Wirtschaft
Auch der neue saudische König Salman wird wohl an der Strategie des billigen Öls festhalten.
Auch der neue saudische König Salman wird wohl an der Strategie des billigen Öls festhalten.(Foto: picture alliance / dpa)

Machtwechsel in Riad: Warum Öl nach Abdullahs Tod billig bleibt

Von Hannes Vogel

König Abdullah von Saudi-Arabien ist tot, sein Bruder Salman folgt ihm nach. Für den Westen bedeutet das: Öl wird vorerst weiter billig bleiben. Denn das erzkonservative Königreich hat einfach zu viele Probleme.

König Abdallah von Saudi-Arabien ist tot. Nachfolger des greisen Regenten wird sein Bruder Salman. Nach dem Tod herrscht Nervosität am Ölmarkt, die Preise legen leicht zu. Die Händler fragen sich, was der Machtwechsel für die saudische Ölpolitik bedeutet. Vieles spricht dafür, dass Salman die langfristige Strategie seines verstorbenen Bruders fortsetzt und Öl billig bleibt. Mittelfristig könnten die Preise aber wieder anziehen.

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Dank des weltweiten Überangebots ist der Ölpreis um rund die Hälfte auf inzwischen unter 50 Dollar eingebrochen. Trotzdem haben die Saudis als größtes Förderland der Welt ihre Produktion nicht gedrosselt, um den Preisverfall zu stoppen. Denn sie führen gerade ein Fernduell mit der US-Ölindustrie. Dort wird das schwarze Gold mit der umstrittenen Fracking-Methode gefördert, bei der Chemikalien, Wasser und Sand unter hohem Druck in die Erde gepresst werden. Bisher kaum zugängliche Lagerstätten werden so geknackt und erschließbar.

Die Fracking-Revolution hat die Gewichte auf dem Ölmarkt verschoben. Die Saudis versuchen, ihre neuen US-Konkurrenten mit fallenden Preisen aus dem Markt zu drängen. Denn ab einem Preis von 50 Dollar rentiert sich die aufwendige US-Förderung kaum noch. Die ersten Fracking-Anbieter sind schon pleite. Die Saudis  können den Preisverfall einfacher aussitzen, weil sie riesige Reserven haben und viel billiger produzieren.

"Pumpt sie zu Tode"

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König Abdullah galt als Architekt der Strategie, die Öl-Produktion trotz des Preisrutsches hoch zu halten und damit die Konkurrenz zu Tode zu pumpen. Auch sein Nachfolger Salman dürfte daran festhalten. "Sie müssen sicher gehen, dass sie einen ausreichend großen Marktanteil besitzen, nicht nur morgen, sondern auch 2040 und 2060 und darüber hinaus, um Nachhaltigkeit sicherzustellen", sagt Sarah Emerson vom Marktforscher ESAI Energy LLC in Boston. "Ich erwarte keine bedeutende Änderung in der Ölpolitik Saudi-Arabiens", sagte auch IEA-Chefökonom Fatih Birol.

König Salman hat in seiner ersten TV-Ansprache bereits angekündigt, die Politik seiner Vorgänger fortzusetzen. Ein ruhiger Machtwechsel ist überlebenswichtig: Rivalitäten könnten das Königreich destabilisieren und Feinde ermutigen. Deshalb ist Stabilität für die greise Wüsten-Monarchie jetzt das oberste Gebot. König Salman dürfte deshalb kurzfristig keine drastischen Richtungswechsel vornehmen und die Ölförderquoten unangetastet lassen.

Denn Saudi-Arabien ist von vielen Seiten bedroht: Im Norden wird ISIS im Irak immer stärker und schickt sich an, in der saudischen Grenzregion Fuß zu fassen. Im Süden droht der Jemen auseinanderzufallen, Rebellen haben den Präsidentenpalast erobert. Das Königshaus lässt deshalb nichts anbrennen: König Salman ernannte sofort nach dem Tod Abdullahs Innenminister Prinz Mohammed bin Naif zum neuen stellvertretenden Kronprinzen.

Steigende Preise sind noch fern

Die Nachfolgefrage scheint damit vorerst gelöst. Bisher war nicht klar, wer König wird, wenn nach Salman und seinem designierten Nachfolger Mukrin der letzte der 35 greisen Söhne des Staatsgründers Abdul Aziz Ibn Saud tot ist. Hunderte Enkel rangeln um den Anspruch, die Königfamilie ist in rivalisierende Clans gespalten. Mit Mohammed bin Naif rückt erstmals ein Enkel aus der nächsten Generation in die Thronfolge auf.

Dass Salman die Ölpolitik entscheidend verändert, ist auch deshalb unwahrscheinlich, weil er nur kurz regieren könnte. Der neue König ist bereits 79 und soll angeblich dement sein oder an Parkinson leiden. Bei seinem ersten TV-Auftritt sprach er atemlos mit schwacher Stimme und war nur schwer zu verstehen.

Mittelfristig könnten aber sowohl Salman als auch einer seiner Nachfolger gezwungen sein, die Ölproduktion zu drosseln und den Preis wieder steigen zu lassen. Denn der Staatshaushalt des Königreichs hängt von den Öleinnahmen ab. Und je mehr der Preis fällt, desto weniger Geld hat der saudische König in der Kasse, um damit den Hof zu alimentieren, seine Unterstützer zu bedienen und die Bevölkerung mit Sozialgeschenken ruhig zu stellen.

Fast die Hälfte der Ausgaben des Königreichs gehen für Löhne und Unterhalt drauf. Für 2015 rechnet das Land mit einem Defizit von 39 Milliarden Dollar, so viel wie noch nie. Irgendwann braucht selbst der König von Saudi-Arabien frisches Geld, um damit seine Macht zu sichern. Doch bis er wieder auf steigende Ölpreise setzt, dauert es wohl noch eine ganze Weile.  

Quelle: n-tv.de

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