Wirtschaft

Kabelanbieter macht Rückzieher: Primacom bläst Verkauf ab

Der Übernahmekampf um Deutschlands fünftgrößten Kabelnetzbetreiber endet mit einem Flop: Primacom sagt seinen Verkauf ab, Bieter wie die Deutsche Telekom bleiben im Regen stehen. Für die Blamage haben die Eigentümer allerdings einen guten Grund.

Der Kabelnetzbetreiber Primacom hat seinen Verkauf abgeblasen.
Der Kabelnetzbetreiber Primacom hat seinen Verkauf abgeblasen.

Die Marktbereinigung in der deutschen Kabelbranche geht vorerst nicht weiter. Der vor allem in Ostdeutschland vertretene Kabelnetzbetreiber Primacom hat seinen Verkauf abgesagt. Die Gebote seien den Gesellschaftern zu niedrig gewesen, teilte das Unternehmen in Leipzig mit. Sie hatten auf 400 Mio. Euro gehofft. "Am Ende erfüllten die Gebote jedoch nicht die hohen Erwartungen", sagte der Aufsichtsratschef der luxemburgischen Eigentümer-Holding Medfort, Harald Stöber. Als Favorit für die Übernahme hatte zuletzt der Konkurrent Pepcom gegolten, der dem Finanzinvestor Star Capital gehört. Auch die Deutsche Telekom hatte Interesse gezeigt.

Hinter Medfort stehen die Gläubiger von Primacom, darunter die niederländische Bank ING sowie die Finanzinvestoren Alcentra, Tennenbaum und Avenue Capital Partners. Sie verfolgen unterschiedliche Interessen. Im Januar hatten sie Primacom ein zweites Mal innerhalb von zwei Jahren umgeschuldet und 20 Mio. Euro in Form neuer Kredite nachgeschossen, mit denen das Wachstum vorangetrieben werden soll. Primacom war bereits zuvor mit 330 Mio. Euro verschuldet. Die Gläubiger hatten nach der Pleite der börsennotierten Primacom AG das Kommando über das operative Geschäft übernommen.

Sie sehen die Firma nun für die kommenden Jahre finanziell solide aufgestellt. "Primacom ist mit mehr als genug Liquidität entsprechend ausgestattet, um in den nächsten drei Jahren und darüber hinaus durch Investitionen zu wachsen", sagte Stöber. Primacom-Geschäftsführer Joachim Grendel erklärte, das Unternehmen habe sich in den vergangenen zwölf Monaten sehr gut entwickelt und sei wieder auf Wachstumskurs.

Primacom ist die Nummer fünf unter den Kabelnetzbetreibern in Deutschland mit rund einer Million angeschlossenen Haushalten in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Im Westen ist der Kuchen zwischen den Branchenriesen Kabel Deutschland und Unitymedia/Kabel BW verteilt, so dass Anbieter wie Primacom die einzigen Wachstumsmöglichkeiten darstellen. Für die Telekom hätte der Zuschlag den Wiedereinstieg ins Kabelgeschäft bedeutet, nachdem der Ex-Monopolist sein Netz auf Druck der Regulierer hatte abgeben müssen.

Quelle: n-tv.de

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