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Die ES Automobilguss GmbH hat ihren Sitz im sächsischen Schönheide.
Die ES Automobilguss GmbH hat ihren Sitz im sächsischen Schönheide.(Foto: dpa)

"Wir sind nicht verantwortlich": Lieferanten werfen VW Machtmissbrauch vor

In der Auseinandersetzung mit VW gehen nun die Lieferanten in die verbale Gegenoffensive. Sie werfen dem Dax-Konzern vor, seine Marktmacht auf ihre Kosten auszunutzen. Die Lieferanten werben um eine einvernehmliche Lösung.

Lieferstopp, Ordnungshaft, Machtmissbrauch: Volkswagen leistet sich mit zwei Zulieferern einen heftigen Schlagabtausch. Der Wolfsburger Autobauer will die beiden sächsischen Firmen Car Trim und ES Automobilguss unter Androhung von Ordnungsgeld und Ordnungshaft dazu zwingen, ihre Lieferungen an die VW-Werke wieder aufzunehmen.

Wegen der fehlenden Bauteile muss im Stammwerk in Wolfsburg die Produktion des Golf ruhen. Ingesamt wird Volkswagen voraussichtlich in fünf Werken mehr als 20.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Doch die Unternehmen, die beide zur Prevent-Gruppe mit Hauptsitz in Slowenien gehören, warfen Europas größtem Autobauer Machtmissbrauch vor. Der Konzern nutze seine dominierende Marktstellung gegenüber der Zulieferindustrie aus.

"Für die Krise bei VW und die dadurch entstandene Kurzarbeit sind wir nicht verantwortlich", sagte Alexander Gerstung, Mitglied der Geschäftsführung der ES Automobilguss GmbH. VW verlagere seine Probleme auf die Zulieferindustrie. Die Wolfsburger kämpfen seit bald einem Jahr mit den Folgen der Abgaskrise und fahren gleichzeitig bei ihrer ertragsschwachen Hauptmarke einen Sparkurs.

Car Trim und ES Automobilguss fertigen Sitzbezüge beziehungsweise Getriebegehäuse für die Produktion verschiedener VW-Modelle, haben ihre Lieferungen aber seit einiger Zeit eingestellt. In Emden waren bereits am Donnerstag rund 8000 Beschäftigte des Passat-Werks deshalb in Zwangsurlaub gegangen.

"VW zwingt uns zu diesem Vorgehen, um unsere eigenen Mitarbeiter in Niedersachsen und Sachsen zu schützen und letztlich den Fortbestand des Unternehmens zu sichern", argumentierte Gerstung. Die jetzige Situation sei das Resultat einer frist- und grundlosen Kündigung von Aufträgen. Die beiden Unternehmen forderten deshalb einen mittleren zweistelligen Euro-Millionenbetrag von VW. Da der Konzern eine Kompensation ablehne, habe man sich zum Lieferstopp gezwungen gesehen. VW äußerte sich zu den Hintergründen des Streits bisher nicht.

"VW kann jeden kleinen Betrieb in den Ruin treiben"

Die beiden Firmen aus Sachsen seien nicht an einer weiteren Eskalation interessiert, betonte Gerstung. "Aber die Art und Weise, wie VW mit Zulieferern umgeht, ist in keiner Weise akzeptabel und kann jeden kleinen Betrieb in den Ruin trieben." Die niedersächsische Landesregierung rief er auf, nicht einseitig Partei zu ergreifen. Wirtschaftsminister Olaf Lies hatte das Verhalten der Zulieferer am Donnerstag im Landtag als nicht nachvollziehbar bezeichnet. Das Land ist zweitgrößter VW-Aktionär.

Niedersachsen spricht sich angesichts des Lieferstopps zweier VW-Teilehersteller notfalls für Zwangsmaßnahmen aus. Der bereits beträchtliche Schaden würde sich mit jedem Tag vergrößern, sagte Ministerpräsident Stephan Weil in Hannover. Sollte die Verhandlungslösung scheitern, müsse Druck ausgeübt werde. "Dann wird man auch Zwangsmaßnahmen aufnehmen müssen", meinte der SPD-Politiker.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte ein Ende des Lieferstopps: "Hier läuft ein ganz mieses Spiel des Lieferanten. Das macht uns wütend", sagte er der "Bild"-Zeitung. Kurzarbeit nehme niemand auf die leichte Schulter.

Quelle: n-tv.de

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