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Möglicherweise wird der 500-Euro-Schein abgeschafft.
Möglicherweise wird der 500-Euro-Schein abgeschafft.(Foto: picture alliance / dpa)

Geldschein unter Terrorverdacht: Was hat die EZB gegen den 500er?

Die Europäische Zentralbank möchte den 500-Euro-Schein gerne abschaffen. Diese Idee stößt bei vielen Deutschen auf wenig Gegenliebe. Sie fragen sich, was die Zentralbanker da reitet. Hier finden Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Was plant die EZB?
Die Europäische Zentralbank prüft die Zukunft großer Euro-Scheine. EZB-Präsident Mario Draghi sagte Abgeordneten des EU-Parlaments, das EZB-Direktorium beschäftige sich seit geraumer Zeit mit dem Thema, und es gebe technische Arbeiten. "Wir wollen Änderungen vornehmen, aber wir wollen sie in einer ordentlichen Weise". Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Die Zentralbank begründet die Überlegungen mit dem Kampf gegen die organisierte Kriminalität und den Terrorismus.

Kann die EZB den Schein einfach abschaffen?
Ja. Einen solchen Beschluss müsste der EZB-Rat treffen, in dem auch die Gouverneure der 19 nationalen Notenbanken sitzen.

Wie viele 500er sind im Umlauf?
Die Zahl der im volkswirtschaftlichen Alltag selten benötigten 500-Euro-Scheine ist erstaunlich hoch. Nach Angaben der EU-Polizeibehörde Europol machten diese Banknoten Ende 2014 allein etwa ein Drittel des Gesamtwerts aller ausgegebenen Euro-Geldscheine aus. Das waren grob 300 Milliarden Euro. Es stelle sich die Frage, wofür diese Geldscheine eigentlich benötigt würden, schrieb die Polizeibehörde in ihrer Analyse vom vergangenen Juli. Sie seien kein übliches Zahlungsmittel, viele Bürger hätten sie noch nie gesehen.

Hilft Bargeld Kriminellen?
Bargeld sei weiterhin eines der gängigsten Geldwäscheinstrumente in fast allen Bereichen organisierter Kriminalität, so Europol. Diese laufe weiter "in überwältigendem Maße traditionell". Soll heißen: Praktisch alle Verbrechernetzwerke benutzen Bargeld, um die Herkunft ihrer Einnahmen zu verschleiern, diese – auch über Landesgrenzen – zu transportieren und in die legalen Wirtschafts- und Finanzkreisläufe einzuspeisen. Bargeld ist anonym, kann blitzschnell den Besitzer wechseln und lässt sich kaum zurückverfolgen.

Um was für ein Volumen handelt es sich?
Der Wert der dabei bewegten Gelder lässt sich mangels verlässlicher Informationen nur erahnen, dürfte aber riesig sein. Die Schätzungen bewegen sich nach Angaben der auf die Bekämpfung von Geldwäsche spezialisierten Financial Action Task Force (FATC) - einer von diversen Regierungen gegründeten internationalen Fach-Organisation - weltweit zwischen einigen hundert Milliarden und einer Billion US-Dollar beziehungsweise Euro pro Jahr.

Würden Kriminelle nicht auf andere Banknoten ausweichen?
Das wäre zumindest unpraktischer. Wer illegale Einnahmen schmuggeln oder aus Geldwäschegründen ein Haus in bar kauft, nutzt gerne möglichst große Scheine. Eine Million Euro in 500-Euro-Scheinen wiegt etwa 2,2 Kilogramm und passt in eine Notebooktasche - die gleiche Summe in 50-Euro-Noten bringt es auf 22 Kilo und füllt eine Sporttasche.

Sind andere Währungen eine Alternative zum 500er?
Vergleichbare Banknoten in anderen weltweit anerkannten harten Währungen wie dem US-Dollar oder dem britischen Pfund existieren nicht - mit Ausnahme des Schweizer Frankens . In Großbritannien, wo der 500-Euro-Schein von Wechselstuben und Banken nicht mehr ausgegeben wird, soll es unter Geldwäschern sogar einen regelrechten Schwarzmarkt für die begehrte Note geben. "Schlupflöcher - auch in anderen Ländern - wird es immer geben", sagt Oliver Hommel, Zahlungsverkehrsexperte bei der Beratungsgesellschaft Accenture. "Wenn Löcher in Deutschland geschlossen werden, sind sie noch nicht weltweit geschlossen." Notwendig wäre zumindest eine einheitliche europäische Lösung - und selbst dann könnten Kriminelle ausweichen. "Wir sehen, dass digitale Währungen wie Bitcoins im Bereich der organisierten Kriminalität mittlerweile eine gewisse Rolle spielen - auch weil diese sich im Augenblick einer effektiven staatlichen Aufsicht entziehen", sagt Hommel.

Wird die Wirkung eines Verbots überschätzt?
Wunderdinge im Kampf gegen die organisierte Kriminalität würde ein Verbot wohl nicht bewirken. Fachleute sprechen eher von einem "Mosaikstein". Notenbanken waren bislang ohnehin skeptisch. Verbrecher seien ja nicht zwingend auf derart große Scheine angewiesen, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Das zeige der Blick in die USA, wo es nichts oberhalb des 100-Dollar-Scheins gebe. "Mir ist aber nicht bekannt, dass es in den USA deshalb weniger Kriminalität gäbe als bei uns."

Was spricht gegen die Abschaffung?
"Der Einstieg in den Ausstieg vom Bargeld öffnet das Tor für eine absolute Kontrolle der Verbraucherinnen und Verbraucher", warnt Deutschlands oberster Verbraucherschützer, Klaus Müller. "Wer kauft wann, was, zu welchem Preis, an welchem Ort? In Zeiten von Big Data gibt es keinen besseren Datenschutz als bares Geld."

Was sagt der Bundesbank-Präsident?
"Es wäre fatal, wenn die Bürger den Eindruck bekämen, dass ihnen das Bargeld nach und nach entzogen wird", sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann der "Bild"-Zeitung. Zuvor hatte er in der "FAZ" betont: "Glauben Sie, dass kriminelle Handlungen deshalb unterbleiben, weil es den 500-Euro-Schein nicht mehr gibt? Inwieweit ein Verbot von größeren Bargeld-Transaktionen illegale Aktivitäten unterbindet, ist ebenfalls eine offene Frage."

Quelle: n-tv.de

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