Wirtschaft
Moskaus Notenbank hat zu spät und zu schwach reagiert, schätzen Analysten.
Moskaus Notenbank hat zu spät und zu schwach reagiert, schätzen Analysten.(Foto: picture alliance / dpa)

Sanktionen und Ölpreis belasten: Rubel trotz Zinserhöhung im freien Fall

Die Talfahrt des Rubels nimmt kein Ende: Auch die jüngste Anhebung des Leitzinses kann den Verfall der russischen Währung nicht stoppen. Immer mehr Kapital fließt aus dem Land ab, die Notenbank steckt in der Zwickmühle.

Der russische Rubel rutscht immer weiter ab. Der Dollar legte am Freitag zur russischen Währung um 0,7 Prozent zu und stieg auf ein Rekordhoch von 56,83 Rubel. Der Euro markierte mit 70,40 Rubel ebenfalls einen neuen Bestwert. Auch am Moskauer Aktienmarkt hielt die Kapitalflucht der Investoren an. Der Leitindex RTS fiel um rund drei Prozent auf 800,38 Punkte.

Der Rubel steht seit Monaten unter Druck und hat seit Jahresbeginn zum Dollar etwa 70 Prozent und zum Euro mehr als 50 Prozent seines Wertes eingebüßt. Ende September markierte der Euro noch bei unter 50 Rubel. Die Wirtschaft leidet unter den westlichen Sanktionen gegen Russland in Folge der Ukraine-Krise.

Zu spät, zu wenig

Außerdem brechen dem Land durch die anhaltende Talfahrt der Ölpreise die Export-Einnahmen weg. US-Öl der Sorte Brent kostete am Freitag mit 63 Dollar je Fass in der Spitze 1,1 Prozent weniger. Der Preis für das US-Öl WTI fiel um 1,9 Prozent auf 58,80 Dollar je Barrel. Öl ist damit so billig wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr. Neben der Überproduktion - vor allem in Nordamerika - machen Experten die schwache Konjunktur in Europa und China für den Preisrutsch verantwortlich.

Erst am Donnerstag entschied die russische Zentralbank eine weitere Leitzinserhöhung um 100 Basispunkte, um die Flucht der Investoren zu stoppen. Das sei zu wenig und zu spät, kommentierten die Commerzbank-Analysten. "Zumal dieser Schritt nicht von anderen regulatorischen oder quantitativen Maßnahmen begleitet wurde, welche die Währung hätten unterstützen können."

Die Notenbank ist in der Zwickmühle: Erhöht sie die Zinsen weiter, um den Rubel für Anleger attraktiver zu machen, werden Investitionen und Konsum zusätzlich gebremst. Hält sie still, droht der Rubel weiter abzuwerten und die Inflation zu steigen. Dollarverkäufe zur Stützung des Rubel sind bislang ohne anhaltende Wirkung geblieben.

Quelle: n-tv.de

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