Wirtschaft
Planeten-Radlager auf der Hannover Messe: Deutschlands Maschinenbauer haben in Russland mehr Investitionen  getätigt, als Branchenvertreter aus jedem anderen Land.
Planeten-Radlager auf der Hannover Messe: Deutschlands Maschinenbauer haben in Russland mehr Investitionen getätigt, als Branchenvertreter aus jedem anderen Land.(Foto: picture alliance / dpa)

"Gift für Konjunktur": Maschinenbau fürchtet Russland-Embargo

Der Maschinenbau beschäftigt in Deutschland rund eine Million Menschen. Deutsche Unternehmen sind führende Investoren im russischen Markt. Der Branchenverband VDMA warnt vor den Konsequenzen der Sanktionen gegen Russland.

"Man muss wissen, was man tut": Reinhold Festges warnt vor Konsequenzen der Russland-Sanktionen für den deutschen Mittelstand.
"Man muss wissen, was man tut": Reinhold Festges warnt vor Konsequenzen der Russland-Sanktionen für den deutschen Mittelstand.(Foto: picture alliance / dpa)

Die deutschen Maschinenbauer fürchten eine Eskalation der Krise in der Ukraine und weitere Sanktionen gegen Russland. "Ein hartes Russland-Embargo hätte das Zeug, die Konjunkturentwicklung im Maschinenbau zu brechen", warnte der Präsident des Branchenverbandes VDMA, Reinhold Festge, zum Start der weltgrößten Industrieschau, der Hannover Messe. Sollte die Politik die Schrauben anziehen, wäre das "Gift für die Konjunktur".

Festges Haltung zur Krim-Krise ist gespalten. Auf der einen Seite müssten zweifellos klare Antworten an Russland gesendet werden. "Es ist völlig klar, dass hier ein eklatanter Bruch des Völkerrechtes begangen wurde, auch noch von einem Mitglied des UN-Sicherheitsrates. Es ist auch klar, dass es notwendig ist, deutliche Grenzen zu zeigen", sagte der VDMA-Präsident.

"Aber man muss wissen, was man tut, wenn man mit lautem Geschrei weiter an der Eskalationsschraube dreht: Es geht um den viertgrößten Markt für den Maschinenbau und es gibt kein Land, das derartig massive Investitionen in Russland getätigt hat, wie Deutschland", sagte Festge. Der deutsche Maschinenbau beschäftigt hierzulande fast eine Million Menschen direkt und etliche weitere indirekt.

Binnennachfrage leicht gesunken

Auf der Konjunkturseite hoffen die deutschen Maschinenbauer nach einem Dämpfer bei den Auftragseingängen zum Jahresstart auf spürbar mehr Bestellungen in den nächsten Wochen. 2014 habe der Auftragseingang in den ersten beiden Monaten im deutschen Maschinen- und Anlagenbau mit einem Prozent Zuwachs zum entsprechenden Vorjahreszeitraum stagniert. "Da beißt die Maus keinen Faden ab: Ein Aufschwung sieht anders aus", sagte Festge. Die Inlandsnachfrage verfehlte das Vorjahresniveau um zwei Prozent. Die für das Wachstum wichtigeren Auslandsorders stiegen immerhin um zwei Prozent.

Dennoch halte der VDMA an seiner Wachstumsprognose für das laufende Jahr fest und peile plus drei Prozent bei der Produktion an. "Das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel", betonte Festge. Die aus dem Auftragseingang zeitversetzt resultierende deutsche Produktion habe im Januar um 5,6 Prozent zum Vorjahresmonat angezogen. "An sich ein guter Start."

Ein  solcher sei jedoch auch nötig gewesen, denn die Fabriken seien zuletzt mit 84,4 Prozent nicht gut ausgelastet gewesen. "Richtig wohl fühlen wir uns nahe 90 Prozent", sagte der VDMA-Präsident. Der nötige neue Schub müsse zudem mit Blick auf die rund 993.000 Mitarbeiter, die im deutschen Maschinenbau derzeit eine Arbeit haben, rasch erfolgen. "Wir brauchen Wachstumsraten, um sie auch weiter zu beschäftigen."

Die Zukunftsaussichten für das Produktionsplus von drei Prozent seien keinesfalls einheitlich für die einzelnen Sparten, sondern nur ein Gesamtbild unter dem Strich, erklärte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. "Insgesamt sind wir aber nach wie vor der Ansicht, dass die Weltkonjunktur anzieht und wir davon profitieren", so Wiechers.

Quelle: n-tv.de

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