Wirtschaft
Carlos Slim kann sich freuen: Mit der Kontrolle über die Telekom Austriamacht er sich unabhängiger vom südamerikanischen Heimatmarkt.
Carlos Slim kann sich freuen: Mit der Kontrolle über die Telekom Austriamacht er sich unabhängiger vom südamerikanischen Heimatmarkt.(Foto: REUTERS)

Neue Konkurrenz in Europa: Milliardär Slim rollt Telekommarkt auf

Carlos Slim ist mit America Movil bereits an KPN beteiligt. Eine Übernahme scheiterte jedoch. Jetzt übernimmt der Milliardär die Kontrolle bei der Telekom Austria. Die Politik ist begeistert, bei den Mitarbeitern geht die Angst um.

Der mexikanische Milliardär Carlos Slim sichert sich erstmals die Kontrolle über ein europäisches Telekommunikationsunternehmen. Mit der Telekom Austria schnappt sich der 74-Jährige Österreichs führenden Festnetz- und Mobilfunkkonzern. Über seine Firma America Movil lenkt er das Unternehmen künftig gemeinsam mit dem staatlichen österreichischen Kernaktionär.

Mit dem Machtwechsel stellt Slim die Weichen für weitere Übernahmen in Zentral- und Osteuropa - ausgehend von der Telekom Austria. An Geld für den Ausbau seines Firmenimperiums mangelt es ihm nicht: Mit rund 70 Milliarden Dollar ist er einer der reichsten Männer der Welt. Österreichische Politiker empfingen den schwergewichtigen Milliardär mit offenen Armen, Arbeitnehmervertreter bangen dagegen um Jobs. 

Slim will mehr

In einem ersten Schritt bündelt Slim seinen Anteil an der Telekom Austria von derzeit 26,8 Prozent mit jenen 28,4 Prozent der Staatsholding ÖIAG. Gemeinsam kommen die beiden Partner so auf gut 55 Prozent. Während der Staat längerfristig lediglich eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie anstrebt, will der Mexikaner sein Paket vergrößern: In einem zweiten Schritt bietet er den übrigen Telekom-Austria-Eigentümern 7,15 Euro je Aktie. Das entspricht einer Prämie von rund elf Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate. An der Börse legte die Aktie bis zu acht Prozent auf 7,2 Euro zu.

Die Analysten von Berenberg sprachen von einem sehr großzügigen Angebot. Auch die Experten von Jefferies erwarten, dass die Offerte auf positive Resonanz bei den Aktionären stößt. Wieviel Prozent Slim am Ende halten wird, dürfte erst in einigen Monaten feststehen. Raiffeisen-Fondsmanager Günther Schmitt will die von ihm verwalteten 2,9 Millionen Telekom-Aktien vorerst behalten. "Ich sehe keinen Grund, dieses Angebot anzunehmen", sagte er.

Selbst wenn Slim seinen Anteil massiv ausbaut, ändert sich einem Insider zufolge nichts an den Vereinbarungen im Zuge des Aktionärspakts der beiden Großinvestoren. Darin ist festgeschrieben, dass der österreichische Firmensitz und die Börsenotiz in Wien erhalten bleiben. Österreich darf zudem auch künftig den Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden der Telekom Austria nominieren, während America Movil andere Führungspositionen besetzt. Die Allianz gilt zunächst für zehn Jahre und kann danach um weitere fünf Jahre verlängert werden.

Slim soll Kapitaldecke aufpolstern

Mit seinem neuen Standbein in Österreich verringert Slim die Abhängigkeit seines Konzerns vom südamerikanischen Heimatmarkt, wo eine strengere Regulierung die Erträge zu schmälern droht. Der Milliardär ist auch an der niederländischen Telekommunikationsfirma KPN beteiligt - ein Übernahmeversuch scheiterte jedoch am Widerstand der Niederländer.

In Österreich hat der Unternehmer nun mehr Erfolg: Politiker begrüßten sein Engagement - wohl auch mit Blick auf die gut gefüllten Kassen seines Konzerns. Denn die Telekom Austria ist wegen ihrer dünnen Kapitaldecke, dem scharfen Wettbewerb und der strengeren Regulierung unter Druck. Slim sagte dem Unternehmen nun gemeinsam mit dem staatlichen Kernaktionär ÖIAG eine Kapitalerhöhung über eine Milliarde Euro zu.

Das Geld soll in den Ausbau der Infrastruktur sowie in Übernahmen gesteckt werden. "Das ermöglicht wichtige Zukunftsinvestitionen und wertet den Telekommunikations-Standort Österreich auf", sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Finanzminister Michael Spindelegger sprach von einem Bündnis mit "einem starken Partner, der eine langfristige Perspektive bietet".

Im Fokus stehen dabei auch mögliche weitere Übernahme in Osteuropa: Slim und die ÖIAG haben sich darauf verständigt, dass diese künftig über die Telekom Austria laufen sollen. Die Mexikaner sichern damit zu, in der Region keinen Wettbewerber zur Telekom Austria aufzubauen. Bislang ist die Firma neben Österreich in Bulgarien, Kroatien, Weißrussland, Serbien, Slowenien, Mazedonien und Liechtenstein tätig.

Mitarbeiter fürchten um Jobs

Doch es gibt auch Kritiker an der neuen Allianz: Die Belegschaftsvertreter der Telekom Austria monierten die fehlende Arbeitsplatzgarantie und den schwindenden Einfluss des Staates. "Für uns war ganz wichtig, dass der Bund der bestimmende Eigentümer bleibt. Wie sich der Vertrag jetzt abzeichnet, ist das nicht der Fall", sagte Telekom-Austria-Betriebsratschef Walter Hotz im ORF-Radio. "Eine Partnerschaft auf Augenhöhe ist das nicht."

Aus Protest gegen das Bündnis hatten die Arbeitnehmervertreter im ÖIAG-Aufsichtsrat die entscheidende Sitzung boykottiert und hätten das geplante Bündnis damit beinahe zu Fall gebracht. Weil mehr als die Hälfte der Mitglieder fehlten, war ein rechtlich gültiger Beschluss lange nicht möglich. Erst nachdem am Mittwochabend weitere Aufsichtsräte eingeflogen wurden, konnte das ÖIAG-Gremium den Pakt absegnen.

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Quelle: n-tv.de

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