Wirtschaft
Einer für alle, alle für einen: Opel-Chef Neumann, Ministerpräsident Bouffier, GM-Chef Akerson und Opel-Chefaufseher Girsky (v.l.).
Einer für alle, alle für einen: Opel-Chef Neumann, Ministerpräsident Bouffier, GM-Chef Akerson und Opel-Chefaufseher Girsky (v.l.).(Foto: picture alliance / dpa)

Milliardenspritze von GM: Neuer Lack für Opel

Von Hannes Vogel

Vier Milliarden Euro in vier Jahren: Das ist die Botschaft, mit der GM-Boss Akerson für den kriselnden Autobauer Opel in Europa auf Werbetour geht. Die bittere Nachricht verschweigt er: Opel wird durch die Milliardeninvestitionen nicht gerettet, höchstens aufpoliert. Aus den deutschen Opel-Werken dürften schon bald noch mehr Jobs verschwinden - nicht nur in Bochum.

Einer für alle, alle für einen: Verschwörerisch wie die Musketiere reichten sich Opel-Chef Neumann, Hessens Ministerpräsident Bouffier, General-Motors-Boss Akerson und Opel-Chefaufseher Girsky im Opel-Hauptquartier die Hände. Die Botschaft: Der US-Autobauer investiert wieder in Europa – und sucht dafür den Schulterschluss mit der Politik. Vier Mrd. Euro will General Motors (GM) bis 2016 in seine marode Europa-Tochter Opel pumpen, die seit Jahren in den roten Zahlen steckt. "GM braucht eine starke Präsenz in Europa – sowohl bei Design und Entwicklung als auch bei Fertigung und Verkauf", beschwor GM-Chef Akerson die Zukunft der Marke mit dem Blitz. Zu den Standorten in Deutschland sagte er allerdings kein Wort.

Akersons Bekenntnis steht in krassem Widerspruch zu den Tatsachen, die die US-Konzernzentrale geschaffen hat: Das Aus für das Opel-Werk in Bochum steht fest, daran werden auch die neuen Milliarden aus den USA nichts ändern. Bis zu 3000 Jobs sind bedroht. Nachdem das Opel-Management die Belegschaft monatelang über die Schließungspläne im Unklaren gelassen hatte, geht es nun offenbar in die PR-Offensive. Dabei statten Opel-Chef Neumann und GM-Boss Akerson auch Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Besuch ab. Sie will wissen, wie es mit Opel in Deutschland weitergeht. Darauf gibt es trotz der angekündigten Investitionen weiter keine konkreten Antworten.  

Investitionen in Entwicklung, nicht Jobs

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Denn die Investitionen, die der US-Konzern seiner Europa-Tochter versprochen hat, sollen nach Unternehmensangaben ganz überwiegend in Forschung und Entwicklung fließen. 23 neue Modelle und 13 spritsparende Motoren will Opel in den nächsten vier Jahren entwickeln. Hinzu kommen einige Sachinvestitionen für Maschinen in den bestehenden Werken. In welche Standorte das Geld fließen soll, will Opel aber auf Nachfrage von n-tv.de nicht sagen. Auch die Frage, ob durch die Geldspritze aus den USA in Europa neue Jobs geschaffen werden, will das Unternehmen nicht beantworten.

Wenn überhaupt, dürfte der neue Geldsegen den Ingenieuren am Standort Rüsselsheim zugutekommen. Im Opel-Hauptquartier entwickeln rund 6000 Ingenieure neue Motoren, Getriebe und Karosserien für die Opel-Produktion in der ganzen Welt. Ob die Milliardeninvestitionen mit einem Personalaufbau einhergehen, steht in den Sternen. Auch in welchen Werken die neuen Modelle produziert werden sollen, oder ob neue Werke eröffnet werden sollen, gibt Opel nicht preis. Klar ist nur: In der Fertigung dürfte Opel jedenfalls keine neuen Jobs schaffen – schon gar nicht in Deutschland.

