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Auch das neue Abenteuer von James Bond (Daniel Craig) ist inzwischen von dem Angriff der Hacker betroffen.
Auch das neue Abenteuer von James Bond (Daniel Craig) ist inzwischen von dem Angriff der Hacker betroffen.(Foto: dpa)

Hacker erbeuten Bond-Drehbuch: Sony Pictures geht in die Offensive

Von Markus Lippold

Mit juristischen Mitteln will Sony Pictures verhindern, dass Dokumente aus dem Hackerangriff öffentlich werden. Doch immer mehr Interna sickern durch, darunter das Drehbuch zum neuen Bond-Film. Und die Hacker kündigen ein "Weihnachtsgeschenk" an.

Nach dem großangelegten Hackerangriff auf Sony Pictures ist das Hollywood-Studio bemüht, weitere Enthüllungen zu verhindern. Mehrere US-Medien wurden per Anwaltsschreiben aufgefordert, Berichte über gehackte Interna des Unternehmens zu beenden. Ansonsten werde Sony juristische Schritte einleiten, berichteten betroffene Medien.

Wie der Technologieblog "Recode" berichtete, wurden die Medien auch aufgefordert, in ihrem Besitz befindliche Kopien von Dokumenten aus dem digitalen Angriff zu vernichten. Demnach wolle Sony die Medien für eventuelle Verluste oder Schäden haftbar machen. Betroffen waren auch große Medien wie die "New York Times" und der "Hollywood Reporter".

Infos zu Bond-Film gestohlen

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Der Hackerangriff ist für Sony weiter ein unkalkulierbares Risiko - finanziell, aber auch was das Image der Firma angeht. Zuletzt war bekannt geworden, dass sich eine Drehbuchversion des neuen Films mit James Bond unter den gestohlenen Dokumenten befindet. Es handle sich um eine "frühe Version", teilten die Produzenten von "Spectre" mit. Eon Productions zeigte sich besorgt, dass der Inhalt nun an die Öffentlichkeit gelangt.

Auch Informationen zu den Produktionskosten von 300 Millionen US-Dollar tauchten nun im Internet auf. Der Film wäre damit der teuerste Bond-Film aller Zeiten. Die Dreharbeiten zum neuen Abenteuer von 007 mit Daniel Craig in der Hauptrolle haben erst vor wenigen Tagen begonnen. Der Film von Regisseur Sam Mendes soll im kommenden Herbst in die Kinos kommen.

Sony Pictures ist durch den Angriff Ende November bereits ein finanzieller Schaden entstanden. So stahlen die Hacker mehrere noch nicht in den US-Kinos gestartete Kinofilme, die kurz darauf in illegalen Tauschbörsen auftauchten.

Witze über Obama

Daneben wurde aber auch das E-Mail-System des Konzerns gehackt. Kürzlich kamen so Mailwechsel von Top-Managern an die Öffentlichkeit. So bezeichnete Produzent Scott Rudin etwa Schauspielerin und Regisseurin Angelina Jolie als "kaum talentierte, verzogene Göre". Auch US-Präsident Barack Obama wurde in den Mails beleidigt. Rudin und Studio-Chefin Amy Pascal machten sich darüber lustig, dass dessen Lieblingsfilme wohl schwarze Hauptfiguren haben müssten. Pascal hat sich inzwischen dafür entschuldigt.

Für Amy Pascal, Co-Chefin von Sony Pictures, geht es nun um Schadensbegrenzung.
Für Amy Pascal, Co-Chefin von Sony Pictures, geht es nun um Schadensbegrenzung.(Foto: REUTERS)

Weitere Dokumente aus dem Hackerangriff enthüllten Tarnnamen, mit denen sich Hollywoodstars in Hotels einchecken oder Sonys Pläne im Kampf gegen illegale Raubkopien im Internet. Auch Informationen zu Mitarbeitern des Unternehmens, darunter Gehälter und Sozialversicherungsnummern, wurden gestohlen. Insgesamt sollen etwa 47.000 Menschen von den erbeuteten Daten betroffen sein. Angestellte von Sony Pictures bekamen laut Medienberichten Droh-E-Mails.

Die Ermittlungen zu den Hintergründen des Angriffs laufen weiter. Als Drahtzieher wurde Nordkorea vermutet. Es könnte eine Racheaktion sein für eine Komödie des Studios. In "The Interview" werden zwei US-Journalisten vom CIA beauftragt, bei einem Interview den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un zu töten. Pjöngjang bestritt jedoch, hinter dem Angriff zu stecken.

"Weihnachtsgeschenk" angekündigt

Zu der Tat bekannte sich eine Hackergruppe namens GOP (Guardians of Peace - Wächter des Friedens). Laut Medienberichten wollte die Gruppe zunächst Geld von Sony erpressen. Laut dem Nachrichtendienst Bloomberg wurde der Angriff mittlerweile bis in ein Hotel der thailändischen Hauptstadt Bangkok zurückverfolgt. Er erfolgte demnach aus dem "St. Regis", berichtete Bloomberg mit Verweis auf Ermittlerkreise.

Eine IT-Sicherheitsfirma, die von Sony beauftragt worden war, bezeichnete den Angriff als außerordentlich. Gegen diesen sei kein Unternehmen gewappnet gewesen, hieß es in einer Notiz von Mandiant. Experten kritisierten aber auch mangelnde Sicherheitsvorkehrungen bei Sony Pictures. "Ich bin schockiert, dass die Sony-Angreifer mehrere Terabyte an Daten herunterladen konnten, ohne dass dies bemerkt wurde", twitterte der Ex-Hacker Kevin Mitnick, der inzwischen als Sicherheitsexperte arbeitet.

Zu befürchten ist, dass die Enthüllungen um Sony Pictures noch nicht beendet sind. Am Sonntag wurden US-Medien weitere gestohlene Dokumente zugespielt. Zudem wurde von den mutmaßlichen Hackern ein "Weihnachtsgeschenk" angekündigt, das noch größere Datenmengen enthalten sollte, wie "Variety" berichtete.

Quelle: n-tv.de

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