Wirtschaft
Fed-Chef Ben Bernanke wägt seine Worte wohl ab: Er kündigt eine Politik der ruhigen Hand an.
Fed-Chef Ben Bernanke wägt seine Worte wohl ab: Er kündigt eine Politik der ruhigen Hand an.(Foto: REUTERS)

Leitzins bleibt auf Rekordtief: US-Notenbank deutet Ausstieg an

Fed-Chef Bernanke stellt erstmals einen Ausstieg aus den massiven Konjunkturhilfen in Aussicht. Zwar bleibt der Leitzins nahe Null Prozent. Die Geldspritzen der Notenbank gehen weiter, bis sich die US-Wirtschaft erholt - könnten aber früher enden als erwartet.

Die geldpolitische Zeitenwende in den USA rückt näher: US-Notenbankchef Bernanke hat einen früheren Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik angedeutet als bisher erwartet. Ihren Leitzins beließ die Zentralbank Fed zwar wie erwartet bei 0 bis 0,25 Prozent. Allerdings könnten die gigantischen Wertpapierkäufe, mit denen die Fed jeden Monat Milliarden in die Finanzmärkte pumpt, um die US-Wirtschaft anzukurbeln, schon in diesem Jahr gedrosselt werden und bis Mitte 2014 enden, sagte Bernanke.

Letztlich hänge der Zeitpunkt von der Entwicklung des Arbeitsmarktes ab. "Sollten unsere Prognosen tatsächlich eintreffen, dann enden die Anleihekäufe Mitte kommenden Jahres." Die Fed kauft Monat für Monat für 85 Milliarden Dollar Staats- und Immobilienpapiere. Bei einer Wirtschaftsentwicklung, wie sie sich die Notenbanker erhofften, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Umfang der Bonds-Käufe noch in diesem Jahr gedrosselt werden könne, sagte Bernanke. Die Wall Street baute ihre Verluste nach dem Zinsentscheid und den Aussagen Bernankes aus.

Bislang sind Bernanke & Co. mit der Konjunktur allerdings offenbar noch nicht zufrieden genug. Bernanke betonte, dass die Fed gegenwärtig davon ausgehe, dass zwischen dem Ende der Anleihekäufe und der ersten Zinserhöhung eine "geraume Zeit" vergehen werde. Die große Mehrheit der FOMC-Mitglieder rechnet erst 2015 mit einer Zinsänderung, ein Zentralbanker erwartet diesen Schritt sogar noch ein Jahr später, obwohl die Fed in ihren Konjunkturprognosen insgesamt optimistischer geworden ist.

Ausstieg könnte schneller kommen als gedacht

Vor allem der Arbeitsmarkt soll sich nach den neuen Fed-Prognosen nun um einiges schneller erholen als bislang erwartet. So rechnet Bernanke bereits im kommenden Jahr damit, dass der von der Fed gesetzte Schwellenwert einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent für die erste Zinserhöhung nach der Krise bereits im kommenden Jahr erreicht werden könnte. Bernanke betonte jedoch, dass es sich um einen Schwellenwert handele, nicht um einen quasi automatischen Auslöser für eine Zinserhöhung.

Für den Zeitpunkt, zu dem die Anleihekäufe enden könnten - also Mitte kommenden Jahres - rechnet der Fed-Chef immer noch mit einer Arbeitslosenquote von sieben Prozent. Die Fed muss sich per Mandat nicht nur wie andere Notenbanken um stabile Preise kümmern, sondern soll zudem Vollbeschäftigung erreichen. Meistens stehen diese beiden Aufgaben in einem für die Geldpolitik nicht so einfach lösbaren Zielkonflikt.

Wann sich andere Notenbanken der Fed auf ihren Weg der geldpolitischen Normalisierung anschließen, ist indes völlig offen. Während die Bank von Japan erst kürzlich die geldpolitischen Schleusen richtig weit öffnete, dachte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, erst am Dienstag laut über eine weitere Zinssenkung und den Einsatz zusätzlicher unorthodoxer Instrumente im Kampf gegen Rezession und Kreditklemme in vielen Euro-Ländern nach.

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Quelle: n-tv.de

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