Wirtschaft
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Daumenschraube Garantiezins: Versicherer bitten um Atempause

Die bereits seit Jahren andauernde Phase niedriger Zinsen setzt den Versicherern zu. Nun sollen ein gutes Dutzend von ihnen bei der Finanzaufsicht um Ausnahmen bei den vorgeschriebenen Gewinnrücklagen. Kunden sollen dies nicht zu spüren bekommen. Doch die Assekuranzen haben bereits eine andere Lücke entdeckt.

Die Lebensversicherer kostet die Zahlung der Garantie-Zinsen immer mehr Kraft. Seit Jahren mühen sich die Unternehmen, die Summen zu erwirtschaften. Nun haben einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge einige Assekuranzen bei der Finanzaufsicht BaFin vorgesprochen. In einem Brief bitten mehr als zehn Gesellschaften, Ausnahmen bei den Vorschriften zu Gewinnrücklagen. Sie wollen für ihre Kunden vorübergehend weniger vom Überschuss zurücklegen müssen. Die BaFin wollte der Zeitung die Zahl nicht bestätigen.

Mit diesem Schritt wollen sich die Versicherer für eine gewisse Zeit Luft verschaffen. Denn Lebensversicherer haben angesichts der langen Niedrig-Zinsphase Probleme, die Zuführungen aus den normalen Kapitalerträgen zu verdienen. Nun wollen sie für einen überschaubaren Zeitraum nicht länger 75 oder 90 Prozent für ihre Kunden reservieren.

Die Finanzaufsicht kann auf Antrag der Gesellschaften die Mindestzuführung aussetzen. Die Bundesregierung hatte die Branche 2010 verpflichtet, eine Reserve für die hohen Garantien aufzubauen. Im vergangenen Jahr mussten die Gesellschaften laut dem Bericht dazu mehr als fünf Milliarden Euro stellen. In diesem Jahr sollen es noch einmal vier Milliarden Euro sein.

Einige Versicherer kürzen Schlussüberschuss

Vor allem Unternehmen mit vergleichsweise schwachen Kapitalerträgen seien betroffen und richteten sich nun an die Aufsicht, heiße es in Branchenkreisen. Die Marktführer seien nicht dabei. Aus dem Umfeld der Behörde ist laut der Zeitung zu vernehmen, dass die Aussetzung der Mindestzuführungsverordnung ein erprobtes Mittel sei, um kurzfristige Probleme zu überwinden. Den Kunden werde kein Schaden zugefügt.

Sorgen machen den Versicheren vor allem die vielen Verträge mit Garantiezinsen zwischen 3,5 und 4 Prozent aus den 90er Jahren. Damals allerdings erwirtschafteten die Unternehmen Nettorenditen von bis zu sieben Prozent. Inzwischen aber sei das Undenkbare eingetreten: Die Versicherer könnten die erforderlichen Summen nur schwer verdienen.

Angesichts dessen weigerten sich immer mehr Versicherer, Kunden mit einer Zinsgarantie von vier Prozent bei Fälligkeit die sogenannte Schlussüberschussanteile auszuzahlen, hieß es. Denn die seien ja nicht verbindlich zugesagt.

Quelle: n-tv.de

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