Wirtschaft
Unflexible Banner-Werbung: Der Streik macht die Sicherheitsschleusen zum Nadelöhr.
Unflexible Banner-Werbung: Der Streik macht die Sicherheitsschleusen zum Nadelöhr.(Foto: dapd)

Airport-Chaos in HH und Köln/Bonn : Verdi legt Streikpause ein

Es ist nur eine Atempause, doch sie dürfte mehreren tausend Heimreisenden einen ungehinderten Flug ins Wochenende bahnen: Die Gewerkschaft Verdi setzt ihre Streikaktionen an den Flughäfen Hamburg und Köln/Bonn für zwei Tage aus.

Stumm erklärt die Streikweste den verwaiste Eindruck an der Durchleuchtungsanlage: Ohne Überprüfung darf kein Passagier ins Flugzeug.
Stumm erklärt die Streikweste den verwaiste Eindruck an der Durchleuchtungsanlage: Ohne Überprüfung darf kein Passagier ins Flugzeug.(Foto: dapd)

Vorläufige Entwarnung für Flugreisende: An den Flughäfen in Hamburg und Nordrhein-Westfalen wird am Wochenende nicht gestreikt. Der Ausstand der Sicherheitskräfte wird bis zum kommenden Montag ausgesetzt, teilte die Gewerkschaft Verdi mit.

Der Arbeitskampf habe in der breiten Öffentlichkeit viel bewegt, erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft. Jetzt sei es wichtig, den Druck auf die Ministerien und Fluggesellschaften auf Bundesebene zu erhöhen. Um diesen Gesprächen ausreichend Raum zu geben, würden die Streiks ausgesetzt. Womöglich will Verdi damit auch Rücksicht auf Reisende nehmen, die nach einer harten Arbeitswoche möglichst schnell nach Hause wollen.

Frustriert saßen in Hamburg und Köln/Bonn hunderte Passagiere fest. Von den in der Hansestadt ursprünglich geplanten 358 Starts und Landungen fielen im Lauf des Freitags 108 Abflüge und 30 Ankünfte komplett aus. Die beiden Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin sagten bereits im Vorfeld des Streiks viele Flüge ab - vor allem innerhalb Deutschlands. Eigentlich sollten in den 179 abfliegenden Maschinen mehr als 17.000 Menschen sitzen.

Wegen der eng verzahnten Flugpläne fielen wegen des Streiks nicht nur Starts, sondern auch Landungen aus. Einige Fluglinien nahmen angesichts der Engpässe an den Sicherheitsschleusen gleich ganze Flugpaare aus dem Programm. Emirates wollte ihre beiden Langstreckenflüge nach Dubai am Nachmittag und am Abend aber wie geplant abheben lassen.

Auch in Köln sah es für eilig Reisende schlecht aus: Mehr als die Hälfte der ursprünglich geplanten 200 Starts und Landungen mussten bis zum Nachmittag annuliert werden. Der Löwenanteil davon waren Abflüge. Die Passagierkontrolleure haben nach Angaben eines Sprechers nur eine von sonst üblich 12 Kontrollpunkten besetzt.

Die Fluggesellschaften hatten angesichts der Streikankündigung schon im Vorfeld für Freitag insgesamt mehr als 250 Verbindungen gestrichen. Trotz der frühzeitigen Streichung waren die Warteschlangen an den Terminals auch in Köln/Bonn lang. Zahlreiche Fluggäste erschienen wesentlich früher als üblich im Terminal , um ihre Flüge am Nachmittag oder Abend trotz langer Wartezeiten nicht zu verpassen.

"Es tut schon sehr weh"

Am Morgen hatten die Sicherheitskräfte den Flugbetrieb an den Flughäfen Hamburg und Köln/Bonn am Morgen fast komplett zum Erliegen gebracht. Die Mitarbeiter des privaten Sicherheitsgewerbes legten mit dem Schichtbeginn um 3.45 Uhr und 4.00 Uhr ihre Arbeit für den gesamten Tag nieder. Damit setzten sie den Streik vom Donnerstag fort, der in Hamburg und Düsseldorf für zigtausende Reisende zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt hatte.

