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Opel Meriva: Von dessen Plattform soll auch Peugeot profitieren.
Opel Meriva: Von dessen Plattform soll auch Peugeot profitieren.(Foto: REUTERS)

Kampf den Kosten: Opel und Peugeot kooperieren

Es ist amtlich: Im Kampf gegen hohe Kosten rücken die mit Verlusten kämpfenden Autohersteller Opel und Peugeot enger zusammen. Nach der Logistik ist nun die gemeinsame Fahrzeugentwicklung besiegelt. Allerdings fällt die Kooperation deutlich kleiner aus, als von der Opel-Mutter General Motors zunächst geplant.

Die Allianz der beiden Autobauer General Motors (GM) und Peugeot fällt deutlich kleiner aus als anfangs gedacht. Die amerikanische Opel-Mutter GM und ihr angeschlagener französischer Partner gaben bekannt, sie hätten nach monatelangen Verhandlungen Verträge für die gemeinsame Entwicklung von drei Fahrzeugmodellen und für ein Gemeinschaftsunternehmen zum Einkauf von Material und Teilen unterzeichnet. Im Oktober war noch von vier Automodellen die Rede gewesen. Der Plan für ein gemeinsames größeres Modell nach dem Beispiel des Opel Insignia und des Citroen C5 wurde aufgegeben. Die anfangs weltweit geplante Zusammenarbeit beim Einkauf betrifft nun nur noch Europa.

Die Rüsselsheimer Marke mit dem Blitz und der französische Autobauer leiden besonders darunter, dass wegen der Schuldenkrise in Südeuropa kaum Neuwagen verkauft werden; beide  schreiben rote Zahlen. Weitergehende Allianz-Gespräche hatten Opel und Peugeot bereits im November auf Eis gelegt, weil sich die Finanzlage bei Peugeot verschlechterte und Frankreich als Gegenleistung für Staatsgarantien den Verzicht auf Massenentlassungen verlangte. Peugeot hatte 10.000 Stellen streichen und ein Werke nahe Paris dichtmachen wollen. Gewerkschaften in Deutschland und Frankreich hatten befürchtet, dass die beiden Autobauer im Falle einer engeren Allianz noch tiefere Einschnitte vornehmen könnten als bisher schon geplant.

Aus vier mach drei 

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In den nun unterzeichneten Verträgen vereinbarten die beiden Autobauer die gemeinsame Entwicklung von Vans für Opel, die britische Schwestermarke Vauxhall und PSA Peugeot Citroen, außerdem eine gemeinsame Plattform für emissionsarme Kleinwagen i n der Größe des Opel Corsa. Zudem ist ein kleiner Familienwagen nach dem Beispiel des Opel Meriva geplant. Die ersten Fahrzeuge aus der Partnerschaft sollen bis 2016 auf den Markt kommen.

Zu den erwarteten Einsparungen machten GM und Peugeot keine Angaben. Zu Anfang der Gespräche im Februar hatten die beiden Autobauer nach fünf Jahren Kostenvorteile von jährlich etwa 1,5 Mrd. Euro durch die Allianz in Aussicht gestellt. Damals war allerdings schon klar, dass die Einsparungen in den ersten beiden Jahren geringer ausfallen würden.

Sparen und Kapazitäten senken

Damit sind beide Partner darauf angewiesen, ihre überlebenswichtigen Einsparungen zunächst auf eigene Faust durchzusetzen. Opel hat bereits angekündigt, das Werk in Bochum mit knapp 3400 Beschäftigten zu schließen. Allerdings greift dies erst, wenn der aktuelle Familienwagen Zafira in der Ruhrgebietsstadt in vier Jahren ausläuft. Unterdessen verhandeln IG Metall und Betriebsrat weiter mit dem Opel-Vorstand über Beschäftigungsgarantien für die übrigen Standorte.

Offen ist noch, ob die Gewerkschaft dem Unternehmen weiter die branchenweit ausgehandelte Lohnerhöhung von 4,3 Prozent stunden wird. Die IG Metall wirft der Unternehmensleitung vor, bislang keinen Plan vorgelegt zu haben, um die Traditionsmarke aus den roten Zahlen zu führen.

Erste Kostensenkungen erwartet GM im kommenden Jahr dadurch, dass die Logistikaktivitäten in Europa auf die Peugeot-Tochter Gefco übertragen wurden. Zudem wurde die Lagerhaltung deutlich zurückgefahren. Damit wurden Mittel frei, die bislang in Autos gebunden waren, die auf den Höfen der Händler standen. Opel hatte seine Werke lange Zeit auch dadurch ausgelastet, dass auf Halde produziert wurde. Kleinere Summen wurden in der IT, im Gebäudemanagement und bei externen Dienstleistungen eingespart.

Das Management setzt allerdings nicht darauf, die Rüsselsheimer GM-Tochter allein durch Kostensenkungen zu retten. Der Detroiter Mutterkonzern hat sich auf eine mehrjährige Durstrecke in Europa eingestellt und hofft darauf, dass die Autokonjunktur in einigen Jahren wieder anspringt. Mit mehreren neuen Modellen - darunter der Stadtwagen Adam, der kleine Geländewagen Mokka und das Cabrio Cascada - soll Opel dann wieder durchstarten.

Opel gibt Auslandswerk ab

Unterdessen stutzt der Mutterkonzern einem Zeitungsbericht zufolge die Auslandsaktivitäten von Opel und übernimmt sechs Tochtergesellschaften selbst. Das Motorenwerk im ungarischen Szentgotthard, die Getriebefertigung im österreichischen Aspern, das Entwicklungszentrum im italienischen Turin, das Produktionswerk im polnischen Gliwice und Aktivitäten in Großbritannien und Russland gingen auf den Mutterkonzern über, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Führungszirkel des Unternehmens.

Der Transfer sei Bedingung für die Fortführung eines Kredits über knapp 2,5 Mrd. Euro von GM an Opel gewesen. Ein Opel-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. "Wir werden uns niemals zu internen Angelegenheiten äußern", sagte er.

Quelle: n-tv.de

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