Wirtschaft
Künftig soll der Wechselkurs des Rubel hauptsächlich von den Marktkräften bestimmt werden.
Künftig soll der Wechselkurs des Rubel hauptsächlich von den Marktkräften bestimmt werden.(Foto: REUTERS)

Kampf gegen Währungskrise: Russlands Notenbank limitiert Rubel-Ankäufe

Ein Rekordtief nach dem anderen markiert der Rubel seit Einsetzen der westlichen Sanktionen. Nachdem die umgehemmten Aufkäufe der russischen Zentralbank nicht den gewünschten Effekt hatten, gibt es einen Strategie-Wechsel. Manch Analyst ist skeptisch.

Mit einer neuen Strategie versucht es die russische Zentralbank angesichts des anhaltenden Kursverfalls des Rubels. Die russische Landeswährung war zuletzt von Rekordtief zu Rekordtief geschlittert. Die bisherigen Maßnahmen haben nicht geholfen: Am vergangenen Freitag etwa hatten die Währungshüter den Leitzins um 150 Basispunkte erhöht - was den Rückgang aber nicht stoppen konnte.

Nun soll alles anders werden: Bisher hatte die Notenbank beim Kampf gegen den Kursverfall auf ihre großen Vorräte an ausländischen Währungen zurückgegriffen. Enorme Dollar-Bestände wurden genutzt, um damit Rubel anzukaufen - und so den Kurs der russischen Währung zu stützen. Alleine im Oktober wurden dafür fast 30 Milliarden Dollar eingesetzt.

Von diesem Vorgehen verabschiedet sich die Notenbank nun und geht einen weiteren Schritt in Richtung eines freieren Rubel-Kurses. Die Eingriffe am Devisenmarkt sollen künftig auf maximal 350 Millionen US-Dollar pro Tag begrenzt werden. Das neue Limit gilt auch dann, wenn sich der Rubel über die täglich vorgegebene Handelsspanne hinaus abschwächen sollte. Die selbst gewählte Einschränkung ist drastisch: Bei Eingriffen in den vergangenen Wochen wurden an einzelnen Tagen über zwei Milliarden Dollar eingesetzt. Das Volumen der Interventionen war bisher beinahe unbegrenzt.

Kommt der Rubel nun zur Ruhe?

Künftig soll der Wechselkurs "hauptsächlich von den Marktkräften" bestimmt werden, hieß es von der Notenbank. Die neue Vorgehensweise werde es Spekulanten schwerer machen, auf einen schwachen Rubel zu wetten, so die Hoffnungen. Wegen der westlichen Sanktionen, der stagnierenden Wirtschaft und dem fallenden Ölpreis hat der Rubel in diesem Jahr schon rund 25 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar eingebüßt.

Die Begrenzung der Rubel-Ankäufe dürfte die Gefahr mindern, dass die Schwäche der russischen Währung eine Eigendynamik entwickele und zu einer echten Krise werde, analysiert Capital Economics. Die Analysten erwarten zwar, dass der Rubel in den kommenden Tagen nochmals an Wert verliert. Allerdings dürfte der Kurs nun leichter einen Boden finden als unter den alten Regularien.

Denn neben den wirtschaftlichen Schwierigkeiten und geopolitischen Risiken hätten auch Spekulationen darauf den Rubel belastet, zu welchem Zeitpunkt die Zentralbank ihre stetigen, vorhersehbaren Eingriffe vornehme. Bedenken, dass der Rubel drastisch an Wert verliert, hätten den Handlungsdruck auf die Notenbank erhöht. Die Entscheidung nun habe diese Gefahr verringert, so Capital Economics. Die Experten sehen den Dollar in den kommenden sechs Monaten bei etwa 45 Rubel. Aktuell kostet der Dollar 44,24 Rubel.

"Die Zentralbank hat den Rubel de facto freigegeben", sagte Pavel Demeshchik, Devisenhändler bei der ING Bank in Moskau. "Der Handelskorridor ist jetzt nur noch eine Fiktion. Die Marktschwankung hat beträchtlich zugenommen, der Markt ist klein und zittrig." Nur ein scharfer Wiederanstieg des Ölpreises könnte den Kursverfall des Rubel umkehren.

Quelle: n-tv.de

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