Wirtschaft
Der Börsencrash im Sommer 2011 hat kräftig am Geldvermögen der Deutschen genagt.
Der Börsencrash im Sommer 2011 hat kräftig am Geldvermögen der Deutschen genagt.(Foto: picture alliance / dpa)

Börsianer ignorieren Risiken: Wann kommt der Crash?

Ein Gastbeitrag von Michael Wittek, Albrecht Kitta & Co.

Die Aktienkurse bewegen sich auf Rekordniveau, obwohl Griechenland faktisch pleite ist und im Nahen Osten ein weiterer Konflikt eskaliert. Der Ölpreis steigt, der US-Leitzins eventuell auch schon bald. Anleger sollten ihr Depot absichern.

Das Angstbarometer VDax-New hat in den vergangenen Tagen zumindest ein wenig nach oben gezuckt. Nach dem Tief von weniger als 17 Punkten Ende Februar notiert das Risikobarometer mittlerweile mehr als 20 Prozent höher. Der VDax-New errechnet sich aus den in den kommenden 30 Tagen erwarteten Schwankungen der Dax-Werte und spiegelt damit die Entspanntheit oder Nervosität der Anleger wider. Der Wert von aktuell knapp 21 Zählern signalisiert: Die Investoren sind nicht mehr ganz so relaxed wie noch vor wenigen Wochen – echte Risiken befürchten sie allerdings nicht.

Ganz so heil, wie die Börsianer die Welt sehen, ist sie jedoch nicht. Im Jemen droht der Stellvertreterkrieg zwischen den untereinander verhassten Sunniten (vor allem Saudi-Arabien) und Schiiten (vor allem Iran), zu eskalieren. Der Ölpreis der Sorte Brent hat bereits mit einem Anstieg von rund 20 Prozent reagiert. In der Ukraine hat sich der Bürgerkrieg zwar zuletzt etwas beruhigt, befriedet ist das Land aber nicht. Die Ukraine ist immerhin ein Nachbar des EU- und Nato-Mitglieds Polen.

Im Schnitt alle viereinhalb Jahre ein Börsenkrach

Michael Wittek, Direktor Portfoliomanagement, ist bei Albrecht, Kitta & Co. u.a. für die Anlagestrategie der Vermögensverwaltung und Selektion von Aktientiteln verantwortlich.
Michael Wittek, Direktor Portfoliomanagement, ist bei Albrecht, Kitta & Co. u.a. für die Anlagestrategie der Vermögensverwaltung und Selektion von Aktientiteln verantwortlich.

Ein Grexit oder Graccident gilt zwar offiziell als weitgehend abgewendet. Trotzdem ist das Land offenbar absolut reformunfähig und faktisch zahlungsunfähig. Wenn die Steuerzahler in den anderen Euroländern realisieren, welche Summen sie für die Insolvenzverschleppung Athens zahlen, droht eine Radikalisierung der politischen Landschaft. Gleichzeitig wächst die Wirtschaft in der Eurozone noch immer sehr schleppend. Und mit den rekordtiefen Zinsen könnte es schon bald vorbei sein. Die US-Notenbank Fed könnte ihren Leitsatz schon im Juni das erste Mal nach rund neun Jahren wieder anheben.

Die Aktienmärkte schert das bisher wenig. Der Dow Jones notiert gerade einmal gut drei Prozent unter seinem Allzeithoch. Der Dax ist seit Mitte Oktober um 40 Prozent nach oben geschossen und ist sogar nur ein Prozent von einem neuen Rekordhoch entfernt. Noch werden die Kurse vor allem durch die Papiergeld-Flut der Notenbanken getrieben.

Aber die Börse ist keine Einbahnstraße. Wir haben alleine in den vergangenen 14 Jahren drei schwere Crashs an den Aktienmärkten erlebt. Von 2000 bis 2003 platzte die Technologie-Medien-Telekom-Blase. Nur vier Jahre später sorgte die weltweite Wirtsschafts- und Finanzkrise für heftige Kurseinbrüche. Und im Herbst 2011 ließen die verschiedenen bis heute ungelösten Schuldenkrisen die Aktienmärkte beben. Im Durchschnitt gab es also alle viereinhalb Jahre einen Börsencrash. So gesehen, wären die Aktienmärkte eigentlich wieder einmal reif.

Crash unwahrscheinlich …

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Das Problem ist, dass sich Crashs an den Finanzmärkten grundsätzlich nicht vorhersagen lassen. Häufig sind es plötzliche exogene Schocks, die die Kurseinbrüche auslösen. Solange die Notenbanken das Finanzsystem mit ausreichend Liquidität versorgen und ihre Zinspolitik am Wirtschaftswachstum ausrichten, halten wir ein Crashszenario jedoch derzeit für eher unwahrscheinlich.

