Wirtschaft
Lichtblicke in Detroit, aber in Europa kämpfen fast alle Autohersteller mit Absatzrückgängen.
Lichtblicke in Detroit, aber in Europa kämpfen fast alle Autohersteller mit Absatzrückgängen.(Foto: REUTERS)

Autoabsatz auf Niveau von 1995: Rasanter Einbruch in Europa

Für die Autobauer war 2012 in Europa das schlechteste Jahr seit 1995. Der Neuwagenverkauf brach ein, zum Ende des Jahres sogar mit einer verstärkten Dynamik. Damit geraten vor allem die angeschlagenen Massenhersteller Opel, Peugeot und Renault immer stärker unter Zugzwang, aber auch VW lässt Federn. Nun müssen die Kosten sinken: Werksschließungen und Entlassungen stehen an.

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Die Talfahrt des europäischen Automarkts beschleunigt sich. Im Dezember wurden in der Europäischen Union lediglich knapp 800.000 neue Autos zu gelassen, ein Rückgang um mehr als 16 Prozent. Für die Autobauer war 2012 damit das schlechteste Jahr seit 1995: Von Januar bis Dezember schrumpften die Autoverkäufe um 8,2 Prozent auf zwölf Millionen Neuwagen, wie der europäische Herstellerverband Acea mitteilte. Damit geraten vor allem die angeschlagenen Massenhersteller Opel, Peugeot und Renault immer stärker unter Zugzwang, mit Werkschließungen ihre Kosten zu drücken.

Für das laufende Jahr ist keine Besserung auf dem europäischen Kontinent in Sicht, da selbst Marktführer VW mit weiterer Kaufzurückhaltung rechnet: "Die gegenwärtigen Unsicherheiten werden sich besonders in Europa auch in diesem Jahr verstärken", hatte Vertriebsvorstand Christian Klingler zu Wochenbeginn auf der Automesse in Detroit gewarnt. Der Wettbewerb um die Kunden werde noch härter, was die ruinöse Rabattschlacht befeuern dürfte.

VW lässt Federn - Hyundai gefragt

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Der Einbruch der Pkw-Nachfrage in Europa reißt vor allem jene Autohersteller in die T iefe, die auf hohe Stückzahlen zu günstigen Preisen setzen. Bei Ford und Fiat schlug die Kaufzurückhaltung der Verbraucher in Südeuropa im Dezember mit zweistelligen Verkaufsrückgängen massiv zu Buche, selbst VW ließ mit seiner Kernmarke mit minus 22 Prozent kräftig Federn. Unter den Premiumhersteller kam nur BMW ohne Schrammen durch das Krisenjahr 2012.

Zu den wenigen Gewinnern gehörten auch die koreanischen Marken Hyundai und Kia, die ihre europäischen Rivalen oft beim Preis unterbieten und lange Garantiezeiten gewähren. Bis auf Großbritannien schrumpften alle großen Märkte in der EU, in Deutschland wurden 2012 knapp drei Prozent weniger Neuwagen zugelassen. In Italien gingen die Zulassungen um 20 Prozent zurück, in Portugal gar um 38 Prozent. Der Rückgang bei den Neuzulassungen war EU-weit lediglich vor 20 Jahren noch größer: 1993 ging der von der deutschen Wiedervereinigung ausgelöste Absatzboom abrupt zu Ende. 

Durststrecke dauert an

Entlastung ist für Massenhersteller, die wie Opel, Renault oder Peugeot auf Europa fixiert sind, nicht in Sicht: Sie können die Absatzmisere in Europa nicht durch Verkäufe in den brummenden Märkten China und den USA ausgleichen. Marktforscher erwarten, dass sich die Talfahrt im laufenden Jahr fortsetzen wird, wenn auch mit geringerem Tempo. Die Schätzungen gehen von einem Rückgang der Pkw-Nachfrage in Westeuropa um weitere drei Prozent aus.

"Wir können froh sein, wenn sich der europäische Automarkt insgesamt bis 2014 wieder erholt", zeichnete zuletzt selbst Porsche -Chef Matthias Müller im Reuters-Interview ein düsteres Bild der Lage. Die Premiumhersteller spürten die "unverändert kritische" Lage genauso wie die großen Volumenhersteller, die zum Teil rote Zahlen schreiben. "Ob Europa jemals wieder auf das Marktniveau von 2007 kommen wird? Da ist Skepsis angebracht", sagte Müller. Autofahren werde immer teurer, auch wegen strengerer Umweltauflagen. 2007 waren knapp 16 Millionen Neuwagen in Europa zugelassen worden, danach ging es im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise bergab.

Weitere Werksschließungen?

Größter Verlierer unter den europäischen Massenherstellern war im abgelaufenen Jahr Renault mit minus 19,1 Prozent, gefolgt von Fiat (minus 16,1 Prozent). Bei Volkswagen hielt sich der Rückgang mit minus 1,6 Prozent in Grenzen. Fast jedes vierte in der EU verkaufte Auto stammte 2012 von einer Marke des Wolfsburger Konzerns, der damit seine Vorherrschaft in Europa ausbaute.

Vor allem im Dezember blieben die Autohändler auf Neuwagen sitzen. Den stärksten Verkaufsrückgang unter den großen Marken registrierte im Schlussmonat des vergangenen Jahres Ford: Der US-Hersteller, der in Europa drei Werke dichtmacht, verkaufte in der EU 27 Prozent weniger Fahrzeuge als vor Jahresfrist. Dicht dahinter folgte die angeschlagene General-Motors-Tochter Opel, die zusammen mit ihrer britischen Schwester Vauxhall 26,2 Prozent weniger absetzte als vor einem Jahr. Der Marktanteil von Opel/Vauxhall sank im Dezember auf 6,5 Prozent. Der Autobauer hatte vor kurzen angekündigt, sein Werk in Bochum nach 2016 zu schließen. Opel muss seine Kapazitäten verringern, da die Fabriken kaum noch ausgelastet sind.

GM-Partner PSA Peugeot Citroen schrumpfte um 18,2 Prozent. Dessen Lokalrivale Renault, der in den nächsten Jahren in Frankreich 7500 Arbeitsplätze streichen will, schlug im Dezember 19,1 Prozent weniger Autos los als vor Jahresfrist. Bei der Fiat-Gruppe belief sich das Minus auf 17,8 Prozent.

BMW und Daimler schnitten 2012 unterschiedlich ab: Während der Münchner Konzern 3,6 Prozent mehr Wagen seiner weiß-blauen Marke verkaufte als vor Jahresfrist, gaben die Verkaufszahlen bei Daimlers Nobeltochter Mercedes-Benz um 6,6 Prozent nach.   

Bei den Kleinwagen sackten die Verkaufszahlen der BMW-Tochter Mini um 11,5 Prozent ab, die Daimler-Tochter Smart schlug 28 Prozent weniger Fahrzeuge los. Toyota verkaufte von seiner Luxusmarke Lexus die Hälfte weniger als vor einem Jahr. Im Dezember sank der Absatz des japanischen Herstellers, der sich mit dem US-Konzern GM eine dauerhafte Fehde um die Weltmarktkrone liefert, in der EU um 21,6 Prozent.

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Quelle: n-tv.de

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