Wirtschaft
Weltbild-Filiale: Zu den Branchenproblemen kommen hausgemachte hinzu.
Weltbild-Filiale: Zu den Branchenproblemen kommen hausgemachte hinzu.(Foto: dapd)

Katholische Kirche hat genug vom Buchhändler: Weltbild wankt der Insolvenz entgegen

Von Samira Lazarovic

Die katholische Kirche will angeblich kein Geld mehr in ihren Verlag Weltbild stecken. Nicht nur der Umbau zum Onlinegeschäft, auch die Änderung des Programms von Erotik- und Esoterikliteratur hin zu einem Angebot, das dem - pardon – "Weltbild" der Kirche besser entspricht, scheint gescheitert.

Schon öfter schien das Ende des von der katholischen Kirche getragenen Buchhändlers Weltbild eingeläutet zu sein - doch diesmal scheint es ernst zu werden für die 6300 Mitarbeiter. Wie "Handelsblatt Online" aus Kirchenkreisen berichtet, konnten sich Vertreter der katholischen Kirche in der Nacht zum Freitag nicht auf eine weitere Finanzierung des defizitären Verlages verständigen. Wird nicht eine schnelle Lösung gefunden, müsste die Augsburger Verlagsgruppe demnach einen offiziellen Insolvenzantrag stellen.

Es gibt mehrere Gründe für die finanzielle Schieflage des Verlages, der 2012 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftete. Zum einen ist da die Übermacht von Online-Händler Amazon, gegen den auch andere Verlage nur schwer ankommen. Weltbild muss sich jedoch nicht nur um den Online-Handel, sondern auch noch um gut 300 Läden in Einkaufsstraßen kümmern und hat auch noch ein kostenintensives Kataloggeschäft. Der Umbau des Unternehmens zum reinen Online- und Digitalgeschäft führe zu einer vorübergehenden Verlustsituation, räumte eine Sprecherin des Verlags im Herbst 2013 ein, als zuletzt Insolvenzgerüchte dementiert werden mussten. "Die Parallelität von Rückbau einerseits und Neuaufbau andererseits stellt in seiner Dimension eine enorme Herausforderung und Anstrengung dar."

Fast noch schwerwiegender als die keineswegs branchenfremden Probleme wiegt jedoch, dass Weltbild enorme Schwierigkeiten hat, die Marke zu fokussieren. "Uns ist der Leitstern abhanden gekommen", zitiert "Handelsblatt Online" aus dem Management der Weltbild-Gruppe. Die katholischen Eigentümer beschweren sich seit Jahren über das ihrer Meinung nach allzu weltliche Angebot des Verlages. Besonders die Bücher aus dem Erotik- und Esoterikbereich stießen den Kirchenherren übel auf. Gleichzeitig mochte das Management zuletzt auf Bestseller wie dem Sadomaso-Roman "Shades of Grey" nicht verzichten. Dass dann andererseits Aufklärungsbücher wie "Make Love" nicht nur im Verlagsprogramm weggelassen, sondern auch gegeißelt wurden, kratzte erheblich an der Glaubwürdigkeit der neuen Verlagslinie.

Dem Verlag fehlt dem Vernehmen nach eine Summe im unteren dreistelligen Millionenbereich. Wenn die Kirche jedoch nicht mitspielt, werden auch die Banken sich zurückziehen, heißt es. Ob der Verlag weitergeführt, verkauft oder ganz geschlossen wird, wird sich erst entscheiden, wenn nach tatsächlich erfolgtem Insolvenzantrag sich ein Insolvenzverwalter an die Arbeit macht.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen