Wirtschaft
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Blick auf 2015: Wirtschaft erwartet solide Konjunktur

Die deutsche Wirtschaft kommt einigermaßen robust durch das Jahr. Die Beschäftigung steigt und die Verbraucher stützen die Konjunktur. Für 2015 sind die meisten großen Branchen zuversichtlich. Doch die Lage bleibt angespannt.

Trotz Konjunkturflaute im Euroraum und weltweiter Krisen ist Deutschlands Industrie gut durch das Jahr 2014 gekommen. Die Aussichten für 2015 sind zwar nicht überschwänglich. Insgesamt erwarten die großen Industriebranchen aber Wachstum. Für Stabilität dürften zudem weiter der robuste Arbeitsmarkt und der private Konsum sorgen. Letzterer dürfte zudem von der weiter geringen Inflation sowie vom Mindestlohn profitieren.

Autoindustrie

(Foto: picture alliance / dpa)

Für die deutsche Autoindustrie dürfte es auch 2015 aufwärts gehen. Der Branchenverband VDA erwartet einen Produktionszuwachs von vier Prozent auf 15,3 Millionen Fahrzeuge. Dabei dürfte die Produktion im Ausland stärker zulegen als im Inland. "Die Lage ist besser als die Stimmung", sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann. Beim Export sei mit einem Plus von zwei Prozent zu rechnen.

Maschinenbau

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Die deutschen Maschinenbauer steuern trotz der Russlandkrise auf ein weiteres Rekordjahr zu. Der Branchenverband VDMA geht davon aus, dass die reale Produktion um zwei Prozent steigen wird. "Unser Produktionswert könnte also im kommenden Jahr erstmals die Schwelle von 200 Milliarden Euro überschreiten", sagt VDMA-Präsident Reinhold Festge. Schon 2014 übertraf die Schlüsselindustrie mit mehr als einer Million Beschäftigten sowohl beim Umsatz als auch in der Produktion die bisherigen Rekordmarken von 2008.

Chemie

Die Chemiebranche hofft auf die wirtschaftliche Stabilisierung der Eurozone und weiterhin gute Geschäfte in den USA. Erwartet werden 196,5 Milliarden Euro Umsatz, rund 1,5 Prozent mehr als 2014. Im laufenden Jahr setzte die deutsche Chemie-Industrie ihr langsames, aber stetiges Wachstum fort und erzielte den fünften Umsatzrekord in Folge.

Elektroindustrie

Die deutsche Elektroindustrie hat ihre Prognose für 2015 noch nicht vorgelegt. Die Auftragseingänge als Indikator künftiger Geschäfte deuteten zuletzt aber auf eine leichte Belebung hin: Von Januar bis Oktober gingen bei den Betrieben mit insgesamt knapp 846.000 Beschäftigten 0,6 Prozent mehr Bestellungen ein als im Vorjahr. Produktion und Umsatz lagen je 2,6 Prozent über Vorjahr, das Geschäftsklima stieg im November wieder leicht. Im Exportgeschäft meldete die Branche für Oktober gar ein monatliches Allzeithoch.

Bau

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie rechnet für 2015 mit steigenden Umsätzen. Allerdings dürfe die Dynamik etwas nachlassen. 2014 habe die Hochkonjunktur im Wohnungsbau der Baubranche ein gutes Jahr und ein Umsatzplus von voraussichtlich 4,0 bis 4,5 Prozent auf gut 99 Milliarden Euro beschert.

Beschäftigung

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Trotz der mitunter zuversichtlichen Prognosen erwarten Experten zunächst eine Fortsetzung der Stagnation vom Sommer. Insgesamt wird sich der Arbeitsmarkt erneut positiv entwickeln, wenn auch etwas langsamer als zuletzt, wie hat die Bundesagentur für Arbeit prognostiziert.

Preisanstieg

Die Inflation bleibt nach allen Prognosen niedrig, die Deutsche Bundesbank etwa erwartet einen leichten Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex' (HVPI) von 0,9 Prozent im laufenden auf 1,1 Prozent im kommenden Jahr. Da gleichzeitig die Löhne spürbar steigen dürften, haben die Menschen real mehr Geld in der Tasche. Die kräftig gesunkenen Ölpreise bremsen den Preisauftrieb zusätzlich - und sorgen dafür, dass die Menschen günstiger heizen und tanken können. "Ein solcher Rückgang des Rohölpreises wirkt über die Entlastung der Lebenshaltungskosten der Haushalte und der Produktionskosten der Unternehmen wie ein kleines Konjunkturprogramm", sagt Bundesbankpräsident Jens Weidmann. 

Stimmung in den Unternehmen

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer: Aber immerhin hat sich die Stimmung in den Unternehmen im November erstmals seit sechs Monaten überraschend wieder aufgehellt. Damit steigt die Chance, dass Unternehmen wieder mehr investieren und so die maue Konjunktur anschieben.

Eurokurs

Die Null-Zins-Politik und das viele billige Geld der Europäischen Zentralbank haben den Euro zum Dollar deutlich geschwächt. Damit werden Waren aus dem Euroraum am Weltmarkt günstiger, was den Export anschieben dürfte. "Wir rechnen mit einem durchschnittlichen Wachstum der realen deutschen Exporte zwischen vier Prozent und sechs Prozent im Zeitraum von 2014 bis 2019", sagt Deutsche-Bank-Ökonom Stefan Schneider. Dabei dürfte 2015 auch die von den USA getriebene erwartete moderate Erholung der Weltwirtschaft helfen.

Russland-Krise und andere Spannungen

Unsicherheit ist Gift für die Konjunktur. Gerade die Spannungen zwischen Russland und der EU bremsen die Wirtschaft merklich. "Der Einbruch der Exporte nach Russland dämpft die Entwicklung der deutschen Ausfuhren immer stärker. In diesem unsicheren Umfeld dürften die Unternehmen teilweise ihre Investitionspläne auf Eis legen", fürchtet Ökonom Dieter Bräuninger von der Deutschen Bank.

Eurozone

Bisher haben sich alle Hoffnungen auf einen Aufschwung in der Eurozone zerschlagen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet auch in naher Zukunft kaum Impulse aus den Partnerländern: "Die Wachstumsaussichten für die nächsten Jahre sind ernüchternd. Im Euroraum bleibt das Wachstum quälend langsam"» Das wird die deutschen Exporteure treffen, denn die Eurozone ist ihr mit Abstand wichtigster Markt, wie Stefan Schneider von der Deutschen Bank betont. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung blickt daher besorgt auf 2015. DIW-Chef Marcel Fratzscher hält sogar eine Rezession im nächsten oder übernächsten Jahr nicht für unmöglich.

Quelle: n-tv.de

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