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"VW braucht Neuanfang": VW-Chef Winterkorn tritt zurück

Nun also doch: Der Chef von Europas größtem Autohersteller Martin Winterkorn zieht die Konsequenzen aus dem Abgas-Skandal in den USA und gibt seinen Posten auf. Fehlverhalten bei sich sieht er nicht.

Wachwechsel bei Europas größtem Autobauer: Martin Winterkorn räumt angesichts der Manipulationen bei Diesel-Motoren als Konzernchef von Volkswagen seinen Stuhl. "Als Vorstandsvorsitzender übernehme ich die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren und habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit mir eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns zu treffen", wird er in einer Pressemitteilung zitiert. "Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin."

Winterkorn zeigte sich zudem "bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist" und "fassungslos" über die Tragweite der Verfehlungen. "Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell". Der 68-Jährige war durch den Abgas-Skandal in den USA in Bedrängnis gekommen.

Dank für "für überragende Leistungen"

Erklärung Martin Winterkorn

"Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren.

Als Vorstandsvorsitzender übernehme ich die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren und habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit mir eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns zu treffen. Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin.

Volkswagen braucht einen Neuanfang – auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei.

Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen. Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben.

Der eingeschlagene Weg der Aufklärung und Transparenz muss weitergehen. Nur so kann wieder Vertrauen entstehen. Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen Konzern und seine Mannschaft diese schwere Krise bewältigen werden."

Nach der Sitzung des Präsidiums sagte der kommissarische Vorsitzende des Kontrollgremiums, Bertold Huber, dass man die Vorgänge "mit größter Betroffenheit zur Kenntnis genommen" habe. Man sei sich nicht nur des "eingetretenen wirtschaftlichen Schadens bewusst, sondern vor allem auch des Vertrauensverlustes bei vielen Kunden von Volkswagen weltweit".

Das Präsidiums sei sich einig, dass die Vorgänge mit aller Entschiedenheit aufgeklärt und Verfehlungen geahndet werden müssen, sagte Huber weiter. Konzernchef Winterkorn habe angeboten, zurückzutreten. Diese Entscheidung habe man "mit großem Respekt entgegengenommen". Zugleich betonte auch Huber, dass Winterkorn "keine Kenntnisse hatte von der Manipulation von Abgaswerten". Dass er die Verantwortung übernehme, habe das Präsidium mit "größter Hochachtung zur Kenntnis genommen". In den kommenden Tagen würden zudem weitere personelle Konsequenzen erwartet.

Zugleich würdigte Huber den scheidenden Konzernchef. Winterkorn habe sich um Volkswagen "größte Verdienste erworben". Das Präsidium danke "für überragende Leistungen in den vergangenen Jahrzehnten" und seine Bereitschaft, nun Verantwortung zu übernehmen. Am Freitag will der Aufsichtsrat in seiner Sitzung über die Neubesetzung des Chefsessels beraten.

Niedersachsens Regierungschef und Aufsichtsratsmitglied Stephan Weil kündigte derweil an, dass das Gremium einen Sonderausschuss zur Aufklärung einsetzen werde. Zudem wird das Unternehmen Strafanzeige stellen.

Winterkorn hatte den Posten im Januar 2007 angetreten. Erst vor wenigen Monaten hatte er einen Machtkampf mit dem inzwischen als Chefaufseher zurückgetretenen Ferdinand Piech gewonnen. Am Freitag sollte eigentlich sein Vertrag als Vorstandschef verlängert werden. Winterkorn hatte in seiner Amtszeit den Wolfsburger Konzern mit den weltweit rund 600.000 Beschäftigten zur Nummer 1 auf dem globalen Automarkt geformt. Zuletzt hatten jedoch Absatzrückgänge in China dem Konzern zugesetzt.

n-tv sendet um 20.00 Uhr ein News-Spezial zum VW-Skandal.

Quelle: n-tv.de

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