das Business bereite sich auf das Schlimmste vor. "Es ist ein Krieg mit der Wirtschaft."

Quelle: n-tv.de

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