Eröffnet der Airport erst 2013?Neue Runde in Flughafen-Posse

Warten auf den Hauptstadtflughafen: Noch immer ist unklar, wann der Airport öffnet. Und das könnte auch noch eine Weile so bleiben.
Nach der Berliner Flughafen-Blamage wollen die Eigentümer an diesem Mittwoch Klarheit schaffen. Vertreter der Länder Berlin und Brandenburg sowie des Bundes befragen die Geschäftsführer Rainer Schwarz und Manfred Körtgen. "Wir erwarten präzise Auskunft darüber, was schief gelaufen ist", sagte der Berliner Senatssprecher Richard Meng. Dass Flughafen-Führungskräfte ihren Hut nehmen müssen, hatten Berlin und Brandenburg in den vergangenen Tagen nicht ausgeschlossen. Ob der Aufsichtsrat auch einen neuen Eröffnungstermin beschließt, ist aber offen.
Die Eröffnung des Hauptstadtflughafens war am vergangenen Dienstag knapp vier Wochen vor dem Termin am 3. Juni geplatzt. Als Grund nennt die Flughafengesellschaft Probleme beim Brandschutz. Der Bau liegt jedoch auch an vielen Stellen hinter dem Zeitplan, diese stuft die Flughafengesellschaft aber als nicht relevant für den Eröffnungstermin ein.
Wowereit rudert zurück
Die Regierungschefs von Berlin und Brandenburg, Klaus Wowereit und Matthias Platzeck sprechen bereits nicht mehr von einer Inbetriebnahme im August - wie noch unmittelbar nach der Eröffnungsabsage. Offizielle Festlegungen gibt es nicht, doch die Eröffnung des Hauptstadtflughafens könnte sich noch weiter verzögern als bislang gedacht. Als Grund nennt die "Bild"-Zeitung ein Schreiben des zuständigen Bauordnungsamtes in Königs Wusterhausen. Darin lehne die Behörde Übergangslösungen für die Sicherheitstechnik wie zum Beispiel den manuellen Betrieb von Sprinkleranlagen oder Türen ab. Der Berliner Airport müsse zur Eröffnung komplett fertig sein, heißt es in dem Bericht. Im "vollautomatischen Betrieb" sei dies erst Anfang 2013 zu gewährleisten.
So lange wollen die Airlines aber nicht warten. "Davon halte ich überhaupt nichts", sagte der Chef des größten Flughafennutzers Air Berlin, Hartmut Mehdorn. "Wir brauchen den Flughafen so schnell wie möglich, Tegel reicht nicht mehr." Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft will, dass der Airport Ende Oktober beim Wechsel vom Sommer- zum Winterflugplan in Betrieb geht. Die Airline brauche die kurzen Wege auf dem neuen Flughafen, um das geplante Drehkreuz zu verwirklichen, sagte Mehdorn.
Airlines wollen Schadenersatz
Ein Thema der Aufsichtsratssitzung dürften auch die zusätzlichen Kosten durch die verschobene Eröffnung des 2,5-Milliarden-Euro-Baus sein. Die Betreiber gehen von 15 Millionen Euro pro Monat aus, aber Schadenersatzforderungen sind nicht eingerechnet. Air Berlin will in den nächsten Tagen eine Summe nennen, kündigte Mehdorn an. "Wir gehen davon aus, dass der Flughafen zu dieser Panne steht und den Schaden reguliert." Es gebe Mehrkosten an vielen Stellen, wie etwa die Stornierung von Umzugsaufträgen, Transporte von Kerosin und Ersatzteilen von Schönefeld nach Tegel und Personalverstärkung für die Gepäckabfertigung am alten Flughafen.
Auch die Lufthansa kündigte Schadenersatzforderungen gegenüber der Flughafengesellschaft an. "Am Ende wird eine große Rechnung auf die Berliner Flughäfen zukommen", sagte Passagiervorstand Carsten Spohr. Womöglich müssten Beschäftigte von anderen Standorten zeitweise in Berlin aushelfen, um Passagiere umzubuchen und zu betreuen. "Das alles kostet Geld", sagte Spohr. Eine eigene Versicherung habe man nicht für solche Fälle. "Unsere Versicherung heißt in diesem Fall Berliner Flughafen GmbH." Da die Lufthansa die geplante Ausweitung ihres Flugplans nun vorläufig in Tegel umsetzen will, könnte dort für einzelne Konkurrenten kein Platz mehr sein - sie hätten dann bis zur Eröffnung des neuen Flughafens zwei Umzüge vor sich: "Ich rechne damit, dass andere Fluggesellschaften ab Anfang Juni nach Schönefeld umziehen, um Platz für uns zu machen", sagte Spohr. "Aber auch das Problem muss der Flughafen lösen."