Wirtschaft
Dienstag, 15. Juni 2010

Armes Griechenland: Sparen ist nicht ungefährlich

Jan Gänger

Angesichts der Schuldenkrise bewertet die EU die Fortschritte der zwölf Defizitsünder - darunter auch Deutschland. Doch die besondere Aufmerksamkeit gilt den Griechen.

Die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung stoßen nicht nur auf Zustimmung.
Die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung stoßen nicht nur auf Zustimmung.(Foto: REUTERS)

Die Griechen können einem schon leid tun. Sie bemühen sich nach Kräften, um das Vertrauen der Finanzmärkte wiederzugewinnen. Da leitet das Land harte Sparmaßnahmen ein, gegen die die hierzulande diskutierten Vorschläge winzig erscheinen. Und was machen die Märkte? Sie zeigen Athen weiter die kalte Schulter. Und nun senkte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf Ramsch.

Das ist zwar nicht ganz so dramatisch, da sich Athen wegen des Rettungsschirms der Eurozone und des Internationalen Währungsfonds jederzeit frisches Geld besorgen kann. Dennoch werden die Rufe immer lauter, Athen solle doch endlich konsequenter und härter sparen als bisher. Sonst werde das nie etwas mit dem Vertrauen der Märkte – die Auflagen von Euro und IWF reichen ja wohl nicht aus.

An dieser Stelle lohnt sich ein Blick auf die Begründung für die Herabstufung, die Moody's freundlicherweise mitlieferte: Das 110 Milliarden Euro schwere Hilfspaket ist an Bedingungen geknüpft, von denen große Risiken für Griechenland ausgehen. Athen werde zum Sparen gezwungen, und das erschwere das Wirtschaftswachstum.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass Regierungen rund um die Erde Konjunkturpakete geschnürt haben, um der schwächelnden Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Es gibt Situationen, in denen man zuviel sparen kann. Sparsamkeit im Angesicht einer zutiefst flauen Konjunktur beeindruckt die Märkte nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Wer ständig darauf verweist, dass hartes Sparen gegenwärtig Voraussetzung sei, um jetzt das Vertrauen der Märkte zu gewinnen, der muss sich fragen lassen, woher er diese Gewissheit nimmt.

Blick nach Dublin und Madrid

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman weist in diesem Zusammenhang auf Irland und Spanien hin – zwei Länder der Eurozone, die sich plötzlich mit hohen Defiziten herumschlagen mussten. Die Regierungen reagierten unterschiedlich: Während Irland sofort einen harten Konsolidierungskurs einschlug, zögerte Spanien. Mittlerweile hat Madrid zwar spürbare Einschnitte angekündigt, doch der Weg ist noch nicht frei, es gibt heftigen Widerstand. Und was halten die viel beschworenen Märkte davon? Die Kosten für Kreditausfallversicherungen Irlands liegen über den Spaniens. Zehnjährige Staatsanleihen muss Dublin höher verzinsen als Madrid. Die Märkte haben also mehr Vertrauen in Spanien als in Irland. Nicht nur mit Blick auf Griechenland stellt sich daher die Frage, ob es sinnvoll ist, die Konjunkturerholung zu gefährden, um Forderungen zu erfüllen, die die Märkte nicht erheben.

Warum also verlangen einflussreiche Ökonomen und Politiker, jetzt heftig zu sparen? Paul Krugman vermutet, das habe wohl mit Eitelkeit zu tun. Für viele erscheine es offensichtlich verführerisch, eine knallharte Position einzunehmen. Wer tapfer schmerzhafte Maßnahmen fordert, der nimmt die Pose einer ernsthaften Person ein, die sich unseriösen Typen entgegenstellt.

Da mag etwas dran sein. Doch entscheidend ist: Natürlich müssen die Länder am Rand der Eurozone ihre Haushalte in den Griff bekommen. Sie sollten allerdings nicht zu Maßnahmen gezwungen werden, die die Konjunktur abwürgen. Das wäre widersinnig.

Quelle: n-tv.de