Wirtschaft

Vorwürfe gegen Vize-Minister: Mögliche Korruptionsaffäre erschüttert Athen

Korruptionsbekämpfung ist eine der wichtigsten Aufgaben der Regierung in Athen. Nun soll ausgerechnet der Mann, der die Wiedereinstellung von Ex-Beamten ankündigte, einige von ihnen als Anwalt vertreten haben. Er dementiert einen Zusammenhang.

Vize-Innenminister Giorgos Katrougalos. Korrupt oder Opfer einer Kampagne?
Vize-Innenminister Giorgos Katrougalos. Korrupt oder Opfer einer Kampagne?(Foto: picture alliance / dpa)

Die neue griechische Regierung hat eventuell einen ersten Korruptionsskandal. Vize-Innenminister Giorgos Katrougalos soll als Anwalt entlassene Beamte vertreten haben, deren Wiedereinstellung er dann als Minister selbst angekündigt hat. So berichtet es die Athener Sonntagszeitung "To Vima".

Unter der Überschrift "Minister stellt Beamte ein und fordert Provision", schreibt "To Vima", Katrougalos könne mehrere Tausend Euro reicher werden, sobald das von ihm entworfene Gesetz für die Wiedereinstellung von 3500 Staatbediensteten in Kraft tritt.

Das Blatt veröffentlichte Dokumente, aus denen hervorgehen soll, dass die Kanzlei von Katrougalos noch am 27. Januar - dem Tag, an dem er das Ressort für Verwaltungsreform übernahm - entsprechende Verträge unterzeichnet hat. Als Honorar seien zwölf Prozent des Streitwerts vereinbart worden. Der Artikel sorgte in Athen für erheblichen Wirbel. Die Opposition forderte den Rücktritt des Ministers.

Katrougalos wies die Vorwürfe auf einer Pressekonferenz zurück. Er habe seine Anwaltstätigkeit bereits im vergangenen Sommer aufgegeben, nachdem er ins Europaparlament gewählt wurde. Das von "To Vima" veröffentlichte Dokument betreffe keinen entlassenen Beamten, es sei vielmehr um Lohndifferenzen gegangen. "Wenn das alles stimmen würde, müsste ich nicht nur zurücktreten, sondern das Land verlassen oder mich umbringen", sagte Katrougalos.

Kampagne der Oligarchen?

Die Regierung des linksgerichteten Ministerpräsidenten Alexis Tsipras stellte sich demonstrativ hinter den stellvertretenden Innenminister. Regierungskreise sprachen von Lügen, die die Zeitung verbreite. Sie vermuten einen gezielten Versuch, Syrizas Kampf gegen die Korruption zu torpedieren. Schließlich sei der gegen die Interessen der griechischen Oligarchen gerichtet, die viele der griechischen Massenmedien kontrollieren - darunter auch "To Vima".

Tsipras Partei Syriza ist angetreten mit dem Versprechen, Korruption zu bekämpfen. Tausende Staatsdiener waren im Zuge der Euro-Sparauflagen entlassen oder freigestellt worden. Die Regierung unter Tsipras hat versprochen, alle wieder einzustellen.

Quelle: n-tv.de

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