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Enteiser-Einsatz in Frankfurt: Das Programm "Score" reicht nicht aus.
Enteiser-Einsatz in Frankfurt: Das Programm "Score" reicht nicht aus.(Foto: picture alliance / dpa)

Überraschend aufgedeckte Zahlen: Lufthansa setzt das Messer an

Mit überraschend vorgezogenen Eckdaten schreckt die größte deutsche Fluggesellschaft ihre Aktionäre auf: Der Umsatz steigt, das operative Ergebnis schrumpft, unter dem Strich steht fast eine volle Milliarde Gewinn. Lufthansa-Chef Franz schlägt dennoch radikale Schnitte vor.

Eine bittere Pille für Anleger: Christoph Franz will die Dividende streichen.
Eine bittere Pille für Anleger: Christoph Franz will die Dividende streichen.(Foto: REUTERS)

Die Deutsche Lufthansa hat das vergangene Jahr mit einem deutlichen Gewinn abgeschlossen: Unter dem Strich steht für 2012 ein Konzernergebnis von 990 Mio. Euro, wie die Fluggesellschaft am Abend im Rahmen überraschend vorgelegter Eckdaten zur Jahresbilanz mitteilte. Im Jahr zuvor hatte die Fluggesellschaft noch ein Minus von 13 Mio. Euro verkraften müssen.

Sondereffekte durch Beteiligungsverkäufe hätten das Ergebnis stark beeinflusst, hieß es. Im abgelaufenen Jahr konnte die Lufthansa überraschend stark von den Beteiligungsverkäufen profitieren. Im operativen Geschäft lief es allerdings schlechter. Hier musste der Dax-Konzern einen Ertragsrückgang hinnehmen. Während der Umsatz um fünf Prozent auf 30,1 Mrd. Euro zulegte, ging der operative Gewinn um 36 Prozent auf 524 Mio. Euro zurück. Damit fiel er auch schwächer aus als von Analysten erwartet.

Für die Anteilseigner des Dax-Konzerns bleibt das wohl nicht ohne Konsequenzen: Die Aktionäre sollen nach dem Geschäftsjahr 2012 leer ausgehen. "Der Vorstand schlägt dem Aufsichtsrat das Aussetzen der Dividende vor", hieß es in der nachbörslich veröffentlichten Mitteilung.

Franz verschärft den Sparkurs

Und trotz des hohen dreistelligen Millionengewinns hält Lufthansa-Chef Christoph Franz auch weiterhin am Rotstift fest: Der Vorstand will zusätzlich zur gestrichenen Ausschüttung auch drei Standorte in Deutschland schließen.

Über 700 Arbeitsplätze sollten auf diesem Wege ins Ausland verlagert werden, erklärte ein Sprecher des Unternehmens am Abend. Zudem sollen wahrscheinlich hunderte Jobs innerhalb von Deutschland verschoben werden.

Köln, Norderstedt und Hamburg

Geschlossen werden sollen im Rahmen des Sparprogramms "Score" laut Lufthansa bis Ende 2017 die Hauptverwaltung des Konzerns in Köln mit 365 Arbeitsplätzen und der Standort der Buchhaltungstochter Lufthansa Revenue in Norderstedt mit etwa 350 Jobs. Auch sollten rund 160 der etwa 200 Arbeitsplätze der Konzernverwaltung im Bereich Financial Services in Hamburg in ein "spezialisiertes Dienstleistungszentrum" ausgelagert werden.

Ebenfalls prüfen will die Lufthansa nach eigenen Angaben, ob die Lufthansa-Tochter Cityline ihre Zentrale von Köln nach München verlegt. Damit würde die Verwaltung näher an den "operationellen Schwerpunkt" des Regionalanbieters rücken, erklärte das Unternehmen. Davon betroffen wären demnach rund 300 Mitarbeiter.

Die Lufthansa hatte bereits im Oktober erklärt, sie habe rund 700 Stellen in der Verwaltung identifiziert, die ins Ausland verlagert werden sollten. Hinzu kommen bei den Auslandsvertretungen und Konzerntöchtern weitere rund 400 Jobs, die an andere Auslandsstandorte verlegt werden sollen. Ein weiterer Stellenabbau sei nicht geplant, betonte der Lufthansa-Sprecher.

Streichen aus Verantwortung

Insgesamt will die Lufthansa im Rahmen des Sparprogramms "Score" nach eigenen Angaben weltweit rund 500 Mio. Euro beim Personal einsparen. Die Schließungen wolle der Vorstand in den kommenden Wochen mit den Arbeitnehmer-Vertretern verhandeln.

Lufthansa-Chef Christoph Franz betonte, mit dem Sparprogramm "auch aus Verantwortung gegenüber rund 118.000 Mitarbeitern weltweit" zu handeln: "Mit diesen Maßnahmen schaffen wir die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und langfristig sichere Arbeitsplätze."

Erst im Oktober hatte Franz eine Verschärfung des Sparkurses angekündigt. Die bislang in Angriff genommenen Projekte wie das Programm "Score" reichten nicht aus, um zusätzliche Belastungen auszugleichen, hieß es damals.

Ausgedünntes Angebot

Bereits für den Winter hatte die Lufthansa wegen der schwierigen Ertragserlage ihr Flugangebot zusammengekürzt. Das Sitzplatzangebot sollte nach damaligen Angaben drei Prozent geringer ausfallen als ein Jahr zuvor. Zugleich stehen tausende Arbeitsplätze auf der Kippe. 3500 Stellen sollen alleine in der Verwaltung wegfallen, rund 700 Stellen könnten aus Deutschland ins Ausland verlagert werden.

Für das Sanierungsprogramm gab die Lufthansa 2012 rund 160 Mio. Euro aus. Durch die eingeleiteten Personalkürzungen und weitere Schritte sollen die jährlichen Kosten bis 2015 insgesamt um 1,5 Mrd. Euro gesunken sein. Abgesehen davon profitierte die Lufthansa 2012 von einem Radikalschnitt bei der lange defizitären Tochter Austrian Airlines (AUA). Die Verlagerung des Betriebs auf deren Regionalflug-Ableger Tyrolean Airways schob den operativen Gewinn einmalig um 115 Mio. Euro in die Höhe.

108 neue Maschinen

Angesichts der hohen Treibstoffpreise und des harten Konkurrenzkampfs mit Billigfliegern wie Ryanair und den wachsenden Fluggesellschaften vom Persischen Golf sieht Franz zum Sparen keine Alternative. Vor milliardenschweren Investitionen in modernere und damit meist sparsamere Flieger schreckt der Vorstand dennoch nicht zurück.

Die Lufthansa verordnet ihrer Flugzeugflotte eine Frischzellenkur: 8 Langstreckenjets und 100 Kurz- und Mittelstreckenmaschinen will Franz bestellen und dafür insgesamt rund 9 Mrd. Euro ausgeben. Die Auslieferung der Flugzeuge ist für die Jahre 2015 bis 2025 geplant. Um welche Maschinen es sich genau handeln soll, verriet die Lufthansa zunächst nicht. Allerdings hatte der Konzern zuletzt die Umstellung der Mittelstreckenflotte auf die Modelle A320 und A320neo eingeleitet.

Quelle: n-tv.de

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