Wirtschaft
Ein Bagger-Händler in Denver - ein besseres Wachstum hätte wohl auch seine Geschäfte angekurbelt.
Ein Bagger-Händler in Denver - ein besseres Wachstum hätte wohl auch seine Geschäfte angekurbelt.(Foto: REUTERS)

Schwächstes Halbjahr seit 2011: US-Wirtschaft spürt Dollarstärke

Die größte Volkswirtschaft der Welt legt einen Fehlstart hin. Das Bruttoinlandsprodukt sinkt. Die Exporte brechen ein und auch die Verbraucher halten sich zurück. Immerhin verdienen die Unternehmen mehr Geld. Etwas freuen dürfte dies die Anleger.

Die US-Wirtschaft ist zu Jahresbeginn eingebrochen und macht eine frühe Zinswende unwahrscheinlicher. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte von Januar bis März auf das Jahr hochgerechnet um 0,7 Prozent, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Experten hatten diesen Rückgang weitgehend auf dem Zettel. Eine erste Schätzung hatte allerdings noch ein Plus von 0,2 Prozent ergeben. "Für Juni ist eine Erhöhung vom Tisch. Die Fed wird mehr Belege sehen wollen, dass die Konjunktur wieder auf den Pfad der Erholung zurückkehrt", sagte Commerzbank-Experte Christoph Balz voraus.

Heftige Schneefälle beeinträchtigten die Wirtschaft, die zusätzlich noch durch einen Streik von Hafenarbeitern an der Westküste belastet wurde. Zudem hemmte die Dollar-Stärke die Unternehmen, da sich dadurch US-Produkte auf den Weltmärkten verteuerten. Firmen wie Microsoft und Procter & Gamble haben bereits gewarnt, dass der Wechselkurs ihre Gewinne und Umsätze belastet.

Der starke Dollar spiegelte sich auch im Außenhandel nieder: Während die Exporte zu Jahresbeginn um 7,6 Prozent und damit noch stärker als zunächst geschätzt sanken, zogen die Importe mit 5,6 Prozent weit kräftiger an als erwartet. Der starke Greenback verteuert Verkäufe und macht Käufe - vor allem in der Eurozone - günstiger.

Aufschwung im zweiten Quartal

Im vierten Quartal war die US-Wirtschaft um 2,2 Prozent gewachsen. Im direkten Vergleich mit dem ersten Vierteljahr 2014, in dem das BIP mit 2,1 Prozent allerdings stark eingebrochen war, wuchs die US-Wirtschaft von Januar bis März um 2,7 Prozent.

Die Abschwächung der Wirtschaftsleistung, die von Ökonomen allerdings als vorübergehend angesehen wird, war die dritte, seitdem die US-Konjunktur nach der Finanz- und Wirtschaftskrise ab Mitte 2009 wieder auf Erholungskurs geschwenkt war.

Die Unternehmensgewinne erhöhten sich nach Steuern sowie ohne Lagerbewertung und Kapitalverbrauchanpassungen im Vergleich zum Vorquartal um 3,1 Prozent und auf Jahressicht sogar um 9,2 Prozent. Der private Konsum fiel mit einem Zuwachs von 1,8 Prozent relativ schwach aus. Noch Ende 2014 lag das Plus bei weit mehr als vier Prozent. Flaute herrschte bei den Investitionen. Sie verringerten sich im Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 2,8 Prozent. Das ist der kräftigste Rückgang seit 2009. Ein wichtiger Faktor für die Abwärtsrevision des Gesamt-BIP waren geringere Aufwendungen für die Aufstockung der Läger.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat angesichts der eintrübten Konjunkturlage signalisiert, dass sie die für dieses Jahr angepeilte Zinswende wohl noch nicht im Juni vollziehen wird. Sie hält den Leitzins seit Ende 2008 bei null bis 0,25 Prozent, um die Konjunktur anzukurbeln.

Experten rechnen damit, dass sich die Wirtschaft im zweiten Quartal mit einem Wachstum von zwei Prozent zurückmelden wird. Dennoch dürfte dies das schwächste erste Halbjahr seit 2011 werden.

Quelle: n-tv.de

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