Weil er es kannMurdoch leistet sich Sky
Die Fernsehwerbung brummt, die Kosten bei den Zeitungen sinken: Was kann sich ein Medienkonzern mehr wünschen? Auch bei der von Murdoch kontrollierten News Corp. klingeln die Kassen. Da kann man auch schon einmal über einen chronisch defizitären deutschen Bezahlsender hinwegsehen.
Wenn Medienmogul Rupert Murdoch in den vergangenen Tagen
in seine Zeitungen geschaut hat, dürfte ihn das Hickhack um seinen deutschen
Bezahlsender Sky nicht entgangen sein. Aber scheinbar lässt ihn das Gerangel um
den chronisch defizitären Pay-TV-Ableger kalt. Aus gutem Grund: Murdoch
schwimmt im Geld. Der von ihm kontrollierte Medienkonzern News Corporation hat
im vergangenen Geschäftsjahr (Ende Juni) unterm Strich gut 2,5 Mrd. Dollar
verdient. Das Geld spülten die Fernsehspots auf den US-Kanälen ebenso in die
Kasse wie der erfolgreichste Film aller Zeiten, der 3D-Fantasiestreifen "Avatar
- Aufbruch nach Pandora". Da kann man
auch schon einmal über die erneut verlorenen Millionen bei Sky Deutschland
hinwegsehen.
Dem Bezahlsender, ehemals unter Premiere bekannt, fehlen
die zahlenden Zuschauer. Bis zu drei Millionen müssten es sein, um profitabel
zu arbeiten. Tatsächlich hängen die Münchener aber unter der
Zweieinhalb-Millionen-Marke fest. Und doch will Murdoch von seiner Unternehmung
nicht lassen. "Deutschland ist sicherlich der größte und reichste Markt in
Europa", begründet der Herrscher der News Corp. sein Durchhaltevermögen.
"Großartige Bühne“
Gerade erst hat er seinen Vertrauten Chase Carey an die
Spitze des Sky-Aufsichtsrats gesetzt. "Wir glauben, dass es eine großartige
Bühne für uns ist", sagte die Nummer zwei der News Corporation. Jetzt gehe es
darum, das Geschäft auszuweiten. Dafür muss Murdoch aber tief in die Tasche
greifen. Das Sky-Management will am Kapitalmarkt mindestens 340 Mio. Euro
einsammeln - die News Corp. springt ein, wenn niemand anderes das Geld gibt.
Murdochs Medienreich hält nach letztem Stand gute 45,4
Prozent an Sky Deutschland. Selbst nach der Geldspritze sollen es nicht mehr
als 49,9 Prozent werden. Der Frage eines Analysten, ob er sich auch eine
Komplettübernahme vorstellen könne, wich Murdoch aus. Für ihn ist erst einmal
wichtig, dass das Geschäft anspringt. Deutschland sei ein schwieriger Markt
fürs Bezahlfernsehen, räumte er ein. "Aber wir haben große Zuversicht in das
Management-Team."
Teures Hobby Sky Deutschland
Murdoch kann sich Sky Deutschland nur leisten, weil seine
anderen Unternehmungen gutes Geld abwerfen. Zur News Corp. gehören das
Filmstudio 20th Century Fox, die Fernsehsender-Kette Fox, Zeitungen wie das
"Wall Street Journal" oder die britische "Times" und die "Sun" sowie
Buchverlage. In Großbritannien will er sich gerade die Fernsehgruppe BSkyB
komplett einverleiben.
Die Börsianer verzeihen dem Altmeister der Branche
angesichts einer derart erfolgreichen Ansammlung von Firmen das teure Hobby
namens Sky Deutschland. Die Aktie stieg nach der Vorlage der Jahreszahlen zeitweise
um mehr als 4 Prozent. Denn - Sky hin, Sky her - auch im laufenden Jahr rechnet
Murdoch wieder mit fetten Gewinnen.