Wirtschaft
Vorzeigeprojekt in Tschechien: Der Solarpark Stribro mit einer Normleistung von 13,6 MW.
Vorzeigeprojekt in Tschechien: Der Solarpark Stribro mit einer Normleistung von 13,6 MW.(Foto: SAG Solarstrom)

"Keine Chance mehr": SAG Solarstrom ist pleite

Der Sturm in der Solarbranche ist noch nicht vorbei: Kurz vor dem Wochenende muss die SAG Solarstrom AG die Hände heben. Der Aktienkurs rauscht in den Keller. Ein neues Konzept soll den Spezialisten für Photovoltaikanlagen retten.

Die Insolvenz als Brücke über die Finanzierungslücke: SAG-Chef Karl Kuhlmann will das Unternehmen weiterführen.
Die Insolvenz als Brücke über die Finanzierungslücke: SAG-Chef Karl Kuhlmann will das Unternehmen weiterführen.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie setzt sich fort: Abseits aller politischen Bemühungen um die Ausgestaltung der Energiewende zwingt die große Branchenkrise nun auch die SAG Solarstrom AG in die Knie. Das Unternehmen stellte Insolvenzantrag. Wichtige Refinanzierungsgespräche mit Banken, Finanzdienstleistern und weiteren Gläubigern seien gescheitert, hieß es. Die Gesellschaft sehe daher "keine Chance mehr, eine kurzfristige Sanierung außerhalb eines Insolvenzverfahrens zu realisieren", teilte das Unternehmen mit.

Ausstehende Zahlungen von Kunden sowie Projektverzögerungen hätten eine Lücke in die Liquidität gerissen, die die Banken nicht stopfen wollten, teilte die Freiburger Firma mit. "Innerhalb von noch nicht einmal vier Wochen waren wir mit einer Situation konfrontiert, die für uns so in keiner Weise absehbar war", sagte Firmchef Karl Kuhlmann.

Mittelzuflüsse aus dem Verkauf mehrerer Photovoltaik-Projekte in Deutschland und Italien seien für November und Dezember fest eingeplant gewesen. "Sie haben sich aus ganz unterschiedlichen Gründen verzögert." Insgesamt fehle eine Summe von über 20 Millionen Euro.

Im Insolvenzverfahren werde das Unternehmen nun versuchen, in den nächsten drei Monaten gemeinsam mit einem vorläufigen Sachwalter ein Restrukturierungskonzept zu erarbeiten, bei dem die Gläubiger eng eingebunden werden sollen. "Ziel ist ein zukunftsfähiges Konzept zur Fortführung der Unternehmensgruppe", heißt es in einer Mitteilung.

Die SAG Solarstrom AG plant, konfiguriert, installiert, vermarktet und betreibt eigenen Angaben zufolge Photovoltaikanlagen in allen Größenordnungen für Kunden im In- und Ausland. Mit den eigenen Solarstrom-Anlagen tritt das Unternehmen zudem auch als Stromproduzent auf. Daneben bietet der Solarpionier Dienstleistungen "rund um den gesamten Lebenszyklus von Photovoltaik-Anlagen, darunter Prognose- und Energieservices, Ertragsgutachten, Fernwartung und Instandhaltung sowie Versicherung und Finanzierung" an.

Der Gang zum Amtsgericht wirkt sich auch auf die Unternehmensanleihe aus: Aufgrund der aktuellen Lage werde die am 16. Dezember 2013 fällige Zinszahlung für die Anleihe 2010/2015 ausfallen, teilte das Unternehmen mit. Mit einem für November erwarteten Mittelzufluss im mittleren einstelligen Millionenbereich sei nun wohl erst wieder im Jahresverlauf 2014 damit zu rechnen. Das Insolvenzverfahren wil SAG Solarstrom in Eigenverwaltung stemmen, um das 1998 gegründete Unternehmen nach der Restrukturierung fortzuführen.

SAG-Aktie im freien Fall

An der Börse kamen die Neuigkeiten nicht gut an. Anleger reagierten mit umfassenden Verkäufen: Der Kurs der SAG-Aktie, der in den vergangenen Wochen bereits dramatisch gefallen war, sackte im Vormittagshandel um bis zu 72 Prozent auf 0,29 Euro ein. Kurz vor der Insolvenz-Mitteilung hatte die Aktie noch bei 1,02 Euro notiert. Dann wurde das Papier für eine Stunde vom Handel ausgesetzt.

Die Probleme bei SAG Solarstrom hatte sich bereits seit Wochen abgezeichnet. Ende November kappte das Unternehmen schließlich seine Geschäftsprognosen. Am Aktienmarkt kostete die SAG-Aktie zu diesem Zeitpunkt noch 2,50 Euro, nachdem sie in den Monaten zuvor bereits von ihrem Jahreshoch im Mai bei 3,60 Euro merklich zurückgefallen war. Danach schien sich die Talfahrt immer stärker zu beschleunigen. Innerhalb von gut zwei Wochen sackte der Kurs um fast 70 Prozent auf das bisherige Rekordtief von 0,76 Euro ab.

Das gleiche Bild zeigt sich am Anleihemarkt. Die 2015 fällige fünfjährige Anleihe des Unternehmens dümpelte seit Jahresbeginn bis in den November mit einem Kurs von 85 bis 95 Prozent des Nominalwertes vor sich hin, brach dann aber am 6. Dezember im Tief auf 25 Prozent ein.

Überraschende Finanzlücke

Dass die Insolvenz letztendlich für viele doch überraschend kam, darauf deutet die kurzzeitige Erholungsbwegung beim Aktienkurs aus den vergangenen Tagen hin. Die SAG-Aktie konnte sich zeitweise sogar wieder deutlich erholen. SAG Solarstrom beschäftigt eigenen Angaben zufolge rund 200 Mitarbeiter an vier Standorten in Deutschland sowie bei ausländischen Tochtergesellschaften.

SAG setzte im vergangenen Jahr 188 Millionen Euro um und konnte unter dem Strich einen Gewinn von rund 1 Million Euro verbuchen. Das Unternehmen plant, baut und finanziert Dach- und Freiflächen-Solaranlagen. Probleme bereiteten dem Unternehmen zuletzt unter anderem die vor und nach Projektabschlüssen vorgeschriebenen Bürgschaften.

Wegen des branchenweiten Preisverfalls infolge massiver Überkapazitäten mussten bereits zahlreiche Firmen der mit Milliarden Euro subventionierten deutschen Solarbranche den Gang zum Amtsgericht antreten - darunter Conergy, Solon, Q-Cells, Centrotherm und Solarhybrid.

Quelle: n-tv.de

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