Schon am frühen Morgen zeigten die Anzeigetafeln an beiden Flughäfen zahlreiche gestrichene Flüge ins In- und Ausland. An den Personenkontrollen bildeten sich lange Warteschlangen. In Hamburg waren zeitweise nur zwei der 20 Sicherheitsschleusen geöffnet. Auch in Köln/Bonn ließ der Arbeitskampf die Kontrollen zum Nadelöhr werden. Dort sei nur eine von etwa 15 Kontrollschleusen besetzt, hieß es.

"Es tut schon sehr weh. Ich verpasse meine Termine in Brüssel und kann vermutlich am Wochenende meine Kinder nicht sehen", sagte ein Hamburger auf dem Weg in die belgische Hauptstadt. "In meinen Augen sollten Kontrollen an Flughäfen nicht an private Unternehmen vergeben werden", sagte ein Urlauber auf dem Weg ins spanische Malaga. Viele Fluggäste stellten sich am Morgen auf lange Wartezeiten ein und kamen schon Stunden vor dem geplanten Abflug, um ihr Ziel vielleicht trotz der Arbeitsniederlegungen zu erreichen.

Am Donnerstag waren an den Flughäfen in Düsseldorf und Hamburg zehntausende Fluggäste in Mitleidenschaft gezogen worden. In der Hansestadt wurde jeder zweite, in der Rheinmetropole jeder dritte Flug gestrichen.

Tarifparteien weit auseinander

Mit dem Streik will die Gewerkschaft Verdi in dem festgefahrenen Tarifstreit ein neues Angebot der Arbeitgeber erzwingen. Sie fordert 30 Prozent mehr Lohn für das private Sicherheitspersonal. Verdi will für die 600 Mitarbeiter der Personenkontrollen einen Stundenlohn von 14,50 Euro erstreiten. Die im Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) organisierten Arbeitgeber bieten bisher ein Plus von bis zu neun Prozent auf 12,75 Euro

Bereits im Januar war es zu Streiks in Düsseldorf, Köln/Bonn und Hamburg gekommen. In der Zwischenzeit waren Sondierungsgespräche erfolglos verlaufen. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld an dem Arbeitskampf.

DGB-Chef unterstützt Streikende

Der Vorsitzendende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, verteidigte die Streiks. "Die Fluggäste täten gut daran, diesen Arbeitskampf nicht als Belastung, sondern als Hilferuf zu verstehen. Es liegt auch in ihrem Interesse, dass Beschäftigte, die für ihre Sicherheit zuständig sind, anständig bezahlt werden", sagte der Sommer der "Schwäbischen Zeitung".

Alle Passagiere müssten sich darauf verlassen können, "dass gut bezahlte und hochmotivierte Mitarbeiter an den Flughäfen für ihre Sicherheit sorgen". Es sei unmöglich, wenn Beschäftigte an solchen sensiblen Stellen mit "Hungerlöhnen" abgespeist werden.

Welcher Flieger fliegt?

Flugreisende sollten sich weiterhin frühzeitig mit ihrer Fluggesellschaft oder ihrem Reiseveranstalter in Verbindung setzen und sich möglichst vor der Anfahrt zum Flughafen über den Status ihrer Reiseverbindung informieren.

Der Flughafen Köln/Bonn ist unter der Flughafen-Hotline 02203 - 40-4001 zu erreichen. Eine Übersicht über startende und annullierte Verbindungen ab "Köln Bonn Airport" findet sich hier.

"Passagiere werden gebeten, sich vor der Anreise zum Flughafen bei ihren Airlines über ihre Flugdaten zu erkundigen", rät der Flughafenbetreiber in Köln/Bonn. Die Fluggesellschaften Germanwings, Lufthansa und Airberlin hätten bereits "veränderte Flugpläne" veröffentlicht.

Für Passagiere ab Hamburg hält der Betreiber eine "Airline Liste" mit Kontaktdaten aller dort aktiven Fluggesellschaften im Internet bereit. Die Hamburger Flughafenauskunft ist unter der Rufnummer 040 - 5075-0 zu erreichen. Die Übersicht über die abgehenden Flugverbindungen ab Hamburg finden Sie hier.

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Quelle: n-tv.de

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