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Energiekonzern in Schwierigkeiten: RWE kündigt neue Einschnitte an

Schwere Zeiten für RWE: Der Essener Kraftwerksbetreiber muss den Gürtel noch enger schnallen als bislang geplant - und das, obwohl die Dividende gestrichen wird und Anteile der Ökostromtochter an der Börse versilbert werden sollen.

Mit dem radikalen Umbau von RWE ändert der deutsche Traditionskonzern auch Name und Rechtsform für den überwiegenden Teil des Unternehmens. Die Zukunftsgesellschaft des Energieriesen für Erneuerbare Energie, Netze und Vertrieb mit rund zwei Dritteln der Beschäftigten wird nach der Gründung am 1. April zunächst RWE International SE heißen, sagte RWE-Chef Peter Terium bei der Bilanzpressekonferenz in Essen.

Der Übergangsname werde zur Eintragung ins Handelsregister benötigt, hieß es. Im Sommer will RWE dann den endgültigen Namen für die Gesellschaft bekanntgeben. Die bisherige RWE AG besteht weiter und führt unter anderem die Kraftwerke. Das Kürzel SE im Namen der RWE International SE steht für "Societas Europaea" und ist eine mittlerweile gängige Rechtsform für Aktiengesellschaften im Europäischen Wirtschaftsraum. Auch RWE-Konkurrent Eon hatte sich von einer deutschen Aktiengesellschaft (AG) in eine SE umgewandelt.

Wie RWE bei der Vorstellung der endgültigen Jahreszahlen bekannt gab, steht der Energiekonzern zugleich auch vor weiteren Einsparungen. Vor allem in den klassischen Großkraftwerken und im britischen Vertriebsgeschäft soll es weitere Sparmaßnahmen geben, wie das Dax-Unternehmen am Morgen mitteilte. Geplant ist demnach, die Kosten bis 2018 um weitere 500 Millionen Euro zu drücken. Bislang wollte RWE eine Summe von 2,0 Milliarden Euro einsparen.

Wie aus der Bilanz 2015 hervorgeht, konnte der Konzern im vergangenen Jahr ein Abrutschen in die roten Zahlen nicht verhindern. Unter dem Strich stand wegen hoher Abschreibungen auf die Großkraftwerke und negativer Steuereffekte ein Fehlbetrag von 170 Millionen Euro. Im Jahr davor hatte RWE noch einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro verbuchen könnten.

Erste Einblicke in die Geschäftsentwicklung hatte das Essener Unternehmen Analysten und Anlegern bereits Mitte Februar bei der Vorlage vorläufiger Eckdaten gewährt. Das nun präzisierte Gesamtergebnis liegt nur geringfügig unter der angekündigten Summe der Verluste.

Preisverfall im Stromgroßhandel

Dass es um die Finanzen bei RWE nicht zum Besten steht, mussten Anteilseigner - darunter viele Kommunen - bereits nach der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Donnerstag zur Kenntnis nehmen: Dort stimmte das Kontrollgremium dem Vorschlag des scheidenden RWE-Chefs Peter Terium zu, in diesem Jahr den Vorzugsaktionären nur 13 Cent je Aktie auszuschütten und die - vielerorts fest eingeplante - Dividende für Stammaktionäre komplett zu streichen.

Vor allem der Verfall der Strompreise im Großhandel setzt dem Versorger zu. Das ließ das betriebliche Ergebnis allein im Geschäft mit Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken um fast die Hälfte einbrechen. Rote Zahlen gab es im britischen Vertriebsgeschäft, wo eine IT-Umstellung Kunden verschreckte.

RWE-Chef Terium zeigte sich auch um die Zukunft der Braunkohlekraftwerke des Konzerns besorgt. Die Lage bleibe dramatisch, heißt es in Unterlagen zur Bilanzpressekonferenz. "Eine rasche Erholung der Großhandelspreise für Strom ist jedenfalls nicht in Sicht." Zwar würden die Braunkohlekraftwerke noch Jahrzehnte für die Sicherung der Stromerzeugung benötigt. "Bei einem Börsenpreis von rund 20 Euro je Megawattstunde kann die Braunkohle wirtschaftlich nicht überleben."

Krise der konventionellen Stromerzeugung

RWE erzeugt gut die Hälfteseines Stroms aus Kohlekraftwerken. Die Großhandelspreise für Strom sind durch den Ausbau des Ökostroms und Überkapazitäten auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen. RWE versucht, dies mit Kostensenkungen zu kontern, stößt dabei aber an seine Grenzen. "Trotz großer Erfolge bei der Umsetzung unseres Effizienzprogramms bleibt die Krise der konventionellen Stromerzeugung zentraler Bestimmungsfaktor für die Ertragsentwicklung von RWE", sagte Terium.

Der nach Eon zweitgrößte deutsche Versorger will das Ökostromgeschäft weiter ausbauen. Der Konzern wolle die geplante neue Gesellschaft für Ökostrom, Vertrieb und Netze wie geplant voraussichtlich Ende des Jahres an die Börse bringen, bekräftigte Terium. Nach dem geplanten Börsengang von zunächst zehn Prozent der Anteile könnten weitere verkauft werden. Terium stellte in Aussicht, dass der Konzern damit auch den Teile Atomausstiegs mitfinanzieren könne. "So könnten wir auch Verpflichtungen aus der Abwicklung der Kernenergie flexibel bedienen, ohne uns aus der Verantwortung zu stehlen."

Quelle: n-tv.de

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