Wirtschaft
Sind die Summen hoch, droht ein Gefängnisaufenthalt.
Sind die Summen hoch, droht ein Gefängnisaufenthalt.(Foto: REUTERS)

Schwarzgeld, was tun?: Steuersünder haben (k)eine Wahl

Deutsche Steuersünder, die Schwarzgeld in der Schweiz deponiert haben, können prinzipiell zwischen zwei Vorgehensweisen wählen: Abwarten und hoffen oder Selbstanzeige. Zu den unterschiedlichen Auswirkungen sprach n-tv.de mit dem Steuerexperten Michael Bormann.

n-tv.de: Rechnen Sie damit, dass das Abkommen zwischen der Bundesrepublik und der Schweiz wie ursprünglich geplant ab 2013 gilt?

Michael Bormann: Das hängt vor allem von der Opposition ab. SPD und Grüne wollen ja im Bundesrat über verschiedene Vorhaben im Paket abstimmen. Außer dem Steuerabkommen mit der Schweiz gehören dazu u.a. auch der Fiskalpakt und die Finanztransaktionssteuer. Die nächsten Gespräche darüber sind für den 13. Juni angesetzt.

Das geplante Inkrafttreten des Abkommens zum 1. Januar 2013 steht damit infrage?

Zumindest kann der Steuersünder nicht darauf bauen.

Michael Bormann ist Steuerberater und Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.
Michael Bormann ist Steuerberater und Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.

Was bedeutet die mögliche Verzögerung für den Steuerflüchtigen konkret?

Im Prinzip gibt es zwei Optionen. Der Steuersünder kann entweder darauf hoffen, bis 2013 oder entsprechend später unentdeckt zu bleiben. Dann würde er sein Vermögen anonym nachversteuern. Hier sind nach einer Erhöhung jetzt Sätze zwischen 21 bis 41 Prozent auf das zu versteuernde Vermögen im Abkommen vorgesehen. Der konkrete Satz hängt davon ab, wie alt das Vermögen ist und welche Erträge zwischenzeitlich angefallen sind.

Oder der Steuerflüchtige wählte den Weg der Selbstanzeige. Bei der Selbstanzeige müssen die Erträge der vergangenen zehn Jahre nachversteuert werden. Außerdem fallen Hinterziehungszinsen von sechs Prozent an sowie ab einer Hinterziehungssumme von 50.000 Euro eine Strafzahlung in Höhe von fünf Prozent der hinterzogenen Steuer.

Was ist unter finanziellen Gesichtspunkten günstiger?

Das hängt maßgeblich davon ab, welche Erträge in den vergangenen zehn Jahren angefallen sind. Immerhin fanden in diesem Zeitraum zwei Crashs an den Aktienmärkten statt.

Welche Optionen bleiben Steuerflüchtigen jetzt noch?

Der einzige sichere Weg in die Legalität ist die strafbefreiende Selbstanzeige. Ob, und wenn ja wann, das geplante Steuerabkommen ratifiziert wird, ist nicht mit Sicherheit absehbar. Zudem hat der NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans angekündigt, weitere Steuer-CDs kaufen zu wollen. Der Steuerflüchtige muss also damit rechnen, dass sein Entdeckungsrisiko steigt.

Die strafbefreiende Selbstanzeige ist aber vergangenes Jahr verschärft worden.

Mittlerweile muss der Steuersünder alle nicht ordnungsgemäßen Vorgänge der vergangenen zehn Jahre anzeigen. Fehlt nur ein Punkt, ist die gesamte Selbstanzeige ungültig. Trotzdem stellt die Selbstanzeige den einzigen sicheren Weg dar, ab einer deklarierten Steuerschuld von mehr als einer Million Euro, eine Haftstrafe zu vermeiden. Der Bundesgerichtshof hat ja im Frühjahr entschieden, dass er ab diesem Betrag, eine Strafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird, als nicht adäquat erachtet. Vor diesem Hintergrund führt insbesondere ab Summen von mehr als einer Million an der strafbefreienden Selbstanzeige kaum ein Weg vorbei.

Quelle: n-tv.de

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