Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Illegale Absprachen bei Autostahl?: Razzia bei ThyssenKrupp

ThyssenKrupp kommt nicht zur Ruhe. Nachdem der Stahlriese im vergangenen Jahr wegen verbotener Absprachen von Schienenherstellern ein dreistelliges Millionen-Bußgeld zahlen musste, droht dem Dax-Konzern nun wieder Ungemach. Beamte durchsuchten die Geschäfsträume.

Der von Milliardenverlusten und Kartellverstößen erschütterte ThyssenKrupp-Konzern ist erneut in das Visier der Wettbewerbshüter geraten. Das Bundeskartellamt habe die Geschäftsräume von ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg durchsucht, teilte das Unternehmen mit. Es gehe um den Verdacht von illegalen Absprachen bei Stahl für die Autobranche. Auch ArcelorMittal und Voestalpine waren betroffen.

Die Wettbewerbshüter nahmen aber nicht nur Razzien bei ThyssenKrupp vor: Insgesamt seien drei Unternehmen der Stahlbranche durchsucht worden, sagte ein Sprecher. Durchsuchungen habe es an insgesamt vier Unternehmensstandorten in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen gegeben. Auch Wohnungen von verdächtigen Personen seien überprüft worden.

Verdacht illegaler Absprachen

"Laut Durchsuchungsbeschluss geht es um den Vorwurf von wettbewerbsbeschränkenden Absprachen zwischen Marktteilnehmern im Bereich bestimmter Stahllieferungen für die Automobilindustrie in Deutschland", teilte ThyssenKrupp weiter mit. Nähere Details wollte der Konzern wegen der laufenden Ermittlungen nicht nennen. Dem Kartellamt zufolge geht es um den Verdacht illegaler Absprachen für den Vertrieb von Bandstahl. An den Durchsuchungen hätten sich 19 Mitarbeiter der Behörde sowie Polizisten beteiligt.

Kartellverstöße würden in keiner Weise geduldet, erklärte ThyssenKrupp. "Bei ThyssenKrupp gilt das Prinzip 'Null Toleranz'. Sollten die veranlassten Untersuchungen ergeben, dass sich die Vorwürfe erhärten, werden wir hart durchgreifen", kündigte Vorstandschef Heinrich Hiesinger an. ThyssenKrupp unterstütze die Behörden bei den Ermittlungen.

Hiesinger sagte vor der wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf, er könne nicht viel zu dem Fall sagen, da das Unternehmen erst kurzfristig informiert worden sei. "Wir wissen nicht, welche Unternehmen noch durchsucht worden sind". Das Kartellamt sei nach eigener Aussage aufgrund einer anonymen Anzeige tätig geworden. Es solle sich um Preisabsprachen über mehrere Jahre handeln.

Korruption, Absprachen, Schadenersatz

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Für den Konzern kommen die Ermittlungen zur Unzeit. Der Konzern hatte das vergangene Geschäftsjahr 2011/12 mit einem Nettoverlust von 5 Mrd. Euro abgeschlossen. Nach Korruptionsvorwürfen und Kartellverstößen hatte Hiesinger eine neue Unternehmenskultur angekündigt. Wegen verbotener Absprachen von Schienenherstellern hatte der Konzern erst im vergangenen Jahr ein Bußgeld von rund 100 Mio. Euro zahlen müssen.

Dem Konzern drohen in dem Fall Schadenersatzforderungen der Deutschen Bahn und kommunaler Verkehrsbetriebe von mehreren hundert Millionen Euro. Vor einigen Jahren hatte das Unternehmen wegen Kartellabsprachen seiner Aufzugstochter ein Bußgeld in dreistelliger Millionenhöhe zahlen müssen.

Arcelor kooperiert

Branchenprimus ArcelorMittal erklärte, der Konzern kooperiere mit den Wettbewerbshütern. Der weltgrößte Stahlproduzent wollte sich jedoch nicht dazu äußern, ob auch seine Büros durchsucht worden.

Voestalpine aus Österreich teilte mit, die Geschäftsräume der deutschen Tochter mit Sitz in München seien ebenfalls wegen des Verdachts wettbewerbsbeschränkender Absprachen im Bereich Stahllieferungen für die deutsche Autoindustrie durchsucht worden. "Voestalpine unterstützt die Ermittlungen der Behörde", hieß es in einer knappen Erklärung.

Quelle: n-tv.de

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