Donnerstag, 05. August 2010
Weil er es kann: Murdoch leistet sich Sky
Die Fernsehwerbung brummt, die Kosten bei den Zeitungen sinken: Was kann sich ein Medienkonzern mehr wünschen? Auch bei der von Murdoch kontrollierten News Corp. klingeln die Kassen. Da kann man auch schon einmal über einen chronisch defizitären deutschen Bezahlsender hinwegsehen.
Rupert Murdoch: "Deutschland ist sicherlich der größte und reichste Markt in Europa."
(Foto: REUTERS)
Wenn Medienmogul Rupert Murdoch in den vergangenen Tagen in seine Zeitungen geschaut hat, dürfte ihn das Hickhack um seinen deutschen Bezahlsender Sky nicht entgangen sein. Aber scheinbar lässt ihn das Gerangel um den chronisch defizitären Pay-TV-Ableger kalt. Aus gutem Grund: Murdoch schwimmt im Geld. Der von ihm kontrollierte Medienkonzern News Corporation hat im vergangenen Geschäftsjahr (Ende Juni) unterm Strich gut 2,5 Mrd. Dollar verdient. Das Geld spülten die Fernsehspots auf den US-Kanälen ebenso in die Kasse wie der erfolgreichste Film aller Zeiten, der 3D-Fantasiestreifen "Avatar - Aufbruch nach Pandora". Da kann man auch schon einmal über die erneut verlorenen Millionen bei Sky Deutschland hinwegsehen.
Dem Bezahlsender, ehemals unter Premiere bekannt, fehlen die zahlenden Zuschauer. Bis zu drei Millionen müssten es sein, um profitabel zu arbeiten. Tatsächlich hängen die Münchener aber unter der Zweieinhalb-Millionen-Marke fest. Und doch will Murdoch von seiner Unternehmung nicht lassen. "Deutschland ist sicherlich der größte und reichste Markt in Europa", begründet der Herrscher der News Corp. sein Durchhaltevermögen.
"Großartige Bühne“
Gerade erst hat er seinen Vertrauten Chase Carey an die Spitze des Sky-Aufsichtsrats gesetzt. "Wir glauben, dass es eine großartige Bühne für uns ist", sagte die Nummer zwei der News Corporation. Jetzt gehe es darum, das Geschäft auszuweiten. Dafür muss Murdoch aber tief in die Tasche greifen. Das Sky-Management will am Kapitalmarkt mindestens 340 Mio. Euro einsammeln - die News Corp. springt ein, wenn niemand anderes das Geld gibt.
In Großbritannien will Murdoch sich gerade die Fernsehgruppe BSkyB komplett einverleiben.
(Foto: REUTERS)
Murdochs Medienreich hält nach letztem Stand gute 45,4 Prozent an Sky Deutschland. Selbst nach der Geldspritze sollen es nicht mehr als 49,9 Prozent werden. Der Frage eines Analysten, ob er sich auch eine Komplettübernahme vorstellen könne, wich Murdoch aus. Für ihn ist erst einmal wichtig, dass das Geschäft anspringt. Deutschland sei ein schwieriger Markt fürs Bezahlfernsehen, räumte er ein. "Aber wir haben große Zuversicht in das Management-Team."
Teures Hobby Sky Deutschland
Murdoch kann sich Sky Deutschland nur leisten, weil seine anderen Unternehmungen gutes Geld abwerfen. Zur News Corp. gehören das Filmstudio 20th Century Fox, die Fernsehsender-Kette Fox, Zeitungen wie das "Wall Street Journal" oder die britische "Times" und die "Sun" sowie Buchverlage. In Großbritannien will er sich gerade die Fernsehgruppe BSkyB komplett einverleiben.
Die Börsianer verzeihen dem Altmeister der Branche angesichts einer derart erfolgreichen Ansammlung von Firmen das teure Hobby namens Sky Deutschland. Die Aktie stieg nach der Vorlage der Jahreszahlen zeitweise um mehr als 4 Prozent. Denn - Sky hin, Sky her - auch im laufenden Jahr rechnet Murdoch wieder mit fetten Gewinnen.
bad/dpa
