Wirtschaft
Ob beten in dieser Situation hilft, ist fraglich.
Ob beten in dieser Situation hilft, ist fraglich.(Foto: picture alliance / dpa)

Europa fällt vom Glauben ab: Athen ist kaum mehr zu retten

Ein Kommentar von Diana Dittmer

Selbst die hartgesottensten Griechenland-Retter geben auf. Athen wird die Staatspleite wahrscheinlich nicht mehr verhindern können. Die EU-Finanzminister müssen in Riga endlich klare Verhältnisse schaffen.

Die Rückmeldungen aus Griechenland sind verheerend: Weder die Regierung in Athen noch die Euro-Retter scheinen die Lage noch zu kontrollieren. Die Chancen, dass das Land über diesen Monat hinaus Mitglied der Eurozone bleibt, tendieren gen null. Je länger sich die Europäer durch die griechischen Eingeweide wühlen, desto trostloser die Erkenntnis: Hellas ist nicht mehr zu helfen. Nicht, dass man es nicht wollte, aber es funktioniert einfach nicht.

Nicht nur Klaus Regling, der Chef des Euro-Rettungsfonds, schlug zuletzt deutlich pessimistischere Töne an, als EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker noch vor wenigen Wochen. Regling sieht Athen kaum mehr in der Lage, bis Ende April "eine verlässliche Reformliste" vorzulegen. Auch die EU-Komissionmitglieder sollen inzwischen resignieren. Nach bisheriger Lesart wäre das dann wohl das Aus. Die Gläubiger werden den Geldhahn zudrehen und den griechischen Staat endgültig bankrottgehen lassen.

Falsche Erwartungen

Überraschend ist die Kehrtwende eigentlich nicht: Die Eurogruppe kritisiert, dass es in der griechischen Regierung keine erfahrenen Ansprechpartner gebe. Aber wer konnte das ernsthaft erwarten? Beamte, die mit früheren Verhandlungen betraut waren, wurden vom links- und rechtsradikalen Bündnis unter Premier Alexis Tsipras in die Wüste geschickt. Jetzt tappt die Regierung in Athen selbst im Dunkeln - auch wenn sie sich Mühe gibt, das zu verbergen, indem sie jovial, immer lächelnd, immer gut gelaunt vorgibt, lediglich hoch zu pokern.

Europa hat an die griechische Regierung die eigenen Maßstäbe angesetzt. Das war ein Fehler. Sie ist davon ausgegangen, dass eine Regierungsübernahme so läuft wie bei uns. Aber in Griechenland herrschen andere Verhältnisse. Wissen, Erfahrung, Akten - das alles wurde nicht weitergegeben. Die Ansprechpartner sind weg, Dokumente gibt es nicht -  entweder gab es sie erst gar nicht erst oder sie wurden entsorgt. Das ist das, was Griechen selbst berichten. Tsipras und seine Gefolgsleute haben nichts vorgefunden, was sie hätten übernehmen können. Das ist die traurige Wahrheit, wie sie sich immer mehr herauskristallisiert.

Der Handlungsspielraum der Regierung ist noch geringer ist als ihre Sachkenntnis. Protokolle der Troika muss sie zwangsläufig weit von sich weisen. Jedes Zugeständnis an die Gläubiger wäre eine schwere Belastungsprobe für das Bündnis aus linksextreme Syriza und rechtsradikaler Anel - es könnte jederzeit zerbrechen. Mit so einer Regierung sind keine Verhandlungen möglich.

Die Sicht auf die Dinge wird klarer

Das "Deckmäntelchen" über den griechischen Verhältnissen lüftet sich immer mehr. Wer jetzt noch glaubt, dass die griechische Regierung pokert, irrt. Sie kann nicht besser. Keiner weiß, wie es um die Staatsfinanzen wirklich steht, weil es über Einnahmen und Ausgaben wahrscheinlich kaum belastbare Informationen gibt. Das alles ist keine Grundlage für eine Rettungsaktion.

Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis sind vor allem eins: Blender. Sie spielen dem Rest Europas etwas vor, was sie gar nicht sein können. In Wirklichkeit wissen sie nichts und sie haben nichts. Sie sind nackt. Sie lassen es sich nur nicht anmerken. Es ist wie bei des "Kaisers neuen Kleidern". Das ist die traurige Wahrheit.

Die gute Nachricht ist, beim Finanzministertreffen in Riga am 24. April dürfte der Schrecken ohne Ende endlich ein Ende haben. Ausländische Investoren haben bereits das Weite gesucht. Jetzt fehlen nur noch die Institutionen. Die Griechenland-Retter müssen sich wohl oder übel auf die Möglichkeit einstellen, dass trotz bester Absichten nichts erzwungen werden kann. Dem Land ist nicht mehr zu helfen.

Die Erkenntnis ist nach allen Anstrengungen, die unternommen worden sind, verheerend. Aber manchmal reicht selbst der beste Wille nicht aus. Jetzt gilt es, Schlimmeres zu verhindern. Neue Pläne müssen auf den Tisch. Einem Zeitungsbericht zufolge soll die Bundesregieung an einem Plan arbeiten, Griechenland auch im Falle einer Staatspleite im Euro zu halten. Berlin dementierte das.

Quelle: n-tv.de