Wirtschaft
Yanis Varoufakis.
Yanis Varoufakis.(Foto: REUTERS)

Per Knopfdruck zur Drachme: Varoufakis hatte einen Plan B

Von Jan Gänger

Um einen Grexit zu ermöglichen, hat die griechische Regierung Ex-Finanzminister Varoufakis zufolge an einem geheimen Plan gearbeitet. Mit der Hilfe eines Hackers einer US-Eliteuni sei ein paralleles Zahlungssystem aufgebaut worden.

Es klingt nach einem filmreifen B-Movie-Thriller: Der Finanzminister eines von äußeren Mächten kontrollierten Landes lässt einen Hacker in das eigene Computersystem eindringen, um auf Knopfdruck eine Parallelwährung einführen zu können – all das als Akt eines Freiheitskampfes. Was an das Drehbuch eines mäßig glaubwürdigen Wirtschaftskrimis erinnert, entspricht offenbar der Wirklichkeit.

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Zumindest stellt es Griechenlands ehemaliger Finanzminister Yanis Varoufakis so dar. Bei einer vertraulichen Telefonkonferenz mit Hedgefondsmanagern erzählte er Mitte des Monats, dass ein Fünf-Mann-Team unter seiner Führung monatelang an einem geheimen Plan gearbeitet habe, um notfalls ein paralleles Bankensystem einführen zu können. Das sollte Finanzgeschäfte ermöglichen, falls die Europäische Zentralbank die Nothilfen an die griechischen Banken einstellen würde und die Geldhäuser dann schließen müssten.

Der Zeitung "Kathimerini" waren Aufnahmen zugespielt worden. Sie veröffentlichte die Zitate, deren Echtheit Varoufakis später bestätigte – allerdings nicht, ohne der Zeitung Verleumdung vorzuwerfen. Den Mitschnitt des Gesprächs finden Sie hier.

"Eigenes System" gehackt

Bevor Alexis Tsipras im Januar die Wahlen gewann, "hat er mir grünes Licht gegeben, einen Plan B auszuarbeiten. Und ich stellte ein sehr fähiges Team zusammen", so Varoufakis gegenüber den Fondsmanagern. Es sei aus naheliegenden Gründen klein gewesen. Zu dem Team habe ein Freund aus Kindertagen gehört, der mittlerweile Informatik-Professor an der Columbia Universität sei. Dieser habe sich später Zugang zum Computersystem der Steuerverwaltung verschafft, das unter Kontrolle der Gläubiger gestanden habe. Ziel sei es gewesen, an die Steuerdaten griechischer Bürger und Unternehmen heranzukommen und diese für den Aufbau eines parallelen Zahlungssystems zu verwenden. Die Währung wäre weiterhin der Euro gewesen, so Varoufakis. Aber "per Knopfdruck" hätte man das System auf die Drachme umstellen können. Der stellvertretende griechische Finanzminister Dimitris Mardas sagte im griechischen Rundfunk, diese Pläne seien bei Sitzungen der griechischen Regierung nie zur Sprache gekommen.

"Wir haben also entschieden, in das Software-Programm meines eigenen Ministeriums einzudringen", sagte Varoufakis. "Sie dürfen das niemandem erzählen. Das bleibt völlig unter uns", wird der ehemalige Finanzminister zitiert. Auf den Hinweis, dass andere zuhören, aber nichts ihren Freunden weitererzählen würden, entgegnete Varoufakis dem Bericht zufolge lachend: "Ich weiß. Und selbst wenn sie es tun, würde ich dementieren, das gesagt zu haben."

"Ich habe Tsipras immer gesagt, dass das nicht einfach wird, aber der Preis sei, den man für die Freiheit bezahlen müsse", sagte Varoufakis nun dem "Telegraph". "Als die Zeit kam, merkte er, dass es einfach zu schwierig ist. Ich weiß nicht, wann er diese Entscheidung getroffen hat. Ich habe explizit in der Nacht des Referendums davon erfahren. Und das ist der Grund, warum ich meinen Rücktritt angeboten habe."

Neues Hilfsprogramm statt Grexit

Varoufakis trat nach dem Referendum zurück und Ministerpräsident Alexis Tsipras einigte sich mit den Gläubigern auf die Vorbedingungen, um über ein neues, 86 Milliarden Euro schweres Hilfsprogramm zu verhandeln. Das griechische Parlament hat die entsprechenden Gesetze im Eilverfahren verabschiedet.

Varoufakis sagte dem "Telegraph", er habe nicht von Anfang an darauf hingearbeitet, zur Drachme zurückzukehren. Er sei immer dagegen gewesen, den Euro zu demontieren, "weil wir nie wissen, welche dunklen Kräfte das in Europa entfesseln kann." Er warf Teilen der Medien vor, ihn dennoch des Verrats zu beschuldigen. "Das ist Teil des Versuchs, die ersten fünf Monate dieser Regierung auszumerzen und in den Papierkorb der Geschichte zu werfen."

Quelle: n-tv.de

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