Wirtschaft

Seltene Äußerung zur Geldpolitik: Merkel wirbt um Verständnis für EZB

Eigentlich kommentiert Angela Merkel den Kurs der EZB nicht. Doch vor deutschen Unternehmern unterstützt die Bundeskanzlerin die Niedrigzinspolitik der Notenbank. Dabei hat Merkel nicht nur Länder wie Spanien, Portugal und Irland im Blick.

Angela Merkel verweist auf die lockere Geldpolitik in den USA und Japan.
Angela Merkel verweist auf die lockere Geldpolitik in den USA und Japan.(Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor deutschen Unternehmern die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und den daraus resultierenden niedrigen Euro-Kurs verteidigt. Ein zu hoher Kurs der Gemeinschaftswährung  würde verhindern, dass Länder wie Spanien, Portugal und Irland die Früchte ihrer Reformanstrengungen ernten könnten, sagte die CDU-Politikerin beim Tag des deutschen Familienunternehmens in Berlin.

Merkel bezog sich dabei auf die Tatsache, dass ein hoher Euro-Kurs Exporte in Länder außerhalb des Euroraums verteuert. Die ehemaligen europäischen Krisenländer haben in den vergangenen große Anstrengungen unternommen, ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Diese würden von einem starken Euro konterkariert.

Der Kurs des Euro ist von 1,36 US-Dollar im Juli 2014 auf 1,05 Dollar Mitte März dieses Jahres gefallen. Dahinter stand die zunehmende Erwartung, Ankündigung und schließlich beginnende Umsetzung eines groß angelegten Wertpapierkaufprogramms durch die EZB. Seither hat der Euro wieder zugelegt. Derzeit notiert er bei knapp 1,12 Dollar.

Auch deutsche Wirtschaft profitiert von niedrigem Kurs

Die Bundeskanzlerin verwies darauf, dass Japan und die USA bereits seit Jahren eine sehr lockere Geldpolitik betrieben. Die US-Notenbank hat bereits 2009 mit Anleihekäufen begonnen und diese inzwischen beendet. Gleiches gilt für die Bank of England. Die Bank of Japan dagegen setzt ein QE-Programm gerade um. Laut Merkel muss die EZB ihre Politik wegen der sehr niedrigen Inflation nun auch weiter lockern.

Sie wolle "zumindest für Verständnis werben, dass eine Notenbank wie die Europäische Zentralbank auch darüber nachdenkt, was man tun muss, wenn die Inflationsrate so niedrig ist", sagte sie. "Das ist nun wirklich das Mandat der Europäischen Zentralbank, darauf zu achten, dass wir nicht in eine deflationäre Entwicklung hinein kommen."

Laut Merkel steht die deutsche Wirtschaft unter anderem wegen des niedrigeren Euro-Kurses, "der wiederum zu tun hat mit der Geldpolitik", gut da. Die Bundeskanzlerin kommentiert die EZB-Geldpolitik der Notenbank für gewöhnlich nicht.

Quelle: n-tv.de

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