Wirtschaft

Stresstest nicht bestanden: Sechs deutsche Banken patzen

Europas Banken weisen große Kapitallücken auf. Die EU-Bankenaufsicht EBA spricht in ihrem Bericht von 114,7 Milliarden Euro. Sechs deutsche Banken bestehen den Stresstest nicht. Für sie wird ein Bedarf von 13,1 Milliarden Euro ermittelt. Größtes Sorgenkind ist die Commerzbank - ihr fehlen 5,3 Milliarden Euro.

Dunkle Wolken über der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt.
Dunkle Wolken über der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt.(Foto: dpa)

Purer Stress für die europäischen Geldinstitute: Die Commerzbank angelt Finanzchef hat in Deutschland am stärksten mit den verschärften Kapitalanforderungen der Europäischen Union zu kämpfen. Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus fehlen nach Berechnungen der EU-Bankenaufsicht EBA allein 5,3 Milliarden Euro. Ende Oktober war die Kapitallücke der Commerzbank noch auf 2,9 Milliarden beziffert worden.

Bei der Deutsche Bank braucht Geld ist der Kapitalbedarf auf 3,2 Milliarden Euro gestiegen, sie dürfte die Lücke aber mit den in den nächsten Monaten erwarteten Gewinnen und einem Abbau der Bilanzrisiken leichter schließen können.  

Die 71 größten Banken in Europa müssen ihr Kapital bis Juni 2012 um zusammen 114,7 Milliarden Euro aufstocken, um auch dann noch ein Kapitalpolster von neun Prozent zu haben, wenn sie die Staatsanleihen in ihrem Bestand auf Marktwerte abschreiben müssten. Sie haben dafür bis zum 30. Juni 2012 Zeit. Um ihre Pläne dafür der Aufsicht vorzulegen, bekommen sie immerhin vier Wochen länger Zeit als geplant: Bis zum 20. Januar des kommenden Jahres soll das nun vonstattengehen.   

Commerzbank will neue Hilfen vermeiden

Insgesamt fehlen sechs der 13 größten deutschen Banken dazu 13,1 Milliarden Euro Kapital. Betroffen sind die Landesbanken NordLB (2,5 Milliarden), Helaba (1,5 Milliarden) und WestLB (224 Millionen) sowie die genossenschaftliche DZ Bank (353 Millionen). "Der Großteil des Kapitalbedarfs der Helaba und der NordLB ist bereits durch öffentlich angekündigte Kapitalmaßnahmen gedeckt", sagte die für Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger.

Die EBA hatte als Stichtag für die Ausstattung mit Eigenkapital Ende September festgelegt. Die LBBW, der im Oktober eine Lücke von 364 Millionen Euro bescheinigt worden war, kommt dagegen nun um eine Kapitalaufstockung herum.      

Martin Blessing hat bereits einen Plan.
Martin Blessing hat bereits einen Plan.(Foto: dpa)

Der Kapitalbedarf der deutschen Banken ist deutlich stärker gestiegen als der von Instituten in anderen Ländern. Ein Grund dafür liegt darin, dass ihnen die EBA nicht mehr in dem Maße wie zuletzt erlaubt, Kursgewinnen bei deutschen Staatsanleihen mit Verlusten bei Papieren aus den Schuldenstaaten im Süden Europas zu verrechnen. Zudem ist ihre risikogewichtete Bilanzsumme (RWA) durch eine genauere Berechnungsweise deutlich gestiegen.

Die meisten europäischen Banken wollen die Kapitallücken aus eigener Kraft zu schließen. Auch die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Commerzbank will neuerliche Hilfen des Bundes unbedingt vermeiden. Konzernchef Martin Blessing will Bilanzrisiken um 30 Milliarden Euro herunterfahren, Randgeschäfte verkaufen und Gewinne einbehalten. Dadurch verringere sich der Bedarf an zusätzlichem Eigenkapital um bis zu rund 2,7 Milliarden Euro, sagte der Manager. Zudem dürfen einzelne Geschäftsfelder derzeit keine Kredite mehr vergeben. Ein Rückkauf von Hybridanleihen läuft der Commerzbank bereits. Die Deutsche Bank will die Kapitallücke schon bis Jahresende schließen. Das Institut habe während des vierten Quartals deutliche Fortschritte gemacht, hieß es in einer Mitteilung.

Haasis spricht von Willkür

Experten kritisierten den "Blitz-Stresstest" der EBA. "Der Stresstest hat nicht zur Marktstabilisierung beigetragen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Privatbankenverbandes BdB, Michael Kemmer. "Das Gegenteil ist der Fall. Der langwierige und chaotisch wirkende Prozess hat zudem den Eindruck verstärkt, dass jedes Ergebnis möglich ist."

Heinrich Haasis ist mit dem Vorgehen der EBA überhaupt nicht zufrieden.
Heinrich Haasis ist mit dem Vorgehen der EBA überhaupt nicht zufrieden.(Foto: picture alliance / dpa)

Auch der Präsident des Sparkassenverbandes DSGV, Heinrich Haasis, sprach von Willkür. Die Berechnungen der EBA seien inkonsistent. Deutsche Banken und ihre Aufseher hatten wochenlang gegen eine weitere Verschärfung der Test-Kriterien gekämpft. Die Institute hätten in den vergangenen Jahren massiv Kapital aufgebaut und seien alles andere als unterkapitalisiert.       

Banken-Professor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim gewinnt dem Stresstest Gutes ab: "Man hat den Stier bei den Hörnern gepackt und harte Annahmen zugrunde gelegt. 115 Milliarden Euro ist eine gigantische Zahl." Doch erst wenn die Banken das nötige Geld wirklich auftreiben könnten, würden die Märkte Vertrauen fassen. Notfalls sollten die Regierungen helfen. Die Bundesregierung hat angekündigt, den Bankenrettungsfonds Soffin vorsorglich wieder zu öffnen.

S&P erhöht den Druck

Lediglich die italienische Unicredit kündigte bereits eine Kapitalerhöhung an. Sie soll 7,5 Milliarden Euro einbringen. Angesichts des derzeit großen Misstrauens gegenüber den Banken gilt ein solcher Schritt aber als sehr schwierig.

Erst am Vortag hatte S&P attackiert ohne Ende ("CreditWatch") gestellt, darunter auch Deutsche Bank und Commerzbank. Den Instituten droht genauso wie ihren Heimatländern eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit, was die Refinanzierung erschweren und am Ende die Krise verschlimmern könnte.

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Quelle: n-tv.de

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