"Braut für Börse geschmückt"Ramsauer kritisiert Ex-Bahn-Chef

Die Ursachen für die Bahnmängel seien in den Sparzwängen wegen des geplanten Börsengangs zu suchen, meint Bundesverkehrsminister Ramsauer. Verbraucherschutzministerin Aigner kritisiert die Informationspolitik der Bahn.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hält die Sparpläne wegen des lange geplanten Börsengangs der Deutschen Bahn für eine Ursache der Probleme des Unternehmens. "Der heutige Bahnvorstand um Rüdiger Grube löffelt die Suppe aus, die von der alten Unternehmensführung vor Jahren eingebrockt worden ist", sagte Ramsauer dem "Focus". Zuerst hätten die früheren Bundesregierungen den Weg zum Börsengang vorgegeben und bei der Bahn seien die Bilanzen "fürs Börsenparkett geschmückt" worden. "Ein Sparzwang war die Folge, um betriebswirtschaftliche Zahlen zu erzeugen, die den Börsengang ermöglichen sollten. Die eingebrockte Suppe muss nun ausgelöffelt werden", betonte Ramsauer.
Womöglich sei gleichzeitig auch zu viel Wartungspersonal abgebaut worden, vermutet der CSU-Politiker. "Dazu gibt es jedenfalls genügend Hinweise aus dem Konzern." Doch Bahnchef Grube habe das erkannt und verstärke das Personal in den Wartungsbereichen. Auch die Wartungskapazitäten bei den ICE-Werken müssten erhöht werden, um hier die Probleme zu lösen.
Krisentreffen soll Weichen stellen
Ramsauer kündigte an, in der Bahnpolitik neue Weichen stellen: "Der Börsengang ist derzeit kein Thema." An erster Stelle müssten bessere Qualität, Sicherheit, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Züge stehen. Darum wie auch um die Pannenserien wird es bei einem Krisentreffen am Dienstag gehen: Bei dem Gespräch soll Grube Verkehrsminister Ramsauer sowie den Verkehrsexperten der Bundestagsfraktionen die Mängel erläutern.
Der Bundesverkehrsminister sagte dem "Focus", er habe mit der Bahn-Spitze bereits "ernste und intensive Gespräche geführt und konstruktive Antworten bekommen". Die neue Bahnführung tue alles, um die Qualitätsprobleme schnell in den Griff zu bekommen. "Denn ich erwarte, dass die Züge bei minus 40 Grad genauso pünktlich fahren wie bei plus 40 Grad", wiederholte Ramsauer.
Aigner kritisiert "Salamitaktik"
In den vergangenen Tagen waren bei sommerlicher Hitze in einigen Fernzügen die Klimaanlagen komplett ausgefallen, weshalb die Waggons geräumt werden mussten. In einem drastischen Fall waren mehrere Fahrgäste kollabiert und mussten ärztlich versorgt werden. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) kritisiert die Informationspolitik der Deutschen Bahn zu diesem Problem scharf. "Das war Salamitaktik und kein Krisenmanagement", sagte Aigner der "Bild am Sonntag". "Erst waren angeblich nur zwei, drei Züge betroffen, dann Dutzende. Inzwischen ist klar, dass es sich um ein generelles Problem handelt."
Die Probleme mit den Klimaanlagen müsse die Bahn jetzt schnell in den Griff kriegen, mahnte Aigner. Temperaturen von mehr als 32 Grad Celsius seien nichts Ungewöhnliches. "Ich verlange, dass Reisende in Zügen unverzüglich über den Ausfall der Klimaanlage informiert werden. Das Personal muss für solche Situationen sensibilisiert werden, auch müssen immer ausreichend Getränke an Bord sein."