Wirtschaft
Die heißen Zeiten in der Stahlbranche sind erst einmal vorbei. 2014 soll es aber wieder aufwärts gehen - dank den Märkten in Nordamerika und Asien, wie die Stahlkonzerne hoffen.
Die heißen Zeiten in der Stahlbranche sind erst einmal vorbei. 2014 soll es aber wieder aufwärts gehen - dank den Märkten in Nordamerika und Asien, wie die Stahlkonzerne hoffen.(Foto: REUTERS)

Optimismus als Unternehmerpflicht: Stahlbranche baut auf Asien

Überkapazitäten, sinkende Preise, Konjunkturflaute: Bisher ist 2013 für die Stahlbranche kein gutes Jahr, was auch die jüngsten Geschäftsberichte beweisen. Eine Besserung ist vorerstauch nicht in Sicht, die Talsohle allerdings erreicht. Hoffnungsvoll blicken die Unternehmen nun nach China und Nordamerika.

Die Stahlbranche steckt tiefer in der Krise als erwartet. In diesem Jahr ist für die meisten Unternehmen der Branche nichts mehr zu holen. Die Überkapazitäten am Markt, die fallenden Preise, die weltweite Konjunkturelle und die Nachfrageschwäche besonders in Europa belasten. In Südeuropa wird wegen der verhaltenen Bautätigkeit weniger Stahl abgesetzt und auch die Automobilindustrie fragt weniger nach. Vor allem Konzerne mit dem Hauptabsatzmarkt in Europa von Klöckner & Co, Salzgitter über ThyssenKrupp bis ArcelorMittal müssen Federn lassen. Branchenweit treten die Unternehmen angesichts von teilweise roten Zahlen auf die Kostenbremse, streichen Stellen und bauen den Konzern um. Die noch vor einigen Monaten geäußerten Zielsetzungen für das laufende Jahr sind bei vielen auch schon wieder Makulatur.

Doch Optimismus ist Unternehmerpflicht: Die Konzernchefs machen Hoffnung für das nächste Jahr und einige sehen die Talsohle erreicht. Im kommenden Jahr gibt es dann einen Lichtblick. Das Augenmerk liegt dabei verstärkt auf Nordamerika, China und Asien. Ein schneller Turnaround in Europa ist dagegen wohl nicht in Sicht. Profitieren werden dann vor allem die Konzerne, die sich breit aufgestellt haben.

Prognose kassiert

 In den vergangenen Tagen rissen die Hiobsbotschaften aus der Branche nicht ab. Salzgitter warnte, im laufenden Jahr wesentlich tiefer in die roten Zahlen zu rutschen als befürchtet. Innerhalb weniger Monate mussten die Niedersachsen ihre Prognose somit erneut in den Wind schreiben. Der Salzgitter-Chef will nun mit einem Sparprogramm gegensteuern. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" sollen deutlich mehr als 1000 der konzernweit gut 25.000 Stellen gestrichen werden.

Der weltgrößte Stahlproduzent ArcelorMittal korrigierte vergangene Woche seine Erwartungen nach unten. In Europa und in den Vereinigten Staaten laufen die Geschäft nicht gut. In der ersten Jahreshälfte habe der Stahlbedarf in den USA um 5,6 Prozent und in der EU um 5,7 Prozent abgenommen, sagte Finanzvorstand Aditya Mittal, Sohn von Konzernchef Lakshmi Mittal.

KlöCo wohl ohne Nettogewinn

Der deutsche Stahlhändler Klöckner & Co hat nach einem von geringen Absätzen und niedrigen Preisen geprägten zweiten Quartal für dieses Jahr einen Nettogewinn abgeschrieben. Auch die EBITDA-Prognose hat KlöCo nach einem Verlust im Zeitraum März bis Juni zusammengestrichen. Im zweiten Quartal verkaufte KlöCo nur noch 1,69 Millionen Tonnen Stahl, nach 1,86 Millionen Tonnen im Vorjahr.

Auf die Marktentwicklung reagiert Klöckner mit drastischen Einsparungen. Der Stahlhändler will im Rahmen seines laufenden Umbauprogramms bis zum Jahresende die Zahl seiner rund 10.000 Stellen um 2000 verringern. Weltweit sollen 70 Standorte wegfallen. Einen Großteil des Programms hat Klöckner schon umgesetzt: 1800 Stellen sind abgebaut und 60 Standorte geschlossen oder verkauft.

Auch der Branchenriese ThyssenKrupp hat derzeit erhebliche Probleme zu stemmen. Zwischen Januar und März verbuchte ThyssenKrupp einen Fehlbetrag nach Steuern und Dritten von 656 Mio. Euro.

Sorgenkind Europa

Als Grund für die Misere nennen die Unternehmen hauptsächlich das schwache Geschäft in Europa. Die Rezession in vielen Staaten Europas und die schrumpfende Bautätigkeit in Südeuropa habe bei vielen Stahlproduzenten zu erheblichen Überkapazitäten geführt, erklärte Salzgitter. Die Preise für eine Vielzahl von Walzstahlerzeugnissen rangierten unterhalb der Herstellungskosten. Mittelfristig sieht Salzgitter keine nennenswerte Belebung. Der Konzern machte im vergangenen rund zwei Drittel seines Umsatzes in Europa.

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Die Wirtschaftsvereinigung Stahl bläst dabei in dasselbe Horn. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Stahlindustrie seien aufgrund der Rezession in weiten Teilen Europas und der hohen Wettbewerbsintensität auf dem europäischen Markt außerordentlich schwierig, hieß es.

