Wirtschaft
Mit dem Winkelschleifer die Kanten eines Stahlsegments einer Windkraftanlage glätten: Alltagszene aus dem Inneren der deutschen Wirtschaft.
Mit dem Winkelschleifer die Kanten eines Stahlsegments einer Windkraftanlage glätten: Alltagszene aus dem Inneren der deutschen Wirtschaft.(Foto: picture alliance / dpa)

Lebhafte Kreditnachfrage: ZEW-Index signalisiert Vorsicht

Wie steht es um die Zukunftsaussichten der deutschen Wirtschaft? Die Zuversicht der Börsenprofis schwindet mit Blick auf die Perspektiven der stärksten Volkswirtschaft Europas in den kommenden sechs Monaten deutlich.

Das sieht nicht gut aus: Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen startet mit einem kräftigen Rückgang in das neue Jahr. Im Januar weicht das viel beachtete Stimmungsbarometer des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) um 5,9 Punkte zurück und liegt aktuell bei nur noch 10,2 Punkten. Es ist der erste Rückgang nach zwei leichten Aufhellungen in Folge, wie die ZEW-Experten betonen. Im Dezember lag der Index der Konjunkturerwartungen noch bei 16,1 Zählern.

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Damit bewegt sich der ZEW-Index weiterhin weit unterhalb seines bisherigen Niveaus: Der langfristige Mittelwert liegt unverändert bei 24,7 Punkte. "Der Beginn des neuen Jahres ist geprägt von den Kapitalmarktturbulenzen in China, die auch zu starken Kursrückgängen am deutschen Aktienmarkt geführt haben", kommentierte ZEW-Experte Sascha Steffen die jüngste Entwicklung. "Wie auch schon im vergangenen Jahr belasten die Wachstumsschwäche Chinas und anderer wichtiger Schwellenländer den Konjunkturausblick für Deutschland."

(Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zum ZEW-Index finden Sie hier.)

Der ZEW-Index basiert auf eine Erhebung unter Finanzmarktexperten. Abgefragt werden jeweils Einschätzung zu den Konjunkturerwartungen in den kommenden sechs Monaten sowie zur konjunkturellen Lage in Deutschland.  Die aktuelle Situation beurteilten die Börsenprofis erneut deutlich besser als die Aussichten: Der Teilindex zur Lage stieg im Januar um 4,7 auf 59,7 Punkte.

China belastet die Prognose

Ein ermutigendes Signal erreichte Analysten dagegen aus ganz anderer Richtung: Die Kreditnachfrage deutscher Unternehmen ist Ende 2015 stark angestiegen, wie aus dem jüngsten Quartalsbericht zur Kreditvergabe der Bundesbank hervorgeht. Eine stärkere Nachfrage nach Krediten deutet auf eine höhere Investitionsneigung hin.

Die Zahl der Banken, die von einer höheren Kreditnachfrage berichten, überstieg jene mit einer niedrigeren um 34 Saldenpunkte, heißt es in dem Bericht der Bundesbank. Insgesamt verzeichnete sie im zurückliegenden Quartal den stärksten Anstieg seit 2011.

Gestützt wurde die Nachfrage besonders von großen Unternehmen, die Anlageinvestitionen langfristig finanzieren wollten. Der Saldenwert für Investitionskredite erreichte 31 Punkte und war damit der höchste seit dem dritten Quartal 2008. Der Saldenwert für Langfristkredite (47 Punkte) war der höchste überhaupt in dieser bis 2007 zurückreichenden Zeitreihe.

Ökonomen bemängeln seit langem, dass die deutsche Volkswirtschaft von der Substanz lebe und zu wenig investiere, was das künftig mögliche Wirtschaftswachstum begrenze. Die aktuellen Kreditdaten deuten an, dass deutsche Unternehmen nun doch das sehr niedrige Zinsniveau nutzen wollen, um in Bauten und Ausrüstungen zu investieren.

Quelle: n-tv.de

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