"Beträchtliche Einsparungen" in allen deutschen Werken

Denn schon heute sind von den knapp 25.000 Mitarbeitern, die Opel in der Produktion beschäftigt, nur noch etwa 10.000 in Deutschland angestellt – inklusive der rund 3000 Opelaner, die wohl bis Ende 2015 in Bochum ihren Job verlieren werden. Der Rest steht längst an den größeren Standorten im spanischen Saragoza oder im polnischen Gliwice am Band. Damit der Autobauer die Rückkehr in die schwarzen Zahlen schafft, haben die Mitarbeiter in den Werken Eisenach, Kaiserslautern und Rüsselsheim harte Gehaltseinschnitte hingenommen. Opel-Chefaufseher Girsky hatte "beträchtliche Einsparungen" an allen deutschen Standorten gefordert.

Ein Blick auf die Zahlen dürfte selbst für die Opelaner, deren Arbeitsplätze durch dieses "Deutschland-Plan" genannte Sparprogramm noch bis Ende 2016 gesichert sind, ernüchternd sein. Seit 2007 ist die Zahl der produzierten Fahrzeuge bei Opel um fast 40 Prozent auf gerade noch etwa eine Mio. Fahrzeuge geschrumpft. Jobs sind dabei vor allem in den deutschen Werken verschwunden: 4500 Mitarbeiter hatte das Werk Bochum noch 2008, nun wird es dichtgemacht oder schrumpft allenfalls zur Komponentenfabrik. In Eisenach gingen seit 2008 rund 200 Jobs verloren. Und selbst am Hauptquartier in Rüsselsheim ist die Zahl der Mitarbeiter in der Produktion seit 2008 von 5600 auf 3200 gefallen.

Auch die angekündigte Modelloffensive dürfte daran nicht viel ändern. Denn Motoren, die Opel entwickeln will, werden bei dem Autobauer bisher in Deutschland nur in Kaiserslautern, vor allem aber im österreichischen Aspern, im ungarischen Szentgotthard und im polnischen Tychy hergestellt. Mit den neuen Modellen Adam, Cascada und dem Mini-SUV Mokka ist Opel zudem gerade erst in Marktsegmente vorgestoßen, die die Rüsselsheimer nicht besetzt hatten. Vor allem die Überarbeitung der bestehenden Modelle dürfte daher im Vordergrund stehen – und neue Varianten bestehender Modelle werden im Normalfall weiter in den Werken produziert, wo  sie bereits hergestellt werden.

Opel im Ausland entfesseln

Sein Heil will Opel wie viele Autobauer nun auch stärker auf den Wachstumsmärkten in Schwellenländern suchen. Vor allem Volkswagen profitiert massiv von seiner starken Stellung in China und verlagert auch seine Produktion immer mehr ins Reich der Mitte. Doch laut GM-Boss Akerson soll Opel Autos jenseits von Europa nur verkaufen, "wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist". In China hätte Opel aber mit enormen Anlaufkosten zu kämpfen, weil dort viele Hersteller wie VW bereits so erfolgreich sind. Zudem würde es den Marken Buick, Cadillac und Chevrolet der Konzernmutter GM Konkurrenz machen.

Solange sich Opel aber nicht weiter konsequent internationalisiert, bleibt der Autobauer an die Märkte in Europa gefesselt. Und dort kämpft nicht nur Opel mit massiven Überkapazitäten in der Fertigung und dem Einbruch des Marktes. "Die Frage ist, ob die Automobilbeschäftigung in Deutschland auf diesem Level gehalten werden kann", fragt sich auch Auto-Experte Stefan Bratzel von  der FHDW in Bergisch-Gladbach. Schließlich sei für den Heimatkontinent absehbar kein Wachstum in Sicht.

"Die absolute Zahl der Beschäftigten in der Automobilindustrie wird in Europa längerfristig zurückgehen." Er rechne für die nächsten 10 bis 15 Jahre mit einem langsamen Abschmelzen der Stellen vor allem bei den niedrigqualifizierten Produktionskräften. Aller Voraussicht nach dürfte die Belegschaft bei Opel in den nächsten Jahren also allenfalls weiter schrumpfen – trotz der neuen Botschaft, die GM-Chef Akerson der Kanzlerin zu verkünden hat.

Quelle: n-tv.de

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