Wirtschaft
Das Gesicht von Matthias Müller reicht als Aushängeschild und vertrauensbildende Maßnahme in den USA nicht aus.
Das Gesicht von Matthias Müller reicht als Aushängeschild und vertrauensbildende Maßnahme in den USA nicht aus.(Foto: picture alliance / dpa)

Daimler und Siemens als Modell: VW sucht Botschafter für die USA

Nach anhaltender Kritik aus den USA will Volkswagen einen Vermittler in der Abgasaffäre entsenden. Das Modell dazu liefern die Affären von Daimler und Siemens. Die US-Justiz warnt die Wolfsburger: "Unsere Geduld ist bald am Ende."

Volkswagen will nach übereinstimmenden Medienberichten eine angesehene Persönlichkeit engagieren, die den Konzern in den USA künftig bei Politik und Behörden vertritt und dort Türen öffnet. VW wolle damit nach den Abgas-Manipulationen verlorengegangenes Vertrauen auf einem der wichtigsten Absatzmärkte zurückgewinnen, berichten "Süddeutsche Zeitung", "NDR" und "WDR" unter Berufung auf Konzernkreise.

"Wir brauchen einen Außenposten in den USA", werde aus Konzernkreisen berichtet. Der Repräsentant soll den Neuanfang glaubwürdig verkörpern.

Die treibende Kraft hinter dem Plan sei die frühere SPD-Politikerin und Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt, die zu Jahresbeginn bei VW das neu geschaffene Vorstandsressort für Integrität und Recht übernahm. Die Juristin war zuvor in ähnlicher Funktion bei Daimler tätig gewesen und hatte dort geholfen, eine Schmiergeldaffäre zu bewältigen.

Daimler und Siemens als Blaupause

Der Stuttgarter Autokonzern hatte, ähnlich wie Siemens, weltweit Geschäftspartner und Regierungen bestochen, um so an lukrative Aufträge zu kommen. Genauso wie Siemens drohte Daimler, in den USA deshalb auf eine schwarze Liste gesetzt zu werden und einen der wichtigsten Märkte zu verlieren.

Beide Konzerne engagierten daraufhin angesehene Chef-Aufpasser, die von den US-Behörden akzeptiert wurden und darüber wachten, dass die Geschäfte nun sauber liefen. Siemens holte Ex-Finanzminister Theo Waigel, Daimler den Ex-Chef der US-Bundespolizei FBI, Louis Freeh. Waigel und Freeh durchleuchteten mit einem Stab von Experten Siemens und Daimler und bescheinigten den Konzernen, aufgeräumt zu haben. Die US-Behörden glaubten das. Beide Unternehmen kamen in Übersee ziemlich gut davon, nachdem zuerst horrende Strafzahlungen gedroht hatten.

Die Persönlichkeit, die in den USA helfen soll, ist nach Angaben aus Konzernkreisen nicht oder zumindest nicht in erster Linie als Chef-Aufpasser vorgesehen. Sondern eher als eine Art Außenminister, der Vertrauen schafft. Anfang der Woche hat das US-Justizministerium Volkswagen in einer Klage vorgeworfen, auch nach dem Bekanntwerden der Affäre im September die Ermittlungen gebremst und behindert zu haben.

US-Justiz: "Unsere Geduld mit Volkswagen ist bald am Ende"

Die Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten New York und Connecticut übten Ende der Woche erneut scharfe Kritik. Volkswagen verweigere die Herausgabe von E-Mails und anderen Dokumenten. Der Konzern berufe sich auf deutsches Datenschutzrecht, hieß es. Der Druck auf VW-Chef Matthias Müller steigt damit unmittelbar vor seiner USA-Reise.

"Unsere Geduld mit Volkswagen ist bald am Ende", erklärte New Yorks Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman. Die Zusammenarbeit des Autobauers bei der Aufklärung der Affäre sei "unregelmäßig". VW erscheine als Unternehmen, das die Wirklichkeit nicht wahrhaben wolle, anstatt seine "Kultur der Täuschung" hinter sich zu lassen.

Auch Connecticuts Generalstaatsanwalt George Jepsen kritisierte, dass Volkswagen sich "unter der Berufung auf deutsches Recht der Zusammenarbeit widersetzt". Es sei "frustrierend", dass der Konzern entgegen anderslautender öffentlicher Erklärungen die Ermittlungen blockiere. "Wir streben an, jedes uns zur Verfügung stehende Mittel anzuwenden, um eine gründliche Untersuchung des Verhaltens von Volkswagen durchzuführen."

Müller reist am Wochenende zur internationalen Automesse nach Detroit, wo er am Sonntagabend vor Journalisten sprechen will. Nach Angaben von VW sind keine weiteren öffentlichen Termine während des US-Besuchs geplant. Am Mittwoch will sich Müller mit der Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy, in Washington treffen. Volkswagen habe um das Gespräch gebeten, hatte die EPA am Donnerstag erklärt.

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Quelle: n-tv.de

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