"Die Stahlnachfrage wird sich nicht erholen, wenn sich die Volkswirtschaften nicht wirklich erholen, und das geschieht derzeit noch nicht", sagte Bill Selesky, Analyst von Argus Research, zur Lage auf dem europäischen Stahlmarkt. Der Stahlkonzern ArcelorMittal schätzt, dass die Stahlnachfrage in der EU in diesem Jahr um 2,5 Prozent zurückgeht.

"Das Schlimmste liegt hinter uns"

Die Hoffnungen der Konzerne liegen jetzt besonders auf den Märkten in Nordamerika, Asien sowie China. Lakshmi Mittal, Chef von ArcelorMittal, verbreitete jüngst etwas Hoffnung. "Wenn Sie sich die globale Situation anschauen, liegt das Schlimmste hinter uns", sagte Mittal in einem Interview mit dem Wall Street Journal. Lichtblick sei die erfreuliche Entwicklung in China, dem wichtigsten Abnehmer. In der ersten Hälfte sei die Nachfrage dort kräftig gewachsen, so Mittal.

Der Stahlkocher geht davon aus, dass die globale Stahlnachfrage dieses Jahr um 3 Prozent wachsen wird, nachdem sie im Vorjahr lediglich um 1,7 Prozent zugelegt hatte. China, wo etwa die Hälfte der weltweiten Stahlproduktion verbraucht wird, wird die Nachfrage dieses Jahr um 5 Prozent steigern. Die bisherige Vorhersage hatte auf 4 Prozent gelautet.

Japan als Hoffnungsschimmer

Ein weiterer Hinweis, dass es auf den Märkten außerhalb Europas wieder aufwärts geht, sind auch die neuesten Daten aus Japan. Dort sind das erste Mal seit fünf Monaten die Preise für Breitflanschträger wieder angezogen. Breitflanschträger sind Stahlträger, die im Stahlbau wie zum Beispiel im Hallenbau, Brückenbau, Industrie- und Gewerbebau eingesetzt werden.

Wie die Zeitung "Nikkei" schreibt, sind die Preise in diesem Monat um 3 Prozent zum Vormonat angesprungen. Kenichi Hirano, Analyst bei Tachibana Securities, wertet das für die Stahlindustrie als gutes Anzeichen. Denn die Branche habe sich jüngst darauf konzentriert, die Überkapazitäten abzubauen, damit die Preise wieder anspringen. Dies scheint geglückt zu sein.

"Zarter" Optimismus

Auch der Chef des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine Wolfgang Eder zeigt sich verhalten optimistisch. voestalpine sieht den bis zum Jahresbeginn 2013 vorherrschende konjunkturelle Abwärtstrend gebannt. "Aus heutiger Sicht könnte es in den nächsten Monaten zu einer weiteren Stabilisierung der globalen Konjunktursituation kommen, wenn sich der Aufschwung in den USA dieses Mal als wirklich nachhaltig erweist,

China im weiteren Jahresverlauf keine neuerlichen konjunkturellen Rückschläge erleidet und sich die derzeit spürbare leise Zuversicht in Europa nicht als trügerische Hoffnung herausstellt", hieß es von den Österreichern. Unter diesen Vorzeichen könnten in der zweiten Jahreshälfte 2013 tatsächlich jene Voraussetzungen geschaffen werden, die 2014 erstmals seit langem wieder eine globale Konjunkturbelebung ermöglichen.

Voestalpine hat angesichts der Branchenkrise noch gut lachen. Der Konzern profitiert derzeit deutlich von der strategischen Entscheidung früherer Jahre, nicht einfach nur Stahl als Massenware, sondern veredelte Produkte wie unter anderem Eisenbahnschienen zu fertigen. Voestalpine ist im Branchenvergleich breit aufgestellt und die Kombination von Stahlerzeugung und -verarbeitung sowie die zunehmende Anwendung anderer Werkstoffe wie Aluminium oder Titan bewirken eine immer stärkere Differenzierung von der Konkurrenz.

Branchenverband bleibt skeptisch

Während einer Telefonkonferenz untermauerte Eder seinen zarten Optimismus und sagte, er gehe davon aus, dass in den kommenden Monaten die Preise auf dem Spotmarkt für Stahl wieder anziehen". Eder ist auch Vorsitzender der European Steel Association. Nach den jüngsten Daten zur Stahlkonjunktur im Sommer 2013 haben sich die Walzstahlerzeugnissen im zweiten Quartal um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal verbessert. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl wertet das jüngste Plus bei den Bestellungen als einen ersten Hoffnungsschimmer, aber noch kein Anzeichen für eine Trendwende. Das Dispositionsverhalten bei Stahldistributeuren und Verarbeitern bleibt weiter von einer hohen Kurzfristorientierung geprägt.

Nun richtet sich der Blick in der kommenden Woche auf den 13. August. Spannend wird sein, was der Branchenriese ThyssenKrupp dann zur Entwicklung und Einschätzung in der Stahlsparte zu sagen hat. Bei Steel Europe, wo der Konzern die Aktivitäten des Konzerns bei Qualitätsflachstahl vor allem im europäischen Markt gebündelt hat, lagen Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr 2012/13 unter Vorjahr. Steel Europe ist der größte Geschäftsbereich der Deutschen.

Quelle: n-tv.de

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