Dazu kommt, dass Aktien im Vergleich zu Anleihen noch immer preiswert sind. Gemessen an den für 2015 erwarteten Unternehmensgewinnen kommt der Dax auf ein KGV von 16. Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentieren zurzeit mit 0,21 Prozent. Das entsprechende KGV beträgt somit mehr als 450. Bundesanleihen mit Laufzeiten von sieben oder weniger Jahren rentieren sogar im negativen Bereich. Hier lässt sich nicht einmal ein KGV berechnen.

… Korrektur aber durchaus möglich

Allerdings sind die Aktien seit 2011 deutlich stärker als die Unternehmensgewinne gestiegen. Die Bewertungen haben sich ausgeweitet. Das derzeitige Dax-KGV liegt mit 16 deutlich über dem historischen Durchschnitt und ist ambitioniert. In den USA kommen die Aktien auf noch spürbar höhere Bewertungen. Einen Crash von mehr als 25 Prozent sehen wir zwar nicht. Der Markt ist mittlerweile jedoch anfällig für Korrekturen geworden. Mögliche Auslöser gibt es wie erwähnt genug. Anleger sollten also spätestens, wenn die Volatilitäten – gemessen am VDax-New – stärker anspringen, ihr Aktiendepot absichern.

Für strategische Investoren mit langem Zeithorizont besteht die Absicherung meistens darin, die Anlagen über verschiedene Regionen und Anlageklassen breit zu streuen.

Taktiker, die auch auf kurzfristige Entwicklungen setzen, passen dagegen ihre Aktienquote den Marktgegebenheiten an. Nach dem Motto "Durch Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden" verkaufen sie also kurzerhand einen Teil ihrer Aktien. Dabei empfiehlt es sich, feste Stopp-Marken zu setzen und diese auch konsequent zu beachten. Erfahrungsgemäß beruht der Erfolg an der Börse maßgeblich auf dem Begrenzen von Verlusten.

Short-ETFs sparen Bankgebühren

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Aktienverkäufe führen allerdings regelmäßig dazu, dass eine zuvor austarierte Depotstruktur in Mitleidenschaft gezogen wird. Außerdem fallen beim Verkauf und möglicherweise späteren Rückkauf Bankgebühren an. Alternativ bietet sich der Erwerb eines Short-ETFs zum Beispiel auf den Dax an. Ein solcher Indexfonds bewegt sich weitgehend eins zu eins in gegenläufiger Richtung wie der entsprechende Index.

Fällt der Dax beispielsweise um ein Prozent, so steigt der Short-ETF auf den Dax entsprechend um rund ein Prozent. Umgekehrt fällt der Indexfonds aber auch, wenn der zugrundeliegende Index steigt. Konkret lässt sich der Dax zum Beispiel durch den Short-Dax ETF von db x-trackers (WKN DBX1DS) absichern. Generell sind Short-ETFs sehr liquide handelbar und haben kein Fälligkeitsdatum. Zudem fallen die Kosten günstig aus. Allerdings erfordert diese Absicherungsstrategie einen vergleichsweise hohen Kapitaleinsatz. Um 10.000 in den Dax investierte Euro zu 100 Prozent abzusichern, müssen sich Anleger mit weiteren 10.000 Euro in einem Short-ETF auf den Dax engagieren.

Absicherungsstrategie mit Put-Optionsscheinen

Investoren können den Kapitaleinsatz aber durch gehebelte Varianten optimieren. Der Short-Dax  x2 (WKN DBX0BY) bewegt sich beispielsweise doppelt so stark in entgegengesetzter Richtung wie der Dax. Dieser ETF stammt ebenfalls von db x-trackers.

Mit deutlich weniger Kapitaleinsatz lässt sich eine Absicherungsstrategie mit Put-Optionsscheinen umsetzen. Hierbei handelt es sich faktisch um eine Versicherung, für die der Anleger eine Prämie zahlt. Wenn die Risiken gering scheinen, also die Schwankungsbreite an den Aktienmärkten niedrig ist, fallen vergleichsweise geringe Kosten an. Zwar ist die Volatilität zuletzt gestiegen, im historischen Vergleich ist sie aber noch immer gering. Im Gegensatz zu Short-ETFs laufen Optionsscheine aber zu einem festgelegten Termin aus. Der Einsatz von Optionsscheinen setzt außerdem bei der depotführenden Bank die Termingeschäftsfähigkeit voraus.

Natürlich lassen sich die hier vorgestellten Absicherungsstrategien auch miteinander kombinieren. Es wird dann allerdings schnell komplex. Doch gerade in unruhigen Zeiten rechnet sich der finanzielle und zeitliche Aufwand von Absicherungsstrategien.

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Quelle: n-tv.de

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