Wirtschaft
"Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten trüben die Exporterwartungen", sagen die Experten des DIHK.
"Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten trüben die Exporterwartungen", sagen die Experten des DIHK.(Foto: picture alliance / dpa)

"Konjunktur ausgebremst": Wirtschaft rechnet nur mit Mini-Wachstum

Um die Konjunktur in Deutschland ist es möglicherweise schlechter bestellt als angenommen: Das Wirtschaftswachstum könnte 2015 sogar unter ein Prozent sinken - das ist das Ergebnis einer Unternehmensbefragung des DIHK.

Die deutsche Wirtschaft tritt beim Wachstum auf die Bremse und erwartet für nächstes Jahr einen regelrechten Einbruch - anders als die Regierung und führende Wirtschaftsforscher. Grundlage ist eine neue Unternehmensbefragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), die ernüchternde Ergebnisse brachte. Der DIHK senkt nun seine Prognose für 2014 auf 1,3 von bisher 1,5 Prozent und erwartet für 2015 eine Zunahme des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) um nur noch 0,8 Prozent.

Video

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute und die Bundesregierung hatten im Oktober angesichts der internationalen Krisen und der Wirtschaftsschwäche des Euroraums ihre Prognosen für das deutsche Wachstum bereits deutlich heruntergeschraubt. Die Regierung rechnet seitdem mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 1,2 Prozent in diesem und um 1,3 Prozent im kommenden Jahr. Die Institute prognostizieren für 2014 eine Steigerung des deutschen BIP von 1,3 Prozent und für 2015 von 1,2 Prozent.

Doch der DIHK zeigte sich für 2015 noch deutlich skeptischer und verwies unter anderem auf schwächere Geschäftserwartungen in seiner aktuellen Konjunkturumfrage, für die im Herbst mehr als 27.000 Antworten deutscher Unternehmensvertreter ausgewertet worden waren. Laut der Erhebung, die den ernüchternden Titel "Konjunktur ausgebremst" trägt, erwarten für die kommenden Monate 64 Prozent der Unternehmen stagnierende Geschäfte - mehr als in allen bisherigen Umfragen. Bessere Geschäfte sehen nur noch 21 Prozent der befragten Firmen, hingegen rechnen 15 Prozent mit einer Verschlechterung. Der sich hieraus ergebende Saldo der Geschäftserwartungen brach gegenüber dem Frühsommer von 18 Punkten auf 6 Zähler ein.

Internationale Konflikte trüben Investitions- und Konsumklima

"Vor allem die Nachfragerisiken verschärfen sich", warnte der DIHK. Beim Auslandsgeschäft stiegen die Sorgen der Exportindustrie nach den ersten Warnzeichen vom Frühsommer mittlerweile deutlich, aber auch bei der Inlandsnachfrage befürchteten deutlich mehr Unternehmen Rückschläge. "Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten trüben inzwischen nicht nur die Exporterwartungen, sondern zunehmend auch das heimische Investitions- und Konsumklima," konstatierte die Kammerorganisation. "Die Inlandsnachfrage ist damit erstmals seit einem Jahr wieder Geschäftsrisiko Nummer eins."

Der DIHK rechnet vor diesem Hintergrund mit einer Steigerung der privaten Konsumausgaben um 0,8 Prozent in diesem und um ein Prozent im kommenden Jahr. Für die Exporte erwartet der DIHK Zuwächse von 2,8 Prozent in diesem Jahr sowie 4,0 im kommenden und für die Importe von 3,6 und 5,0 Prozent. Die Bruttoanlageinvestitionen werden nach der Prognose der Wirtschaftsexperten 2014 um 2,8 Prozent, 2015 aber nur noch um 1,7 Prozent zunehmen. Die Unternehmen seien zunehmend besorgt über die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen