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Große Nachfrage: Portugal feiert Rückkehr an Anleihemarkt

Von Jan Gänger

Die Zeiten ändern sich: Portugiesische Anleihen sind bei Investoren wieder gefragt. Die Investoren verlassen sich offenbar darauf, dass im Notfall die Europartner und EZB einspringen. Davon profitieren auch die anderen Krisenstaaten.

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Nach drei Jahren am Tropf internationaler Hilfen hat Portugal erstmals wieder Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit ausgeben. Die Rückkehr an den regulären Anleihemarkt brachte der Staatskasse 750 Millionen Euro. Die Auktion gilt als wichtiger Schritt hin zum Abschied des Landes vom internationalen Hilfsprogramm, der für Mitte Mai geplant ist.

Portugal ist seit April 2011 auf finanzielle Unterstützung der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds angewiesen. Mit Krediten in Höhe von 78 Milliarden Euro wurde das Land vor der Pleite bewahrt. Die Hilfen waren nötig, weil sich das Land nicht mehr am Kapitalmarkt refinanzieren konnte. Zwischenzeitlich rentierten richtungsweisende Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit bei rund 17 Prozent. Doch derzeit stellt sich die Lage ganz anders dar: Die Rendite der neuen Anleihen liegt bei 3,57 Prozent und damit so tief wie seit Anfang 2006 nicht mehr.

Griechenland legt vor

Der Weg ist beschwerlich, doch das Ziel ist in Sichtweise.
Der Weg ist beschwerlich, doch das Ziel ist in Sichtweise.(Foto: REUTERS)

Vor knapp zwei Wochen hatte schon Griechenland seine Rückkehr an die Märkte gefeiert. Die Auktion fünfjähriger Staatsanleihen war ein großer Erfolg. Nach Angaben des Finanzministeriums konnte Athen drei Milliarden Euro einsammeln, rund eine halbe Milliarde mehr als angepeilt. Die Nachfrage war enorm: Es gingen Gebote über 20 Milliarden Euro ein.

Investoren setzen wieder auf die Euro-Krisenländer, weil deren Schuldverschreibungen in Zeiten rekordniedriger Leitzinsen relativ hohe Renditen abwerfen. Außerdem verlassen sich laut Experten viele Anleger darauf, dass Europartner und Europäische Zentralbank Zahlungsausfälle verhindern werden. Die EZB hatte im Sommer 2012 angekündigt, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern aufzukaufen. Dieses Versprechen sorgte dafür, dass internationale Anleger wieder in die Anleihen investierten, die Renditen damit kräftig sanken und sich die Schuldenkrise massiv entschärfte.

Mit Unterstützung eines Bankenkonsortiums hatte Portugal im Januar bereits fünfjährige Anleihen am Markt unterbringen können. Zuvor hatte sich das Land regelmäßig am Geldmarkt Mittel für kürzere Zeiträume besorgt.

Hohe Arbeitslosigkeit

Durch die vollständige Rückkehr an die Kapitalmärkte sind die Probleme Portugals aber nicht gelöst. Denn die Regierung setzt im Gegenzug für die Hilfskredite ein umfangreiches Spar- und Reformprogramm um, das zur schwersten Rezession seit den 1970er Jahren führte. Im vergangenen Jahr schrumpfte die Wirtschaft um weitere 1,4 Prozent. Für das laufende Jahr erwarten Regierung und Kreditgeber ein Wachstum von 1,2 Prozent. Die Arbeitslosigkeit soll in diesem Jahr auf 15,7 Prozent sinken, für 2015 wird ein weiterer Rückgang auf 14,8 Prozent erwartet.

In diesem Jahr muss Portugal nach dem Willen der Gläubiger ein Defizitziel von 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes einhalten. In diesem Jahr liegt die portugiesische Defizitquote noch bei 4 Prozent. Vor dem Rettungsprogramm hatte sie fast 10 Prozent des BIP betragen.

In den ersten beiden Jahren unter dem Rettungsschirm hatte Portugal große Mühe, sein Haushaltsloch zu verringern, weil die Wirtschaftskrise härter ausfiel als gedacht. Seit dem zweiten Quartal 2013 haben sich das BIP und die Arbeitslosenrate in dem Land aber wieder verbessert, weshalb die Regierung die Defizitziele des vergangenen Jahres spielend einhielt.

Wegen der besseren Wirtschaftslage sind nun weniger harsche Sparmaßnahmen nötig. Kürzlich  rechnete die Regierung noch damit, dass sie im nächsten Jahr ihre Ausgaben um 2 Milliarden Euro senken müsse. Jetzt aber hat sie den Kürzungsbedarf auf 1,4 Milliarden Euro beziffert.

Die portugiesische Finanzministerin Maria Luís Albuquerque sagte, dass die Zahl der Stellen im öffentlichen Dienst weiter sinken werde. Arbeitsplätze fielen weg, wenn Angestellte in Rente gingen oder das Beschäftigungsverhältnis einvernehmlich aufgehoben würde. Darüber hinaus erwägt die Regierung die Einführung neuer Steuern auf gesundheitsschädliche Produkte. Nach Angaben von Albuquerque wird die Regierung aber nicht die Einkommensteuern erhöhen und auch die Löhne und Renten nicht weiter senken.

Quelle: n-tv.de

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