Wirtschaft

Tipps von Paypal-Gründer Thiel: "Konkurrenz ist was für Verlierer"

Von Diana Dittmer

Braucht die Welt ein weiteres Restaurant? Nein. Sie braucht was wirklich Neues. Nur abseits vom Mainstream lässt sich für Starinvestor und Multimilliardär Thiel Profit machen. Er selbst greift nach den Sternen. Und investiert in Marihuana.

Internet-Investor Peter Thiel zu Gast in der Kalkscheune in Berlin-Mitte.
Internet-Investor Peter Thiel zu Gast in der Kalkscheune in Berlin-Mitte.(Foto: REUTERS)

Ortstermin mit Peter Thiel in Berlin. Der Paypal-Gründer sieht nicht aus, wie man sich jemanden aus dem Silicon Valley vorstellt. Aber er macht eine gute Figur. Er wirkt smart. Sein Anzug verrät den ausgebildeten Juristen. Der Multimilliardär ist kleiner als erwartet. Aber beim Reden wächst er. Er besticht durch seinen trockenen Humor. Der Endvierziger weiß, was er geschafft hat und glaubt auch das Rezept für noch mehr Erfolg zu haben.

Das Mantra des Deutsch-Amerikaners ist: "Konkurrenz ist nur etwas für Verlierer". In seinen Augen tötet Wettbewerb nämlich nicht nur jegliche Innovation, sondern frisst auch sämtliche Profite. Wer trotzdem das zigste Restaurant gründen wolle, solle das tun, nur zu, provoziert er auf Veranstaltung "Innovation geht anders!". Ideen für Startups, die schon Millionen vorher hatten, seien trotzdem nicht erfolgversprechend. Kapitalismus werde oft mit Konkurrenz gleichgesetzt, doch tatsächlich seien es Gegensätze.

Gedämmert ist ihm das erst als junger Berufsanfänger. Bis dahin wandelt der berühmte Silicon-Valley-Milliardär selbst auf ausgetretenen Pfaden. Sein Werdegang ist vorgezeichnet. Er ist kein Rebell. Jede Station absolviert er ebenso artig wie erfolgreich: Nach der High School kommt das Jura- und Philosophiestudium an der Elite-Uni Standford. Danach geht es direkt in die Elite-Kanzlei seiner Wahl.

"Elon wird das machen"

Einmal dort angekommen, kommt die Offenbarung: "Alle wollten in diese Kanzlei rein. Aber als sie drinnen waren, wollten sie nur noch raus". Nach sieben Monaten und 3 Tagen verlässt Thiel sein "Alcatraz". Wie? "Durch die Vordertür." Ab da startet er durch. Heute greift er als Großinvestor bei Spacex zusammen mit dessen Gründer, dem Elektroauto-Pionier Elon Musk, nach den Sternen. Musk hat die Vision, irgendwann eine Kolonie auf dem Mars zu gründen. "Ich kenne Elon gut. Er wird das machen", ist Thiel überzeugt. Unterstützen will er seinen Freund bis in alle Ewigkeit.

Hätte Thiel damals nicht den Schritt gewagt, wäre er wahrscheinlich nicht der Vorzeigeunternehmer geworden, der er heute ist. Wahrscheinlich würde er immer noch seine Fälle in der Kanzlei abarbeiten. Aber ob sein Erfolgsmodell bei anderen funktionieren würde? Thiels Haltung könnte in dieser Hinsicht Amerikanischer nicht sei: Wer wagt, gewinnt. Bei ihm hat es funktioniert, warum soll es nicht bei anderen funktionieren?

Werbung für "Monoplisten"

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Diejenigen, die immer das Rennen machen, ihre Konkurrenz erfolgreich aus der Bahn werfen und sich trotzdem nicht als Gewinner fühlen, sollten kündigen, provoziert Thiel. Jeder arbeite lieber in einem „einzigartigen Unternehmen" und nicht in einem der Millionen Restaurants. "Warum ein englisch-nepalesisches Restaurant in einem Vorort von Berlin eröffnen?", fragt Thiel. "Wer braucht das schon?"  Wer wirklich erfolgreich sein wolle, müsse sich vom Wettbewerb fernhalten und ein "Monopol" gründen - und damit meint er nicht die Post. Die neuen Monopolisten unserer Zeit sind Firmen wie Google, die nicht nur satte Renditen einstreichen, sondern auch den Fortschritt voranbringen. "Glückliche Firmen haben keine große Konkurrenz. Sie unterscheiden sich in hohem Maße von allen anderen. Sie haben eine einzigartige Mission."

Der erfolgreiche Gründer und Investor warnt Gründer und Investoren jedoch von gehypten Zukunftsvisionen. Der Internet-Miliardär, der zu den Facebook-Investoren der ersten Stunde gehörte, hält die Euphorie um Mobiltelefonie, Big Data, Health Care Software für völlig übertreiben - Je mehr über etwas gesprochen werde, desto banaler sei das Thema dahinter. Er selbst beteiligte sich zuletzt an einer auf Cannabis-Geschäfte spezialisierten Private-Equity-Firma. Privateers Portfolio besteht aus drei Start-ups, die von der fortschreitenden Cannabis-Legalisierung in den Vereinigten Staaten profitieren wollen.

Marihuana ist besser als Rocket-Internet

Obwohl Marihuana - in der Regel zu medizinischen Zwecken - mittlerweile in 23 von 50 amerikanischen Bundesstaaten erlaubt ist, haben viele Firmen es schwer, Kapitalgeber zu finden. Banken gewähren kaum Kredite, um nicht mit den Geldwäschegesetzen in Konflikt zu geraten. Dennoch ist rund um das Geschäft mit Cannabis ein Milliardenmarkt entstanden.  Das hat offenbar auch Thiel gelockt. "Wir waren überzeugt, dass in der Firma nicht viele Marihuana rauchen."

Deutschlands erfolgreichster Internetfirma Rocket Internet kann der Starinvestor dagegen nichts abgewinnen. Der Inkubator stehe nicht für "die Art von Firmen, in die ich persönlich investieren oder die ich gründen wollen würde". Dass der Berliner Inkubator so erfolgreich bei Investoren Geld einwirbt, kann Thiel aber erklären: Da die Rocket-Geschäftsideen "nicht sehr originell" seien, finden Investoren sie auch "sehr leicht zu verstehen". Das sei "einer der Gründe für die hohe Bewertung".

Einen einfachen praktischen Rat hat der Vorzeigegründer auch noch parat - ebenfalls aus eigener Erfahrung. Ein Unternehmensname sollte nett klingen. Das mache die Bürokratie einfacher. "Napster" sei ein Beispiel für schlechte Namensgebung. Das habe etwas von Rauben, wie im Wort "Kidnapping". "Paypal" dagegen sei nett. Das klinge doch wie "dein Freund und Helfer". Das hat offenbar auch die Bankenaufsicht überzeugt, als das Unternehmen vor 14 Jahren gegründet wurde.

Quelle: n-tv.de

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