Wirtschaft
Unglaubliches Staunen an der Nyse
Unglaubliches Staunen an der Nyse(Foto: REUTERS)

Computerpanne treibt Umsätze hoch: Wall-Street-Kurse spielen verrückt

Horrend hohe Umsätze bei einzelnen Aktien an der New Yorker Börse Nyse schrecken Börsianer auf. Weil der automatische Handel eines Finanzdienstleisters aus dem Ruder läuft, werden bei ihnen innerhalb von 45 Minuten so viele Aktien gehandelt wie sonst an einem ganzen Tag. Erinnerungen an den "Flash Crash" werden wach.

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Erneut haben technische Probleme an der New Yorker Aktienbörse die Anleger aufgeschreckt und Fragen zur Zuverlässigkeit der Systeme aufgeworfen. Über viele Minuten hinweg gab es an der New York Stock Exchange (Nyse) extrem hohe Umsätze und heftige Preisschwankungen bei zahlreichen Aktien. Der normale Handel war zeitweise gestört, eine Handvoll Papiere wurden ausgesetzt. Insgesamt könnten knapp 150 Titel betroffen sein.

"Es war bizarr", sagte Stephen Massocca vom Handelshaus Wedbush Morgan. "Es ging drunter und drüber." Die Ursache war zunächst unklar, dann aber räumte der Finanzdienstleister Knight Capital  Probleme bei seinen computergestützten Systemen ein. Knight-Aktien verloren daraufhin ein Viertel an Wert.

Von Bats bis Facebook

Damit stehen nun zum vierten Mal technische Probleme an den Börsen im Blickpunkt: Im Mai hatte es gravierende Pannen im Handelssystem der Nasdaq beim Börsengang von Facebook gegeben. Das hatte den beteiligten Firmen Millionen-Verluste eingebrockt. Die Nasdaq streitet derzeit mit ihnen über den Schadenersatz.

Der Börsengang der drittgrößten US-Börse Bats Global Markets Ende März endete mit einem kompletten Fiasko, als die Aktien auf dem Handelssystem der Bats binnen Minuten von 16 Dollar auf unter 1 Cent rauschten. Ursache war eine neue Software. Bats machte die irrtümlichen Handelsgeschäfte des Tages rückgängig - und seinen eigenen Börsengang gleich dazu.

"Flash Crash"

Schon davor hatte es Kritik gegeben an den immer schnelleren Börsengeschäften über Computersysteme. Die Tücken dieses sogenannten Hochfrequenz-Handels (HFT) gelten auch als Ursache des "Flash Crash" an der Wall Street, als sich im Mai 2010 durch einen blitzartigen Kurseinbruch aus heiterem Himmel binnen Minuten fast eine Billion Dollar Marktwert in Luft auflöste.

Der Börsianer Massocca sagte, der Vorfall bei der Nyse habe den gesamten normalen Handel in Mitleidenschaft gezogen. Die aktuellen Konjunkturdaten gingen in dem Trubel beinahe unter.

Nyse untersucht

Die Börse selbst erklärte, sie prüfe den Handel mit den Aktien von 148 gelisteten Firmen in den ersten 45 Handelsminuten. Auch Knight Capital erklärte, etwa 150 Titel seien betroffen. Knight gehört zu den größten sogenannten Market Makern an der Wall Street. Diese stehen zum Kauf und Verkauf von Aktien zu den auf der Kurstafel genannten Preisen bereit und sichern damit die Liquidität des Marktes.

Der heftige Handel führte zur Handelsaussetzung der fünf Werte Corelogic, China Cord Blood, Kronos Worlwide, Trinity Industries und Molycorp. Bei Molycorp etwa wechselten in den ersten 45 Handelsminuten mehr als 5,7 Millionen Aktien den Besitzer - üblich ist bei dem Wert ein Umsatz am gesamten Tag von 2,65 Millionen.

Die großen Indizes Dow Jones und Nasdaq selbst waren davon wenig betroffen und notierten bis zur Fed-Entscheidung wenig verändert.  

Quelle: n-tv.de

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