Wirtschaft
Protestaktion in Hamburg: Groß- und Universitätsstädte steuern auf eine "mittlere Katastrophe" zu.
Protestaktion in Hamburg: Groß- und Universitätsstädte steuern auf eine "mittlere Katastrophe" zu.(Foto: picture alliance / dpa)

"Sprengkraft" am Immobilienmarkt: Mieterbund fürchtet Katastrophe

In den deutschen Innenstädten ziehen die Mieten immer weiter an: Die Niedrigzinsphase und die anhaltende Unsicherheit an den Börsen treibt immer mehr Kapitalanleger in den Wohnungsmarkt. Schon jetzt wollen große und kleine Investoren Rendite sehen. Mieterbund-Chef Rips spricht von "massiven Problemen" und warnt vor "brandgefährlichen Zuständen".

"Massive Probleme, eine bezahlbare Wohnung zu finden": Franz-Georg Rips gibt die Themen für den Bundestagswahlkampf vor.
"Massive Probleme, eine bezahlbare Wohnung zu finden": Franz-Georg Rips gibt die Themen für den Bundestagswahlkampf vor.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Mischung aus rasant steigenden Mieten und anhaltend hohen Energiekosten verdüstert für immer mehr Menschen in Deutschland die Zukunftsperspektiven. Mit Blick auf die Lage in zahlreichen deutschen Städten hat der Präsident des Deutschen Mieterbundes, Franz-Georg Rips, nun vor dramatischen Zuständen auf dem Wohnungsmarkt gewarnt. Schon heute hätten viele Menschen "massive Probleme, eine bezahlbare Wohnung zu finden", sagte Rips dem "Focus". "Dieser Trend wird sich weiter verschärfen."

Rips zufolge steuern Groß- und Universitätsstädte, in denen es bereits jetzt an preiswerten Wohnungen fehle, "auf eine mittlere Katastrophe zu". Die Verteuerung der Wohnkosten treffe nicht nur Einkommensschwache, Rentner und Studenten. "Auch normal- und sogar viele gutverdienende Haushalte können das nötige Geld kaum noch aufbringen."

Ein großes Problem sei außerdem die wachsende . "Wenn die Menschen künftig weniger Rente bekommen, aber immer höhere Wohnkosten zahlen müssen, dann ist das ein brandgefährlicher Zustand", sagte Rips. "Niemand sollte die soziale Sprengkraft unterschätzen".

An die Politiker appellierte der Mieterbund-Chef, schleunigst neue Wohnkonzepte zu entwickeln. "Schon bei der wird es - neben der Energiefrage - auf die Wohnungsfrage ankommen." Massive Kritik übte Rips an Verkäufen kommunaler Wohnungsbestände. "Immer mehr ausländische Investoren, die das schnelle Geld machen wollen, stürzen sich auf den deutschen Wohnungsmarkt."

Angst vor Spekulanten

Dabei habe sich bereits gezeigt, welche Risiken ein Verkauf öffentlicher Wohnungen an Immobilienfirmen berge: Entweder vernachlässige der neue Eigentümer aus Kostengründen die Instandhaltung oder es gebe Luxussanierungen, um langfristig möglichst hohe Mieterträge realisieren zu können.

Aus Protest gegen hohe Mieten und die Verdrängung von Mietern aus ihren Stadtteilen gingen am Wochenende mehrere tausend Menschen in drei Großstädten auf die Straße. In Hamburg demonstrierten nach Veranstalterangaben 4000 Menschen, in Berlin waren es immerhin noch mehr als 1000. In Freiburg beteiligten sich 500 Demonstranten an den Protesten.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen