Wirtschaft
Liegengeblieben: VW musste unter anderem den Verkauf von Passat-Diesel-Modellen in den USA stoppen.
Liegengeblieben: VW musste unter anderem den Verkauf von Passat-Diesel-Modellen in den USA stoppen.(Foto: REUTERS)

EPA überprüft weitere Hersteller: USA leiten offenbar Ermittlungen gegen VW ein

Der Skandal um gefälschte Abgas-Werte bei VW in den USA könnte den Konzern noch teurer zu stehen kommen als das kolportierte Milliarden-Bußgeld und in einem Strafprozess enden. Derweil scheint das Debakel am Ruf aller deutschen Autobauer zu kratzen.

Im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen haben die US-Behörden mehreren Medien zufolge strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Das berichtete unter anderem das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Kreise. Demnach leitet die Umweltabteilung des US-Justizministeriums die Ermittlungen. Das Ministerium und VW wollten sich bislang nicht zu den Berichten äußern. In Kriminalfällen können Ermittlungen in den USA Monate oder Jahre andauern, ergebnislos enden, aber auch zu heftigen Strafen führen.

Darüberhinaus kündigte die US-Umweltschutzbehörde EPA in Washington an, auch die Diesel-Fahrzeuge von anderen Autobauern unter die Lupe zu nehmen. Gemeinsam mit der kalifornischen Partnerbehörde Carb werde man die Modelle weiterer Hersteller auf mögliche "Abschalteinrichtungen" überprüfen, die den Schadstoffausstoß bei offiziellen Emissionstests verringern. Die Umweltschutzbehörde machte keine Angaben dazu, welche Autobauer betroffen sind.

Auch die deutschen Konzerne Daimler und BMW sind auf dem US-Markt mit Diesel-Fahrzeugen vertreten. Die Unternehmen hatten in den vergangenen Jahren die sogenannte "Clean Diesel"-Technologie als sparsame und umweltfreundliche Alternative präsentiert.

Eine nachträgliche Überprüfung des Schadstoffausstoßes von VW-Autos haben sowohl Deutschlands Verkehrsminister Dobrindt, als auch das südkoreanische Umweltministerium angekündigt. "Sollten die südkoreanischen Behörden Probleme in den VW-Diesel-Wagen finden, könnte die Untersuchung auf alle deutschen Diesel-Wagen ausgeweitet werden", sagte ein Ministeriumsvertreter.

"Wir haben Mist gebaut"

Der Sprecher des Auto Club Europa (ACE), Klaus-Michael Schaal, sagte, er halte es für sehr wahrscheinlich, dass die großen Hersteller auch in Deutschland spezielle Software eingesetzt haben, um die Klimabilanz zu beschönigen. Das habe mit den tatsächlichen Abgaswerten des Autos im Alltagsverkehr aber rein gar nichts mehr zu tun. "Das ist systematische Verbrauchertäuschung, die weit verbreitet ist und schon lange praktiziert wird." Der ACE bezieht sich mit seinen Vorwürfen auf eigene Studien.

In New York meldete sich der Amerika-Chef von VW, Michael Horn, zu Wort und entschudigte sich. "Wir waren unehrlich", sagte Horn bei der Präsentation eines neuen Passat-Modells in New York. "Wir waren unehrlich zur Umweltbehörde EPA, wir waren unehrlich zu den Behörden in Kalifornien und, am schlimmsten von allem, wir waren unehrlich zu unseren Kunden. Um es auf gut Deutsch zu sagen: Wir haben Mist gebaut."

Die Vorwürfe gegen Volkswagen und die Tochter Audi waren am Freitag öffentlich geworden. Nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA entwickelte Volkswagen eine Software, mit der Vorgaben zur Luftreinhaltung zwar bei Tests, nicht aber beim normalen Betrieb der Autos erfüllt wurden. Betroffen von den Manipulationsvorwürfen sind fast eine halbe Million Fahrzeuge. Dem Wolfsburger Konzern droht in den USA nun eine Milliardenstrafe.

Quelle: n-tv.de

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