Wirtschaft
Wie geht es mit der Deutschen Bank weiter?
Wie geht es mit der Deutschen Bank weiter?(Foto: dpa)

Herber Tiefschlag: Steht die Deutsche Bank vor der Pleite?

Von Egmond Haidt

Nach der Hiobsbotschaft aus den USA bricht die Aktie der Deutschen Bank ein. Die Nachricht hätte zu kaum einem schlechteren Zeitpunkt kommen können. Wie massiv sind die Risiken für die Deutsche Bank tatsächlich?

Die leidgeplagten Aktionäre der Deutschen Bank müssen einen weiteren Tiefschlag wegstecken: Das US-Justizministerium fordert eine Zahlung von 14 Milliarden Dollar, um den Hypothekenstreit mit einem Vergleich beizulegen. Entsprechend rutscht die Aktie auf zwölf Euro ab und nimmt das Rekordtief von knapp über elf Euro von Anfang August ins Visier. Investoren schießen vor allem zwei Fragen durch den Kopf: "Wie hoch dürfte die endgültige Strafe tatsächlich sein?" und "Muss die Deutsche Bank dazu möglicherweise eine Kapitalerhöhung durchführen?"

Dazu ein Blick auf die Fakten: Die Deutsche Bank hatte zur Jahresmitte Rückstellungen von 5,5 Milliarden Euro für sämtliche Rechtsstreitigkeiten gebildet. Die Summe enthält neben den Rückstellungen für den US-Hypothekenstreit auch welche wegen möglicher Geldwäsche in Russland und anderen Rechtsstreitigkeiten. Laut einem Insider habe das Institut für den US-Hypothekenstreit eine Summe von 2,5 bis drei Milliarden Euro veranschlagt. Wie hoch könnte die tatsächliche Strafe aber ausfallen?

Die Bank of America hatte im Jahr 2014 zur Beilegung eines ähnlichen Falls Belastungen von 16,65 Milliarden auferlegt bekommen. Davon entfielen allerdings nur fünf Milliarden Dollar auf das Justizministerium, während die restlichen Zahlungen auf andere Parteien entfielen, beispielsweise sieben Milliarden Dollar für die Entlastung von privaten Hypothekenschuldnern, zum Beispiel für teilweisen Schuldenerlass oder zinsvergünstigte Kredite. Insofern gehen etliche Experten davon aus, dass die Deutsche Bank am Ende möglicherweise "nur" vier bis fünf Milliarden Dollar an die US-Justiz zahlen muss.

Allerdings könnten der US-Wahlkampf und die von der EU geforderte Strafe von 14 Milliarden Dollar für Apple einen zügigen und unvoreingenommenen Abschluss der Vergleichsverhandlungen zwischen der US-Justiz und der Deutschen Bank beeinträchtigen und möglicherweise dazu führen, dass die Deutsche Bank doch etwas mehr zahlen muss. Das zweite Risiko ist, dass das US-Justizministerium, wie beispielsweise im Fall der Bank of America, zusätzliche Zahlungen an andere Parteien durchsetzt, wie an private Hypothekenschuldner. Das würde die Kosten für die Deutsche Bank in die Höhe treiben.

Schwache Kapitalausstattung

Dabei ist die Deutsche Bank finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet. Vielmehr bereitet die im Branchenvergleich schwache Kapitalausstattung Investoren großes Kopfzerbrechen. So lag die harte Kernkapitalquote Ende Juni bei lediglich 10,8 Prozent. Vorstandschef John Cryan hatte im Oktober 2015 bei der Vorlage der "Strategie 2020" angekündigt, dass die harte Kernkapitalquote ab Ende 2018 auf mindestens 12,5 Prozent erhöht werden solle.

Laut den Berechnungen der Deutschen Bank muss das Geldhaus das harte Kernkapital bis zum Jahr 2020 organisch auf 51 bis 55 Milliarden Euro erhöhen, um die Kernkapitalquote bei 12,5 Prozent zu halten. Um das zu erreichen, muss sich die Deutsche Bank enorm strecken, lag das harte Kernkapital zuletzt doch bei lediglich 43,5 Milliarden Euro. Hohe Belastungen für Rechtsstreitigkeiten würden das Institut bei seinem Vorhaben enorm zurückwerfen. Die Analysten von Morgan Stanley prognostizieren, dass die Deutsche Bank bis 2018 eine Kapitallücke von neun Milliarden Euro schließen müsse – die Belastungen durch zusätzliche Rechtsstreitigkeiten seien dabei noch gar nicht eingerechnet.

Wie könnte es mit der Aktie der Deutschen Bank weitergehen? Dass der Kurs mit zwölf Euro meilenweit unter dem materiellen Eigenkapital je Aktie von zuletzt 37,40 liegt, zeigt die enorme Skepsis der Investoren. Sie gehen davon aus, dass die Profitabilität der Deutschen Bank sehr schwach bleiben wird und weitere herbe Belastungen auf das Institut zukommen. Daher dürfte bei Investoren weiterhin die Sorge umgehen, dass das Institut entgegen Cryans Beteuerungen doch eine Kapitalerhöhung durchführen muss.

Diese Aussicht könnte das Papier weiterhin deutlich belasten, immerhin werden bei einer Kapitalerhöhung die neuen Aktien üblicherweise mit einem hohen Abschlag im Vergleich zu den alten ausgegeben. Als schlechtes Signal würden es die Investoren auch interpretieren, wenn erneut Gerüchte über einen möglichen teilweisen Verkauf des Vermögensverwaltungsgeschäfts aufkommen würden. Das würde der Markt als den Verkauf von Tafelsilber negativ interpretieren. Dann dürfte das Rekordtief in der Aktie bei knapp über 11 Euro nicht die letzte Station auf dem Weg nach unten gewesen sein.

Quelle: n-tv.de

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